Diebstahl

Wie Kioskbesitzer aus Hagen um 10.600 Euro gebracht wird

Der Kiosk in der Lange Straße. Hier geschah der Betrug.

Der Kiosk in der Lange Straße. Hier geschah der Betrug.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Wehringhausen.  A. C. wollte den Kiosk seines Sohnes verkaufen. Er fand Interessenten. Sie wollten mit afrikanischer Währung bezahlen. Dann tricksten sie ihn aus.

Eigentlich wollte A. C. (60) den Kiosk verkaufen und sich zur Ruhe setzen. Er wollte in die Türkei reisen, um Familienangelegenheiten zu regeln. Und dann sehen, was das Leben noch so für ihn bereit hält.

Doch nun ist alles anders gekommen. C. steht immer noch hinter der Ladentheke an der Lange Straße in Wehringhausen und verkauft Getränke, Zigaretten und Süßigkeiten. Plaudert mit seinen Kunden. Steckt Kindern ein Weingummi zu. „Ach, das Geld ist weg“, sagt er. „Jetzt habe ich eingesehen, dass ich es nie wiedersehen werde.“

Er habe wohl eine groß Dummheit begangen, meint A. C.. Vielleicht sollte man nicht sagen, dass er dumm war, sondern naiv und vertrauensselig. Dass die Gauner ihn nie hätten austricksen können, wenn er nur ein bisschen gesundes Misstrauen hätte walten lassen. Seine Frau hätte ihn schließlich gewarnt, sagt er: „Sie sagte, die Typen seien ihr nicht geheuer. Und dass ich aufpassen sollte.“

Inserat bei Ebay

Doch nun sind 10.600 Euro weg. Gestohlen. C. erzählt, dass sie sich auf sein Inserat bei Ebay gemeldet hätten. Drei Schwarzafrikaner, seriöses, gepflegtes Auftreten, er verhandelte mit ihnen über den Preis für den Kiosk, den sein Sohn vor zwei Jahren übernommen hatte und nun wieder abgeben wollte. Sie wollten mit zentralafrikanischen Francs bezahlen, sie zeigten ihm die Scheine, es waren bunte Banknoten, die er noch nie gesehen hatte. Aber weil das Kaufangebot attraktiv war, ging er mit ihnen zur Commerzbank, zur Sparkasse, und überall sagte man ihm, diese Währung akzeptiere man nicht. Eine Mitarbeiterin der Bundesbank in der Grabenstraße habe ihm klipp und klar mitgeteilt, diese Scheine seien in Deutschland wie Papier. Papier, kein Geld.

A. C. verabschiedete sich von den Männern aus Zentralafrika, nein, unter diesen Voraussetzungen würde es keinen Geschäftsabschluss geben. Doch die Männer blieben hartnäckig, sie meldeten sich einige Tage später erneut und teilten ihm mit, nun hätten sie das Geld zusammen. 15.000 Euro plus Mehrwertsteuer, keine zentralafrikanischen Francs.

Eingangstür nicht verschlossen

Ende Dezember kam es mit zweien der Männer erneut zu einem Treffen im Kiosk an der Lange Straße. A. C. hatte 10.600 Euro in einer Geldkassette mitgenommen, weil er später noch kistenweise Zigaretten für den Kiosk einkaufen wollte. Es war 7.15 Uhr am Morgen, er bat die vermeintlichen Geschäftspartner ins Hinterzimmer, um den Vertrag zu unterzeichnen. Als ihm einfiel, dass er die Eingangstür nicht verschlossen hatte, stand er auf und ging nach vorn. Er war noch nicht zurück an seinem Platz, als ihm die beiden Männer auch schon entgegen kamen. Sie hätten ihre Ausweise im Auto liegen gelassen, teilten sie ihm mit, die wollten sie jetzt schnell holen und dann den Vertrag unterzeichnen.

A. C. schöpfte immer noch keinen Verdacht. Er freute sich, dass er endlich einen Käufer für den Kiosk gefunden hatte. Erst als ein Kunde hereinkam und C. Wechselgeld benötigte und die Geldkassette öffnete und leer vorfand, wurde ihm schlagartig klar, dass er betrogen und bestohlen worden war. „Und dennoch wollte ich es nicht glauben“, sagt er: „Ich habe wirres Zeug geredet. Ich bin zur Polizei gegangen und habe, glaube ich, nur wirres Zeug geredet.“

Mini Cooper mit Essener Kennzeichen

Seitdem ermittelt die Polizei. Sie sucht nach einem weißen Mini Cooper mit Essener Kennzeichen, in dem die Täter in Wehringhausen vorgefahren sein sollen. Und sie hat Fahndungsfotos der Verdächtigen auf ihrer Internetseite veröffentlicht. „Wir ermitteln mit Hochdruck“, so Polizeisprecher Sebastian Hirschberg: „Die Männer haben sich das Vertrauen des Kioskbesitzers erschlichen.“

A. C. träumt nicht mehr den Traum vom Ruhestand mit 60. Das Geld sei weg, sagt er, selbst wenn die Männer gefasst würden, sehe er es nicht wieder, da macht er sich nichts vor. „Aber ich will noch einmal vor sie hintreten, um sie zu fragen, warum sie mich auf diese schäbige Weise betrogen haben.“ Er muss weiter in seinem Kiosk stehen und Zigaretten und Süßigkeiten verkaufen.

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