Lesebühne

Besucher erkennen sich in Monologen und Dialogen wieder

„So hab’ ich mir das immer vorgestellt“, sagt ein Gast nach der Lesung von Veronika Nickl und Roland Riebeling. Foto:Biene Hagel

„So hab’ ich mir das immer vorgestellt“, sagt ein Gast nach der Lesung von Veronika Nickl und Roland Riebeling. Foto:Biene Hagel

hattingen.   Die Bochumer Schauspieler Veronika Nickl und Roland Riebeling lesen im ausverkauften Alten Rathaus aus „Alte Liebe“. Rezitatoren überzeugen.

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Die Lesung „Alte Liebe“ von Elke Heidenreich und Bernd Schroeder war die erste Veranstaltung der „Lesebühne“ im Alten Rathaus, die der Kunstverein auf Initiative von Tom Schulte veranstaltet hat. Vor ausverkauftem Haus brachten die Schauspieler Veronika Nickl und Roland Riebeling, der für den erkrankten Jürgen Hartmann eingesprungen ist, ihrem begeisterten Publikum die Geschichte von Lore und Harry nahe.

Die beiden sitzen da wie ein altes Ehepaar, sie scheinen zunächst Selbstgespräche zu führen. Doch nach und nach kommen bei ihrem so ganz und gar lebensnahen Grummeln und Nörgeln auch Konflikte zutage, und die sind sogar gut, denn durch die daraus entstehenden Diskussionen wird aus dem Nebeneinander der beiden in die Jahre gekommenen Altachtundsechziger wieder ein Miteinander.

Lore argwöhnt entnervt, dass der frisch pensionierte Harry, der ursprünglich mal Architekt werden wollte, dann aber im Bauamt gelandet war, nur noch im Garten herumwerkelt und für nichts Anderes mehr Interesse aufbringt. Sie selbst geht völlig in ihrer Arbeit als Bibliothekarin auf, organisiert Lesungen mit Schriftstellern und fürchtet die Rente, wenn sie das alles vermissen wird.

Aufraffen und nach Leipzig fahren

Doch zunächst müssen sie sich aufraffen und nach Leipzig fahren, wo ihre Tochter Gloria zum dritten Mal heiratet ist. Mit einem schwerreichen älteren Industriellen, der allen Klischees gerecht wird: klein, dicklich und glatzköpfig. Die Zeremonie ist beiden ein Graus, doch bei der Feier sorgen sie mit einer spontanen Tanzeinlage für Furore und in dem schicken Hotelzimmer entdecken sie ihre alte Liebe neu. Und schmieden viele Pläne für die neue gemeinsame schöne Zeit, die dann durch Lores plötzlichen Herztod in ihrer geliebten Bibliothek auf einen Schlag zunichte werden. Zurück bleibt ein gebrochener Harry, der Lores Nähe in ihren Büchern sucht.

Die ganze Palette der ehelichen (Nicht-)Kommunikation haben die Vollblutschauspieler Veronika Nickl und Roland Riebeling drauf. Schmunzelnd erkennen sich die Besucher der Lesung in diesen Monologen und Dialogen wieder, die so nervend alltäglich sind und durch die liebevolle Ausgestaltung der beiden Rezitatoren zu etwas so Besonderem werden.

„So wie Sie das gelesen haben, so hab‘ ich mir das immer vorgestellt“, strahlt ein Gast. Eine andere Besucherin schließt sich an: „Ich würde Ihnen das sofort abkaufen.“

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