Pflege

Wie Pflegekräfte vom Balkan in Hohenlimburg Fuß fassen

Fast angekommen: Medina Copelj kam aus Bosnien-Herzegowina und arbeitet als Pflegekraft im Pflegehaus am Schlossberg in Hohenlimburg. Ihr stehen noch letzte Prüfungen bevor, bis ihre Ausbildung komplett anerkannt ist.

Fast angekommen: Medina Copelj kam aus Bosnien-Herzegowina und arbeitet als Pflegekraft im Pflegehaus am Schlossberg in Hohenlimburg. Ihr stehen noch letzte Prüfungen bevor, bis ihre Ausbildung komplett anerkannt ist.

Foto: Marcel Krombusch / Westfalenpost

Hohenlimburg.  Pflegedienstleister werben gezielt um Arbeitskräfte aus dem Ausland. Drei Menschen vom Balkan sind in Hohenlimburg tätig. Wir stellen sie vor.

Ein bisschen Stolz klingt schon aus der Stimme von Alen Copelj, als er auf sein Portrait an der Mitarbeiter-Wand des Pflegeheims am Schlossberg zeigt.

„Da bin ich“, deutet der auf dieses Bild. Für ihn markiert es das Ende eines Weges, der vor rund eineinhalb Jahren begann. Denn so lange dauerte es, bis der gebürtige Bosnier hier als Gesundheits- und Krankenpfleger anerkannt wurde. In seiner Heimat hatte er zuvor bereits eine Ausbildung und ein Studium abgeschlossen und im Krankenhaus gearbeitet. Aber er wollte weg aus Bosnien. Da war der 28-Jährige sicher.

„Für junge Leute gibt es bei uns leider im Moment keine Zukunft“, sagt Alen Copelj. Mit „junge Leute“ meint er besonders die jungen Leute, die in ihrem Beruf etwas erreichen wollen – und kein Interesse an Politik haben. „Wenn du in deinem Arbeitsbereich aufsteigen willst, musst du in eine Partei eintreten.“ Seine Heimat Bosnien-Herzegowina sei in mehrere Volksgruppen zersplittert, der Nationalismus wachse. Kein Umfeld also für Menschen, die unpolitisch seien. Viele junge Bosnier hätten daher das Ziel, eine Arbeit in der Schweiz, Skandinavien oder auch Deutschland zu bekommen.

Langwieriges Verfahren

Wer sich für diesen Weg entscheidet, braucht einen langen Atem. Trotz Pflegeausbildung, Studium und praktischer Erfahrung in seinem Heimatland musste Alen Copelj in Hohenlimburg weitere 600 Stunden Praktikum absolvieren. Bei seiner Ehefrau Medina, die mit ihm in Hohenlimburg arbeitet, waren es sogar 1600 Stunden – plus Theorie. „Denn ich hatte vorher nur ein Jahr studiert“, sagt die 27-Jährige, die zuvor vier Jahre als Krankenschwester in Bosnien gearbeitet hatte.

Die Albaniern Migena Haxhi ist die dritte Pflegekraft, die seit 2018 im Pflegeheim am Schlossberg arbeitet. Bis zu ihrer Anerkennung dauerte es nur ein paar Monate – denn sie kam zunächst in Lübeck an. „Bei mir ging die Anerkennung wirklich schnell“, sagt sie.

Drei unterschiedliche Fälle, die zeigen, wie individuell die Eingliederung von Pflegekräften aus dem Ausland geschieht, je nach Herkunftsland und Bundesland, in dem die Pflegekräfte ankommen. Dass sie hier gebraucht werden, steht derweil außer Frage, meint Willi Strüwer, Einrichtungsleiter vom Pflegeheim am Schlossberg. „Das Angebot an Pflegekräften ist verdammt knapp“, so Strüwer. Neben dem hiesigen Arbeitsmarkt und der eigenen Ausbildung brauche es daher den Blick nach außen, um den Bedarf zu decken. „Allein hier im Haus arbeiten 19 Mitarbeiter mit Migrationshintergrund – wenn die fehlten, dann hätten wir ein großes Problem.“

>> INFO: Über Agentur vermittelt

Alen und Medina Copelj leben in Hagen und pendeln zur Arbeit nach Hohenlimburg. Migena Haxhi arbeitet und wohnt in Hohenlimburg. Vermittelt wurden sie über eine Agentur, die Fachkräfte vom Balkan anwirbt.

Allein 19 von den 93 Mitarbeitern im Pflegeheim am Schlossberg haben einen Migrationshintergrund.

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