Rockerkrieg

Rockerkrieg: Spezialeinheiten schlagen in Hagen zu

Staatsanwaltschaft und Polizei haben im Hagener Rockerkrieg ein weiteres Zeichen gesetzt.

Staatsanwaltschaft und Polizei haben im Hagener Rockerkrieg ein weiteres Zeichen gesetzt.

Foto: WP

Hagen.  Weiterer Schlag gegen die Rockerszene Hagen: Mehrere Verdächtige sind von Spezialkräften der Polizei verhaftet worden. Hier die Hintergründe.

Polizei und Staatsanwaltschaft ist ein weiterer Schlag gegen die Hagener Rockerszene gelungen.

Im Mittelpunkt mehrerer Verhaftungen standen der Verdacht der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie mehrere weiterer Delikte. Hintergrund des Verfahrens sind Ermittlungen nach zurückliegenden Straftaten zwischen zwei rivalisierenden Rockergruppierungen.

In diesem Zusammenhang wurden am Mittwoch in den frühen Morgenstunden mehrere Objekte in Hagen sowie im Märkischen Kreis durchsucht. Gegen vier Männer (22, 26, 40 und 45 Jahre alt) wurden bestehende Haftbefehle vollstreckt. Die Festnahmen erfolgten unter Beteiligung von Spezialeinheiten der Polizei. Dabei konnten Datenträger, Waffen und Rauschgift sichergestellt werden. Ein weiterer Beschuldigter (52), gegen den ebenfalls ein Haftbefehl bestand, konnte in den Nachmittagsstunden des Donnerstags in Hagen festgenommen werden. Bei den Durchsuchungen wurden bei einem weiteren Mitglied der Gruppierung, einem 36-jährigen Mann, Betäubungsmittel in nicht geringer Menge aufgefunden. Gegen ihn erließ das Amtsgericht Hagen bereits einen Haftbefehl wegen bewaffneten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge. Die Ermittlungen dauern noch an.

Blutiger und brutaler Kampf

Die Rocker von Bandidos und Freeway Riders hatten sich in den vergangenen beiden Jahren einen teils blutigen und brutalen Kampf um die Vorherrschaft in Hagen geliefert. Dass zuletzt die großen Schlagzeilen fehlten, bedeutet aber weder, dass die Rocker nicht mehr aktiv sind in Hagen, noch, dass die Ermittler nicht weiter mit Hochdruck an dem Komplex „Rocker-Krieg“ arbeiten – um alte Straftaten aufzuklären und neue zu verhindern. Als Beispiel für das konsequente Vorgehen der Behörden dienen die Kontrollen bei der Halloween-Party der Freeway Riders im Clubhaus in Kückelhausen. Dort, so bestätigte seinerzeit der Hagener Oberstaatsanwalt Dr. Gerhard Pauli, waren zwar keine neue Taten der Anlass. Aber mit Razzien und Kontrollen wollen die Ermittler der Druck weiterhin hoch halten.

Und auch die strafrechtliche Aufarbeitung läuft weiter. Schon seit Mai muss sich ein 58 Jahre altes Mitglied der Freeway Riders wegen versuchten Totschlags verantworten. Auch eine Verurteilung wegen versuchten Mordes ist möglich. Er soll auf der Frankfurter Straße auf einen Bandido geschossen haben. War zunächst schon im Sommer ein Urteil erwartet worden, so hat sich der Prozess zuletzt erheblich gezogen, weil von der Verteidigung des bislang nicht vorbestraften Kfz-Sachverständigen immer neue Beweisanträge gekommen waren. Ein endgültiges Ende des Verfahrens ist weiterhin kaum abzusehen. Oberstaatsanwalt Pauli zeigte sich zuletzt jedoch zuversichtlich, dass es auch zu einer Verurteilung wegen eines versuchten Tötungsdelikts kommen wird. „Aus unserer Sicht hat die Hauptverhandlung nichts anderes ergeben.“

Freeway Riders in Hagen etabliert

Ähnlich optimistisch beurteilt er auch die weiteren Ermittlungen gegen ein Mitglied der anderen Rocker-Gruppierung, der Bandidos. Einem Mitglied der Gruppe, die versucht, in Hagen Fuß zu fassen und damit einen Konflikt mit den seit 45 Jahren in Hagen präsenten Freeway Riders heraufbeschworen hatte, wirft die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vor. Er soll im September 2018 in der Innenstadt auf einen Freeway Rider geschossen haben. Der 31-Jährige Bandido sitzt derzeit schon wegen eines anderen Vorfalls aus dem Hagener Rockerkrieg in Haft. Er hatte gestanden, an der Saarlandstraße aus seinem Auto heraus auf einen Pkw geschossen zu haben, in dem zwei Freeway Riders und eine Frau saßen. Der Vorwurf des versuchten Mordes ließ sich in dem Prozess zwar nicht beweisen, doch der Bandido wurde zu drei Jahren wegen Verstößen gegen das Waffengesetz verurteilt. Die Staatsanwaltschaft ist sich nun aber sicher, ihm in dem anderen Fall die versuchte Tötung nachweisen zu können. Sein Verteidiger Reinhard Peters, der derzeit in mehreren Rocker-Prozessen im Ruhrgebiet Bandidos vertritt, zweifelt das gegenüber der WP an: „Da ist unser Ansicht nach dünn.“

Parallel arbeitet die Staatsanwaltschaft an weiteren Strängen des Rockerkriegs, unter anderem an mehrer Verfahren wegen Verstößen gegen das Waffengesetz. Die jetzt erneut erfolgten Festnahmen sind Teil dieser Aktivitäten. Denn in dem Hagener Rockerkrieg waren viele illegale Waffen eingesetzt worden. Hier gibt es auch Verbindungen zu den Angeklagten, die sich derzeit vor dem Landgericht Arnsberg verantworten müssen. Im Mittelpunkt des Prozesses steht ein Mitarbeiter des Waffenherstellers Umarex, der Waffenteile aus der Firma geschmuggelt, zusammengebaut und weiterverkauft haben soll.

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