Interview

SPD-Abgeordneter Röspel übt scharfe Kritik Hagener AfD-Chef

Rene Röspel ist SPD-Bundestagsabgeordneter.

Foto: Michael Kleinrensing

Rene Röspel ist SPD-Bundestagsabgeordneter.

Hagen.   Der SPD- Bundestagsabgeordneter René Röspel reagiert fassungslos auf Aussagen des Hagener AfD-Sprechers Michael Eiche zu Chemnitz.

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Der Bundestagsabgeordnete René Röspel zeigt sich entsetzt von den Aussagen des Hagener AfD-Sprechers Michael Eiche zu den Ereignissen in Chemnitz (die WP berichtete). Die Strategie, mit der Eiche, gleichzeitig Vorsitzender der AfD im Rat der Stadt, auf die Kritik an seiner Partei reagiere, erinnere an die Nationalsozialisten in der Weimarer Republik, so der SPD-Politiker.

Michael Eiche hat doch erklärt, dass sich die AfD von Gewalt distanziere – da spricht doch erst mal nichts dagegen...

René Röspel: Das mag für Herrn Eiche persönlich gelten, aber es ist typisch für AfD-Vertreter – sobald Kritik auftaucht, distanziert man sich öffentlich und will damit nichts zu tun haben. Genau so macht das jetzt Michael Eiche. Das ist eine Strategie, die man aus der Weimarer Republik kennt, als die braunen Horden anfangs verdeckt und dann immer offener ihre Gewalt gegen Juden und Andersdenkende ausübten. Wenn es brisant wurde, gab man den Biedermann.

Die Ereignisse von Chemnitz werden auch von der Politik sehr unterschiedlich interpretiert – wie ist denn Ihre Sichtweise?

In unserer Klausursitzung am 7. September haben wir uns als Bundestagsfraktion sehr intensiv mit den Geschehnissen befasst. Aus

Demonstrationen mit Pegida-, Pro-Chemnitz- und AfD-Schildern heraus sind Hitler-Rufe – teilweise in Sprechgesängen – skandiert und der Hitler-Gruß ist gezeigt worden. Aus größeren und kleineren Ansammlungen heraus gab es Jagd auf anders aussehende Menschen und weitere Übergriffe. Und diese Selbstjustiz wird dann auch noch vom AfD-Abgeordneten Markus Frohnmaier – natürlich indirekt – gerechtfertigt.

Sie reagieren ja sehr emotional – warum bewegt Sie selbst diese Thematik so sehr?

Wenige Tage zuvor hatte ich noch mit überlebenden Zeitzeugen und Opfern des Nazi-Terrors zu tun. Dann höre ich, wie die AfD selbst im Bundestag von ,Messermigration’ spricht und wie der AfD-Vorsitzende Gauland Hitler und Nazis als ,nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher Geschichte’ bezeichnet. Solche Verharmlosungen und solche Aussagen machen mich fassungslos.

Michael Eiche sieht seine Fraktion gut aufgestellt. Wie schätzen Sie denn die politische Arbeit der AfD auf kommunaler und auf Bundesebene ein?

Die AfD – einmal aus der Kritik am Euro entstanden – hat gar kein Interesse daran, Probleme zu lösen. Sie unterbreitet auch keine Vorschläge. Ihr geht es nur darum, Probleme zu nutzen, um Menschen gegen Minderheiten aufzuhetzen. Dafür ist Chemnitz das beste Beispiel: Der fürchterliche Fall eines Menschen mit Migrationshintergrund, der vermutlich durch zwei Migranten getötet wurde, wird von der AfD und den Nazis instrumentalisiert, um pauschal zu hetzen und ihre braune Suppe zu kochen.

Man mag das bedauern – aber in Umfragen liegt die AfD auf Augenhöhe, teilweise sogar vor der SPD. Und bei den letzten Wahlen hat sie erheblich zugelegt...

Wahrscheinlich haben viele Menschen die AfD aus Protest gewählt und stehen hoffentlich nicht hinter der Menschen verachtenden Politik. Denn außer dem Leugnen des Klimawandels und einer Politik für Reiche steht wenig im Programm. Aber über eines muss man sich klar sein: Wer künftig die AfD wählt, unterstützt die Hetze gegen Menschen. Und wer Mitglied der AfD ist, ist auch verantwortlich für das, was Gauland, Höcke und all die Anderen sagen und tun. Wegducken geht da nicht mehr. Probleme werden damit nicht gelöst, sondern verschärft.

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