Prozess

Unfalltod auf A 1 bei Hagen: Mutter erhält Schmerzensgeld

Aus diesem Renault Twingo wurde die 23-Jährige auf die Autobahn geschleudert.

Aus diesem Renault Twingo wurde die 23-Jährige auf die Autobahn geschleudert.

Foto: Talash, Alex

Hagen/Wetter.   Sein Griff ins Lenkrad löste den Unfall aus, bei der eine 23-Jährige starb. Der 27-Jährige sitzt dafür in Haft, jetzt muss er auch noch zahlen.

Erneut beschäftigt der Horror-Unfall vom Juni 2013 auf der A1 (Anschlussstelle Haspe/Volmarstein) die Gerichte: Bei dem schweren Crash war eine 23-Jährige auf die Autobahn geschleudert und von einem nachfolgenden Fahrzeug überrollt worden. Die Mutter der getöteten jungen Frau bekommt nun 6000 Euro Schmerzensgeld.

Den Betrag aufbringen muss der strafrechtlich bereits verurteilte Beifahrer (27), der seiner Freundin bei voller Fahrt (124 km/h) aus Wut ins Lenkrad gegriffen hatte und deshalb als der eigentliche Unfallverursacher gilt. Wegen fahrlässiger Tötung verbüßt er noch bis Ende 2020 seine zweieinhalbjährige Haftstrafe. Vor Zivilrichter Nils Schäfer verpflichtete er sich jetzt, auf einen Schlag 2000 Euro bis Ende dieses Monats und dann acht Monate lang jeweils 500 Euro in Raten abzustottern.

Das Leben der Klägerin, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage war, persönlich vor Gericht zu erscheinen, ist seit dem tragischen Tod ihrer Tochter aus den Fugen geraten: Sie leidet unter psychischen Beschwerden, kann seit dem Vorfall ihre Tätigkeit in einer Klinik nicht mehr ausüben. Ursprünglich hatte sie 13.000 Euro Schmerzensgeld eingefordert.

80 Euro Verdienst als Häftling

Doch der Beklagte verdient als Häftling derzeit nur 80 Euro im Monat. Sein Anwalt hatte ihm deshalb zu einer Privatinsolvenz geraten, dann sei er nahezu alle Forderungen los. „Das will ich nicht, ich will helfen“, zeigte sich der Haft-Freigänger, ein athletisch durchtrainierter Bodybuilder, unerwartet einsichtig: „Meine Familie wird mich dabei unterstützen. Aber die Summe muss auch zumutbar sein.“ Zuletzt einigte man sich auf die 6000 Euro.

Dieses Schmerzensgeld ist nur ein Bruchteil der Forderungen, die auf den 27-jährigen Hagener jetzt zukommen: Allein die Kosten des Strafverfahrens – durch alle Instanzen getrieben – belaufen sich auf gut 28.000 Euro. Und dann klagt auch noch die Versicherung.

Gerichtssprecher Bernhard Kuchler: „3600 Euro für Aufräumarbeiten an der Unfallstelle, 1300 Euro an vorläufigen Krankenkassenkosten, 5000 Euro als Hinterbliebenen- Zahlung, 9000 Euro für Kfz-Reparatur-Kosten sowie noch ein Freistellungsantrag, der den Beklagten verpflichten soll, für alle künftigen Zahlungen selbst aufzukommen.“

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