Wohnen

Senioren in Hagen drei Wochen bei Minusgraden ohne Heizung

Der kleine Heizstrahler aus dem Baumarkt ist drei Wochen lang der beste Freund von Horst und Edith Humpert.

Der kleine Heizstrahler aus dem Baumarkt ist drei Wochen lang der beste Freund von Horst und Edith Humpert.

Foto: Hubertus Heuel / WP

Boelerheide.  Drei Wochen lang fiel in zwei Miethäusern in Boelerheide die Heizung aus. Die Mieter saßen in Winterkleidung in den eigenen vier Wänden.

Dick verpackt in warmer Winterkleidung versammeln sich Horst Humpert (81) und seine Frau Edith (76) am Donnerstagmorgen um den kleinen Heizstrahler in ihrem Wohnzimmer. „Das haben wir in den vergangenen Tagen immer so gemacht“, sagen die Eheleute: „Anders war es bei uns zu Hause gar nicht auszuhalten.“ Der Heizstrahler aus dem Baumarkt, den sie in ihrer Not gekauft hatten, war so etwas wie ihre Lebensversicherung: „Sonst wären wir in den eigenen vier Wänden erfroren.“

Drei Wochen lang war in der 63-Quadratmeter-Wohnung des Ehepaares in der Gottfried-Keller-Straße die

Heizung ausgefallen. Auch in den Nachbarwohnungen war es bitterkalt. Grund war ein Defekt am Kessel der Ölheizung, die sich im Nachbarhaus befindet, dessen Mieter in dieser Zeit ebenfalls bibbern und frieren mussten.

Christina Sucker­ (65) litt nach einer schweren Krankheit und einem damit einhergehenden geschwächten Immunsystem besonders unter den eisigen Temperaturen in der Wohnung: „Ich bin erkältet, aber unter diesen Umständen kann ich nicht gesund werden. Gott sei Dank hat mir mein Sohn einen Heizofen gekauft.“

Mit offenem Backofen geheizt

Immer wieder hätten sie bei der LEG Immobilien AG, der die beiden Häuser gehören, angerufen und auf die kaputte Heizung hingewiesen, berichten die Mieter. Immer wieder hätten sie in der Warteschleife gehangen. Immer wieder habe der Kundenservice sie vertröstet oder hingehalten. „Das zerrt an den Nerven“, berichtet Horst Humpert: „Einmal bin ich sogar ausgelacht worden und bekam zu hören, die Heizung liefe doch.“

Nein, sie lief nicht, die Heizung. Das kann Renate Jischewsky (84) bestätigen. Um es warm zu haben in ihrer Wohnung, öffnete die Rentnerin die Klappe des Backofens und schaltete das Gerät ein. Neben ihrem pflegebedürftigen Mann Erwin (96), der nicht mehr mobil ist, postierte sie einen Heizlüfter. Drei Wochen lang ging das so: „Es war zum Verzweifeln“, sagt Frau Jischewsky.

Bauteil unerwartet ausgefallen

Horst und Edith Humpert waren in den vergangenen Wochen Stammgast in Kaufhäusern und Cafés: „Überall war es wärmer als zu Hause.“ Auch dem Glühweinstand auf dem Weihnachtsmarkt statteten sie einen Besuch ab: „Aber das hilft alles nicht viel, wenn man nach Hause kommt und wieder in der Kälte sitzt.“

Nachdem sich die Mieter an unsere Zeitung gewandt hatten, ging auf einmal alles ganz schnell. Noch im Laufe des Donnerstags wurde die Heizung repariert. „Für den Ausfall entschuldigen wir uns bei unseren Mietern“, so Judith-Maria Gillies, Pressesprecherin der LEG. Die Anlage sei erst im September generalüberholt worden. Dass sie nach so kurzer Zeit ausgefallen sei, sei auf ein Bauteil aus dem nicht erneuerten Bereich der Anlage zurückzuführen, das plötzlich und unerwartet ausgefallen sei: „Auch für die Dauer des Ausfalls bitten wir um Verzeihung. Grund waren Koordinationsprobleme bei der Reparatur und fehlende Ersatzteile.“

Die Mieter hoffen, dass die Heizung nun wieder dauerhaft funktioniert, so Edith Humpert: „Damit wir Weihnachten im Warmen feiern können.“

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben