Streit bei TWB

TWB in Hagen – Sabotage-Vorwurf gegen eigene Mitarbeiter

Blick auf das TWB-Werk am Zusammenfluss von Volme und Ennepe in Eckesey: Die Produktion darin ist stark ins Stocken geraten. Über 100 Kollegen haben sich krankschreiben lassen.

Blick auf das TWB-Werk am Zusammenfluss von Volme und Ennepe in Eckesey: Die Produktion darin ist stark ins Stocken geraten. Über 100 Kollegen haben sich krankschreiben lassen.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  Nun äußert sich erstmal die Geschäftsführung des angeschlagenen Automobil-Zulieferers TWB. Sie sei enttäuscht vom Verhalten der Mitarbeiter.

Zum ersten Mal seit bekannt wurde, dass der Automobilzulieferer TWB in Hagen 290 Mitarbeitern die Kündigung ausgesprochen hat, meldet sich auf Anfrage der WESTFALENPOST die Geschäftsführung der Prevent-Gruppe zu Wort, zu der TWB gehört. Und erhebt Vorwürfe.

In Schieflage ist TWB, weil Hauptkunde VW alle Geschäftsbeziehungen zu Noch-TWB-Besitzer Prevent zum 31. März gekündigt hat. Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen Prevent und VW, in dessen Folge auch TWB vom großen deutschen Autobauer kalt gestellt wurde. TWB sprach darauf 290 Mitarbeitern die Kündigung aus. Abfindungen stellte man nicht in Aussicht, dafür eine Transfergesellschaft, die die Arbeiter in neue Beschäftigungsverhältnisse vermitteln soll.

„Wir sind enttäuscht über das Vorgehen des Betriebsrats“, lässt Prevent über einen Sprecher mitteilen. Nach monatelangen Verhandlungen habe man Ende Januar eine Einigung erzielt, die nicht nur von der IG Metall und der Agentur für Arbeit unterstützt worden sei, sondern auch vom Betriebsrat. „Wieso der Betriebsrat seine Meinung über Nacht geändert hat, darüber lässt sich nur spekulieren“, so der Sprecher. Offenbar habe man bei den Mitarbeitern zuvor unrealistische Erwartungen geweckt. Der Betriebsrat hingegen hatte zuletzt stets erklärt, dass man mit der ausgehandelten Transfergesellschaft nicht zufrieden sei und Abfindungen fordere.

„Der Betriebsrat hatte selbst vorgeschlagen, Mittel für Abfindungen in die Transfergesellschaft zu übertragen und den Anbieter der Transfergesellschaft selbst ausgewählt“, so der Prevent-Sprecher.

Die vom Betriebsrat einberufene Betriebsversammlung sei nur zur Selbstdarstellung des Betriebsratsanwalts und nicht zur Information der Belegschaft genutzt worden, so dass am kommenden Dienstag die Transfergesellschaft selbst eine Veranstaltung abhalten werde.

Kritik an haltlosen Behauptungen

Ein Vorteil der Transfergesellschaft sei, dass die Mitarbeiter, die schnell Arbeit fänden, 95 Prozent der für sie in der Transfergesellschaft geparkten Gelder mitnehmen könnten, die an sie als Abfindung ausgezahlt würden. Dass es keine Einigkeit zwischen Betriebsrat und Gewerkschaft gebe, erschwere die Lage erheblich.

„Als Zeichen unseres guten Willens haben wir nun auf Anregung des Vorsitzenden der Einigungsstelle einen weiteren Sachverständigen hinzugezogen, um haltlose Behauptungen des Betriebsratsanwalts erneut zu widerlegen“, so der Sprecher. Für diese zusätzlichen Prüfungen falle ein mittlerer bis höherer fünfstelliger Betrag an. Das Geld, das im vergangenen Geschäftsjahr verdient worden sei, habe man zu einem großen Teil der Transfergesellschaft zur Verfügung gestellt. Es handele sich um einen signifikanten Millionenbetrag.

Der hohe Krankenstand ist nicht nachvollziehbar und das Verhalten einiger Mitarbeiter grenzt an Sabotage“, so die Geschäftsführung. Man werde darauf reagieren. Den Vorwurf, dass Kollegen Sabotage betreiben würden, hatte der Betriebsrat gegenüber der WP immer zurückgewiesen.

Ein Kaufangebot von US-Automobil-Zulieferer Fisher Dynamics, so der Prevent-Sprecher, liege übrigens bis heute nicht vor. Es habe noch nicht einmal ernsthafte Gespräche darüber gegeben. Das hatte Fisher Dynamics Ende in dieser Zeitung anders erklärt. Man sei in den Gesprächen sehr weit gewesen. Man habe die Zusage von Kunden wie VW oder Ford, dass die Geschäftsbeziehung zwischen TWB und ihnen weitergehe, wenn Fisher Dynamics TWB übernehme. Fisher Dynamics war gestern für nicht zu erreichen.

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