Polizei

Unfallflucht wird in Hagen zu einem Riesen-Problem

Nah am wirtschaftlichen Totalschaden: Der Wagen von Noreen Jung ist bei einem Parkrempler erheblich zerstört worden. Der Verursacher hat sich aus dem Staub gemacht.

Nah am wirtschaftlichen Totalschaden: Der Wagen von Noreen Jung ist bei einem Parkrempler erheblich zerstört worden. Der Verursacher hat sich aus dem Staub gemacht.

Foto: Michael Kleinrensing

Hagen.  1700 Unfallfluchten gab es 2018 in Hagen. Das ist ein trauriger Allzeitrekord.

Tatort: Parkplatz am Einkaufszentrum Eilpe vor dem Schuh-Center. Dienstag, 13. August, 11.30 Uhr. Als Noreen Jung mit einer Freundin zu ihrem blauen Fiat Punto kommt, traut sie ihren Augen nicht. Der Holm unter der Tür – eingedrückt. Die Beifahrertür – zermackt. Der hintere Kotflügel – eingebeult. Die Felge hinten rechts – völlig zerkratzt. Vom Verursacher aber fehlt jede Spur.

Nur eine von tausenden Unfallfluchten in Hagen pro Jahr. Aber eine, die eine junge Frau aus Breckerfeld hart trifft. Erst seit zweieinhalb Monaten ist die 19-Jährige stolze Besitzerin ihres ersten eigenen Autos. Das Geld für den Kauf – rund 4000 Euro – hat sie sich mühsam zusammengespart. „Ich mache hier in Eilpe eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Fachangestellten“, sagt Noreen Jung (19), „ich bin auf das Auto angewiesen. Eine teure Reparatur oder gar ein neues Auto – das kann ich mir nicht mal einfach so leisten.“ Wie hoch der Schaden ist, ob sich eine Reparatur angesichts des Werts überhaupt lohnen würde – das ergeben die nächsten Tage.

Verursacher muss Unfall bemerkt haben

Was Noreen Jung allerdings weiß: „Der Verursache muss den Unfall bemerkt haben. Das ist ja nicht ein kleiner Kratzer. Das muss richtig gerummst haben.“

Fahrerflucht in Hagen: Polizei greift durch
Fahrerflucht in Hagen- Polizei greift durch

Michael Hoffmann, Leiter der Direktion Verkehr bei der Polizei Hagen, kennt diese Fälle nur zu genau. „In Hagen haben wir für 2018 eine Zunahme der Unfallzahlen und auch eine Zunahme der Unfallfluchten festgestellt“, sagt Hoffmann. „Mit rund 9000 der Polizei gemeldeten Unfälle und 1700 Unfallfluchten haben wir ein Allzeithoch.“ Im Jahr 2014 beispielsweise habe man 1365 Anzeigen wegen Unfallflucht erhalten.

Polizei strebt 50-Prozent-Quote an

Dabei sind die Chancen, dass die Polizei einen Unfallflüchtigen doch noch schnappt, gar nicht so gering. „Wir sind auf dem Weg, eine 50-Prozent-Quote zu erreichen“, sagt Hoffmann, „ich würde gerne behaupten können, dass die Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden, größer ist als die, ungeschoren davonzukommen.“

Während die Ermittler, speziell was Unfallfluchten mit Verletzten angeht, auf gute Aufklärungsquoten verweisen können, gilt das für reine Blechschäden noch nicht. „Die klassischen Parkrempler bereiten uns Probleme“, räumt Michael Hoffmann ein. Deshalb habe man im Verkehrsdezernat eine Ermittlungsgruppe gebildet, die jede Unfallflucht auf den Tisch bekomme und sehr genau nach Ansätzen suche, um die Täter zu ermitteln. „Wir sichern Spuren, nehmen Lackproben, fragen in der Nachbarschaft nach, schauen nach möglichen Videoaufnahmen.“

Polizei will Autofahrer sensibilisieren

Daneben will Hoffmann Autofahrer sensibilisieren. „Wer sein Auto auf einem großen Parkplatz abstellt, sollte durchaus genau hingucken, wer neben ihm steht“, so Hoffmann, „ist die Situation unübersichtlich, kann man ja auch mal ein Handyfoto machen.“

Als Bagatelle wertet die Polizei auch Parkrempler keineswegs. „Wer sich einfach aus dem Staub macht, begeht ein großes Unrecht“, so Hoffmann, „gerade wenn der Geschädigte sich in einer wirtschaftlich eher schwierigen Situation befindet.“ Unfallflucht sei keine Ordnungswidrigkeit, sondern eine Straftat. „Tätern kann eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen“, so Hoffmann.

Wer den Unfall auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums beobachtet hat oder Hinweise zu anderen Unfallfluchten geben kann, möge sich unter 9862066 melden

Wer den Unfall auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums beobachtet hat oder Hinweise zu anderen Unfallfluchten geben kann, möge sich unter

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