Empörung

Weitere Mängel in Hagener Schule: Efeu wächst durchs Fenster

Auf den Toiletten fehlen Deckel, Klobrillen, Papierhalter und Hygienebehälter.

Auf den Toiletten fehlen Deckel, Klobrillen, Papierhalter und Hygienebehälter.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Altenhagen.  An der Sekundarschule Altenhagen kriecht Efeu durchs Fenster. Politiker in Hagen sprechen von der schmutzigsten Schule, die sie je gesehen haben.

Nach dem Aufsehen erregenden Offenen Brief der Elternpflegschaft aus Altenhagen fordern Politiker aller Farben die Behebung der untragbaren Zustände in der Sekundarschule. Auch Volker Bald, Leiter des Fachbereichs Gebäudewirtschaft (GWH) und damit verantwortlich für die Pflege städtischer Immobilien, zeigte sich zerknirscht: „Ich gebe ausdrücklich zu, dass wir solche Zustände nicht haben wollen und dass sie auch in den anderen Hagener Schulen nicht vorkommen.“ Der Gesamteindruck des Schulgebäudes sei „unheimlich schlecht“.

Mehrere Politiker haben sich inzwischen vor Ort ein Bild von der Situation gemacht und zeigten sich entsetzt. „Es ist einfach katastrophal“, sagte Jochen Löher (Hagen Aktiv) und führte als Beispiel die verschmutzten, unzureichend ausgestatteten Sanitärräume an: „Dort würde ich meine Kinder auch nicht aufs Klo schicken.“

Dringender Handlungsbedarf

Auch Werner König (SPD) sprach von dringendem Handlungsbedarf: „Solche Toiletten finde ich, wenn ich auf der Autobahn in Südeuropa unterwegs bin“, empörte er sich. Er habe während seiner beruflichen Laufbahn zahlreiche Schulgebäude in Hagen gesehen, sagte der frühere Geschäftsführer des Hagener Entsorgungsbetriebs (HEB): „Aber eine Schule, in der es so aussieht, noch nie.“ Die an sich schöne, unter Denkmalschutz stehende Immobilie sei offenbar „heruntergekommen“, kritisierte er die mangelnde Wartung des Hauses und forderte Sofortmaßnahmen: „Wir brauchen jetzt eine Prioritätenliste, versehen mit einer Zeitplanung, wann was saniert wird. Alles andere hilft den Kindern nicht.“

Tatsächlich versprach Volker Bald, dass überall dort, wo es um reine Sauberkeitsfragen geht, noch bis Ende dieses Jahres Abhilfe geschaffen werden solle. Andere Maßnahmen würden jedoch viel Zeit in Anspruch nehmen, etwa die Sanierung der feuchten Gebäudesubstanz: „Wir müssen die gesamte Schule von außen trocken legen, anders kriegen wir das Feuchtigkeitsproblem nicht in den Griff.“

Bald betonte noch einmal, dass es sich in dem gesperrten Technikraum nicht um gesundheitsgefährdenden Schimmel, sondern lediglich um Feuchtigkeitsflecken handele: „Das hat ein Institut bestätigt. Aber der Raum ist natürlich nass und stinkt.“

Frei liegende Heizungsrohre

Inzwischen wurden weitere Mängel im Schulgebäude bekannt, die die Schulpflegschaft in ihrem Brandbrief gar nicht aufgeführt hatte. So hat sich in einem Spieleraum für die jüngeren Schüler Efeu durchs Fenster einen Weg in die Schule gebahnt, freie Heizungsrohre ohne Isolierung verschwenden massenhaft Energie und stellen eine Gefahrenquelle für Schüler und Lehrer dar, einer Lehrerin soll eine nicht reparierte Verdunkelungsrolle auf den Kopf gefallen sein.

„Es gibt bestimmte Sachen, die dürfen einfach nicht sein“, fasste Ellen Neuhaus, Vorsitzende des Schulausschusses, die Situation nach einem Besuch zusammen: „Das ist das schlimmste Schulgebäude, das ich je gesehen habe.“ In der Küche sei die Zimmerdecke durchlöchert. Nachdem die Lampen abmontiert worden seien, habe sich niemand die Mühe gemacht, diese zu erneuern. Die Argumente von GWH-Leiter Bald empfinde sie teilweise als Ausflüchte, so Frau Neuhaus: „Wir müssen jetzt mal Druck machen. Das nötige Geld für eine umfassende Sanierung des Gebäudes ist ja vorhanden.“

Derweil hat die Stadtverwaltung einem Fernsehteam untersagt, Filmaufnahmen in der Schule zu drehen. Das habe nichts mit der Angst vor einem negativen Image zu tun, so Stadtsprecher Michael Kaub, sondern sei grundsätzlich nicht erlaubt.

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