Personal der Stadt Hagen

Zu wenig Leute: Hochbauer in Hagen läuten die Alarmglocke

Henning Keune, Technischer Beigeordneter der Stadt Hagen (links), weiß durchaus, dass Volker Bald, Leiter des Fachbereichs Gebäudewirtschaft (rechts), angesichts der vielfältigen Herausforderungen personell mächtig unter Druck steht.

Henning Keune, Technischer Beigeordneter der Stadt Hagen (links), weiß durchaus, dass Volker Bald, Leiter des Fachbereichs Gebäudewirtschaft (rechts), angesichts der vielfältigen Herausforderungen personell mächtig unter Druck steht.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen.  Angesichts der Aufgabenflut läutet der städtische Fachbereich Gebäudewirtschaft in Hagen die Alarmglocken und fordert dringend mehr Personal ein.

Nachdem das Hagener Planungsressort angesichts der nicht mehr zu bewältigenden Arbeitsüberlastung vor knapp drei Jahren schon einmal die weiße Fahne hisste, läutet jetzt auch der Fachbereich Gebäudewirtschaft die Alarmglocken: In einem dreiseitigen internen Papier (liegt der Redaktion vor) an den Verwaltungsvorstand um Oberbürgermeister Erik O. Schulz heißt es, „dass mit dem vorhandenen Fachpersonal eine bedarfsgerechte zeitnahe Abarbeitung aller als prioritär eingestuften Hochbaumaßnahmen nicht sichergestellt werden kann“. Auch die kurzfristige Schaffung weiterer Kita- und OGS-Plätze stehe auf der Kippe. Die Stadt lehnt auf Anfrage der Redaktion jegliche Stellungnahme zu dem Hilferuf ab.

Übervolle Auftragsbücher

Fast 70 Millionen Euro kann die städtische Gebäudewirtschaft aufgrund diverser Förderprogramme von Bund und Land im Hochbau investieren. Was aus Sicht der Bürger nach einer komfortablen Situation klingt, entpuppt sich in der Verwaltungsrealität zunehmend als kaum mehr zu bewältigende Belastung – denn das Zeitfenster, in dem die Projekte abgeschlossen sein müssen, ist eng. Überlastete Fachplaner, Architekten und Statiker auf dem privaten Markt, prall gefüllte Auftragsbücher bei den Bauschaffenden, rasant steigende Preise und ruhende Baustellen aufgrund Materialmangels bringen den Fachbereich an seine Grenzen: „All das muss gemanagt und ausgesteuert werden und sorgt für eine enorme Mehrbelastung der vorhandenen Mitarbeiter“, heißt es in dem Papier.

Mit Blick auf den Fördergeld-Segen waren dem Fachbereich bei den jüngsten Etat-Verhandlungen statt der geforderten acht lediglich sechs zusätzliche Mitarbeiter genehmigt worden. „Aus heutiger Sicht ist dieses unzureichend“, so die Erkenntnis. Zumal permanent das Risiko besteht, dass die mit befristeten Verträgen ausgestatteten Kollegen von anderen Kommunen und Institutionen abgeworben würden, so unter anderem zum 1. September sogar vom Wirtschaftsbetrieb Hagen (WBH), also einem städtischen Tochterunternehmen. Vor diesem Hintergrund forderte Fachbereichsleiter Volker Bald Mitte Juli im Verwaltungsvorstand, trotz fehlender Haushaltsmittel die Planstellen zu entfristen. Ansonsten, so ist dem Protokoll der Sitzung (liegt der Redaktion vor) zu entnehmen, sieht der Ressortchef „massive Probleme, die aktuellen und kommenden Maßnahmen fachgerecht und fristgerecht bis Ende 2020 umsetzen zu können“.

Schleppende Rechnungsbearbeitung

Parallel dazu mahnt das Rechnungsprüfungsamt die Mitarbeiter des Gebäudewirtschaftler zum wiederholten Male an, die Rechnungsbearbeitung zu verkürzen. Denn durch die stetig steigende Belastung durch die Ausweitung der baulichen Maßnahmen ist es auch in der Buchhaltung kaum noch möglich, zeitnah und ohne Risiko von Skontoverlusten alle Rechnungen zu bearbeiten. Daher müsse obendrein auch eine weitere Buchhalterin bewilligt werden, so die Forderung aus dem Ressort.

Besonders brisant stellt sich die Situation bei der Schaffung dringend benötigter Kindertagesstätten- und OGS-Plätze dar: Hier fordert der Fachbereich angesichts der von der Politik dringend eingeforderten und von der Verwaltung auch fest zugesagten Neu- und Ausbaumaßnahmen für die beiden Aufgabengebiete jeweils drei weitere Mitarbeiter. Zwar lassen sich gestalterische Tätigkeiten auch extern an Architekten vergeben, doch Ausschreibungen, Vergaben und Rechnungsbearbeitungen müssen dennoch sämtlich im Fachbereich erledigt werden.

Im Verwaltungsvorstand spielte man bislang auf Zeit: Laut Sitzungsprotokoll hat man sich lediglich darauf verständigt, abseits aller Haushaltsengpässe und Planstellen-Raster über eine Entfristung der vorhandenen Zusatzstellen zumindest diskutieren zu wollen.

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