Machtkampf

VW würde neuen Besitzer von TWB in Hagen berücksichtigen

Im Oktober zeigten sich die TWB-Mitarbeiter in Hagen noch kampfbereit. Inzwischen sind viele verzweifelt. 

Im Oktober zeigten sich die TWB-Mitarbeiter in Hagen noch kampfbereit. Inzwischen sind viele verzweifelt. 

Foto: Michael Koch

Hagen.   Der Machtkampf mit VW kostet 290 Stellen beim Hagener Autozulieferer TWB . Jetzt macht VW Hoffnung, mit einem neuen Besitzer zusammenzuarbeiten.

Es brennt lichterloh beim Automobil-Zulieferer TWB, bei dem 290 Mitarbeiter die Kündigung erhalten haben. Die Mitarbeiter fühlen sich von der Geschäftsleitung verschaukelt. Betriebsversammlungen müssen wegen Tumulten aufgelöst werden. Mehr als 100 Kollegen haben sich krankschreiben lassen. Und der Betriebsrat fragt: „Wo ist eigentlich Hagens Oberbürgermeister?“ Doch der bemüht sich zumindest um einen Gesprächstermin mit TWB. Bei dem Unternehmen trifft man dagegen auf eine Mauer des Schweigens.

Wie konnte es nur so weit kommen? Mitte der 90er-Jahre schließt TWB einen Vertrag mit Volkswagen ab. Die Hagener bauen fortan Rücksitzlehnen für Audis, Skodas, Seats oder VWs. Anfang 2018 zerschneidet VW das Tuch zwischen Wolfsburg und Hagen. Das hat mit der Prevent-Gruppe zu tun, zu der TWB inzwischen gehört und über die die bosnische Unternehmerfamilie Hastor die Hände hält. Jene Hastors legen sich 2016 mit VW an, drehen heftig an der Preisschraube. VW reagiert mit dem Stopp der Aufträge.

TWB und VW streiten sich vor Gericht. Das Oberverwaltungsgericht Düsseldorf stellt in einem Eilverfahren fest: VW ist nicht verpflichtet, weiter

Teile von TWB anzunehmen. Vor dem Landgericht Dortmund soll aktuell im Hauptverfahren geklärt werden, ob die Kündigung der Verträge zum 31. März 2019 rechtmäßig waren.

Produktion gerät ins Stocken

Der Betrieb in Hagen kommt aktuell fast zum Erliegen. Mehr als 100 Arbeiter haben sich krankschreiben lassen. Der Redaktion liegt ein betriebsinterner Aushang vor. Die Geschäftsleitung mahnt darauf an, dass alle Kollegen ihre „geschuldete Arbeitsleistung“ zu erbringen hätten. Massen-Krankschreibungen werde man nicht tolerieren. Man droht mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen.

In der Geschäftsleitung von TWB in Hagen reagiert man nicht auf Anfragen der Redaktion. Auf Nachfrage bei der Prevent-Gruppe heißt es, dass man

darüber nachdenken werde, in der kommenden Woche möglicherweise Stellung zu nehmen. Wie berichtet, steht mit dem US-Autozulieferer Fisher Dynamics ein Käufer für TWB bereit. Die Verhandlungen stocken. „Wir haben die Zusage von allen Top-Kunden wie VW oder Ford, dass die Geschäftsbeziehung zu TWB weitergehen würde, wenn wir übernehmen“, erklärte Prokurist Markus Eckner gegenüber der WP.

Auch der Volkswagen-Konzern äußert sich gegenüber der WP: An

Spekulationen über Investoren beteilige man sich nicht. „Wir sind aber bereit, einen potenziellen neuen Eigentümer bei zukünftigen Ausschreibungen zu berücksichtigen“, so ein Sprecher. „Die Prevent-Gruppe stellt sich für uns als ein eng verflochtener Konzern dar, bei dem die gleichen Personen in verschiedenen Funktionen für viele Gesellschaften in Personalunion auftreten. Darüber hinaus hat TWB durch diese Personen nach unserer Auffassung ungerechtfertigte Preiserhöhungen durchgesetzt, die zum weiteren Vertrauensverlust beigetragen haben.“

Oberbürgermeister Erik O. Schulz, auf dessen Hilfe die TWB-Mitarbeiter hoffen, erklärt, dass es im Mai 2018 einen Termin mit der damaligen TWB-Geschäftsführung gegeben habe. Er habe Unterstützung angeboten. Das Unternehmen habe aber extrem zurückhaltend reagiert. Seit Wochen gebe es Bemühungen, einen Termin mit der Geschäftsführung zu bekommen. Bislang vergeblich.

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