Mauerfall

Beim Mauerfall gibt Peter Neysters Pfarrerkursus in der DDR

Peter Neysters aus Hattingen-Niederwenigern erinnert sich an den Tag des Mauerfalls 1989. Er war da in der damaligen DDR, in Neuzelle. Das Buch ist einer von vielen Bildbänden, die Neysters aus der DDR mit nach Hause brachte – gekauft um zwangsumgetauschten Geld.

Peter Neysters aus Hattingen-Niederwenigern erinnert sich an den Tag des Mauerfalls 1989. Er war da in der damaligen DDR, in Neuzelle. Das Buch ist einer von vielen Bildbänden, die Neysters aus der DDR mit nach Hause brachte – gekauft um zwangsumgetauschten Geld.

Foto: Walter Fischer / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Peter Neysters aus Hattingen gibt einen Kursus für Pfarrer in der DDR über Ehe und Familie. Wie die Nachricht vom Mauerfall da einschlug.

Einen Pfarrerkursus zum Thema Familie und Ehe für die Katholische Kirche in der damaligen DDR gab Paul Neysters (77) aus Niederwenigern, als die Mauer fiel.

„Ich war dort vom 5. bis zum 9. November 1989 und zwar im damaligen Priesterseminar Kloster Neuzelle südlich von Frankfurt an der Oder.“ Er erlebte die Protestmärsche in dem Ort unmittelbar mit. „Ich bin auch mitgegangen.“ Medial sei man in der Ecke im „Tal der Ahnungslosen“ gewesen. „Man konnte kein West-Fernsehen empfangen.“

In der Morgenandacht in der DDR erfährt Peter Neysters aus Hattingen: Die Mauer ist auf

Am Freitagmorgen, bei der Morgenandacht, „es muss so sechs, sieben Uhr gewesen sein, kam der Leiter des Priesterseminars und verkündete: ,Die Mauer ist durchbrochen, die Grenze ist auf. Unsere Leute sind rüber!’“ Eine große Euphorie habe es gegeben, erinnert sich Neysters, der seit den 1970er Jahren alle zwei Jahre in die DDR fuhr, um für die Katholische Kirche Seminare zu geben. Sein Arbeitgeber, das Bistum Essen, stellte ihn dafür frei. Denn offiziell waren die Seminare nicht. „Ich musste mich immer von mir unbekannten Pfarrern einladen lassen, schrieb ihnen dann einen Brief, wann ich komme“, erinnert sich der dreifache Vater und fünffache Großvater. In Niederwenigern plant er heute die ökumenischen Dorfgespräche mit, hat zudem zahlreiche Bücher veröffentlicht.

Das Material, das er für die Seminare brauchte, nahm er nicht selbst mit. „Es kam über diplomatische Kanäle nach Neuzelle. Ich gab es in Bonn ab, dort war damals die Zentralstelle Pastoral. Die kümmerte sich um alles. Als ich ankam, war alles da.“

Peter Neysters spürt, dass sich etwas anbahnt, dass etwas aufbricht und wegbricht

Neysters berichtet, dass es in der Woche schon kleine Protestdemonstrationen in dem Ort gegeben habe. „Dabei habe ich dann teilweise auch mitgemacht. Man spürte schon, dass sich etwas anbahnt, dass da etwas aufbricht. Und auch etwas wegbricht, die Ideologie nämlich.“ Montags hätten junge Menschen Fackeln vor dem Bürgermeisteramt aufgestellt. „Am Mittwoch hatten der evangelische und der katholische Pfarrer dann ins Kloster eingeladen zu einer beeindruckenden Versammlung. Viele Menschen aus dem Ort waren zum ersten Mal im Kloster. Die Kirche war rappelvoll.“

Am Freitagvormittag, nach der Mauerfall-Nachricht, sei dann an Seminarinhalte nicht mehr zu denken gewesen. „Ich bin dann mittags mit dem Auto wieder nach Hause gefahren, hatte noch zwei Pfarrer mit im Wagen, die ich unterwegs abgesetzt habe.“ Mit seinem damaligen Renault R16, der eh bei jedem Besuch Aufmerksamkeit erregte, fuhr er Richtung Heimat. „Dabei war ich inmitten von Trabis. In Helmstedt habe ich die offene Grenze passiert unter großem Beifall der jubelnden Bevölkerung. Bis Hannover noch waren unglaublich viele Trabis auf der Straße.“

Grenzüberquerung ist erstmals kein bedrückendes Erlebnis mehr

Erstmals war für ihn die Grenzüberquerung kein bedrückendes Erlebnis. „Sonst habe ich schon immer die Türen, den Kofferraum und die Motorhaube schnell geöffnet, damit alles angesehen werden konnte“, erzählt er.

„Später habe ich bei der Birthler-Kommission nachgefragt, die sich um Stasi-Unterlagen kümmerte. Da gab es eine Karte von mir mit Namen und Adresse“, berichtet der ehemalige Leiter der damaligen Abteilung Ehe und Familie im Bistum Essen, der 1986 auch in der DDR beim Jugendkongress in Görlitz zum Thema Sexualität Referent war. „Damals waren die Bücher über Sexualität in der DDR sehr gut, sehr wissenschaftlich, sehr offen, ich habe sie mit nach Hause genommen. Aber die emotionale und ethische Seite wurde kaum behandelt“, blickt er zurück.

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