Weltkrebstag

Carlotta (9) hat den Krebs besiegt – und ein Zauberauge

Carlotta (re.) mit Mama Melanie und Stofftier Elli, das sie von der Kinderaugenkrebs-Stiftung als Mutmacher bekam.

Foto: Fischer

Carlotta (re.) mit Mama Melanie und Stofftier Elli, das sie von der Kinderaugenkrebs-Stiftung als Mutmacher bekam. Foto: Fischer

Hattingen.   Carlotta aus Hattingen hatte Krebs. Ein Auge wurde ihr entfernt. Zum Weltkrebstag macht das aufgeweckte Mädchen mit ihrer Geschichte anderen Mut.

Carlotta geht es gut. Die Neunjährige ist aufgeweckt und fröhlich. Sie erzählt, dass sie am liebsten reitet – in der Halle, da ist auch das graue Nieselwetter draußen egal. Dann stürmt sie die Treppe hoch, holt einen ihrer „Glubschis“. Von den Stofftieren mit den großen funkelnden Augen hat Carlotta eine riesige Sammlung. Und dann ist da noch Elli, der Plüschelefant, dem man ein Auge herausnehmen kann. Der hat für die Neunjährige eine ganz besondere Bedeutung, denn er hat Carlotta Mut gemacht. Damals, als sie ihr Auge an den Krebs verlor.

Carlotta war noch keine drei Jahre alt, als ihre Eltern Melanie und Martin Dindas bemerkten, dass etwas nicht stimmt. Ihre jüngste Tochter bekam eine Brille. Dann fiel den Eltern auf, dass ihre Tochter auf Fotos eigenartig aussah. Im Blitzlicht leuchtete ein Auge rot, so wie man es kennt, das andere weiß. „Das war der Tumor, den man angeblitzt hat“, sagt Melanie Dindas.

Bei der Behandlung von Augenkrebs zählt Schnelligkeit

Und Carlotta hatte Glück im Unglück: „Ihr Augenarzt, Dr. Oehlschläger, wusste sofort was das ist“, erklärt die Mutter. Der Arzt kannte den seltenen Kinderaugenkrebs aus seiner Zeit an der Uniklinik in Essen. Diese Krebsart tritt nur bei Kindern – in der Regel bis zum fünften Lebensjahr – auf. Der bösartige Tumor wächst schnell, entsprechend war auch bei Carlotta Eile geboten. „Erreicht der Krebs den Sehnerv, kann er streuen“, weiß Melanie Dindas. Nur anderthalb Wochen dauerte es von der Diagnose bis zur Entfernung des Auges.

Statt des Auges bekam die kleine Patientin einen Silikonball eingesetzt. Und darauf ein Glasauge – am Anfang ständig neue, wegen des Wachstums. Jetzt gibt es einmal im Dreivierteljahr Ersatz.

Doch gerade der Anfang war für die heute Neunjährige nicht einfach. „Sie hat erst niemanden an sich rangelassen“, erinnert sich Melanie Dindas. Und lange hatte sich Carlotta auch geweigert, das Auge selbst herauszunehmen. Einmal am Tag muss es gereinigt werden, bleibt aber sonst die ganze Zeit über drin – auch in der Nacht.

Zur Verarbeitung ihrer Erlebnisse bekam Carlotta kinderpsychologische Hilfe. Und die Eltern stießen bei ihrer Suche nach Informationen auf die Kinderaugenkrebs-Stiftung. „Anfangs fühlten wir uns sehr alleingelassen“, berichten Melanie und Martin Dindas. Denn mit der erfolgreichen Operation war die Sache medizinisch erst einmal erledigt. Über die Stiftung erhielten sie dann aber mehr Informationen und konnten sich auch mit anderen Betroffenen austauschen.

Elefant Elli von der Kinderaugenkrebs-Stiftung

Carlotta bekam von der Stiftung Elefant Elli. Auch bei dem kann man, wie bei dem kleinen Mädchen, ein Auge herausnehmen. Er soll trösten und aufmuntern. So wie Carlotta und ihre Familie anderen Mut machen. Zum Beispiel, wenn sie noch im Kindergarten von ihrem „Zauberauge“ erzählte. „Es gab mal einen Jungen, der Halloween-Auge zu ihr gesagt hat. Aber als sie ihm gezeigt hat, wie sie das Auge herausnehmen kann, da fand er das doch plötzlich ganz schön cool“, berichtet Mutter Melanie schmunzelnd.

Carlotta hat viele Freunde. Und die akzeptieren sie und ihr Auge vollkommen. Die Neunjährige kann alles machen: reiten, Rad und Inlineskates fahren, schwimmen und tauchen – auch den Führerschein, wenn sie groß ist. Dank einer schnellen Diagnose ist der Krebs weg. Und Carlotta geht es wieder gut.

>>> Über Augenkrebs und die Stiftung

  • An Augenkrebs, dem so genannten Retinoblastom, erkranken in Deutschland jährlich etwa 50 Kinder. Er tritt in der Regel bei Säuglingen oder Kleinkindern auf. Betroffen sein kann ein Auge oder auch beide. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, verläuft sie fast immer tödlich.

  • Neben dem spontan auftretenden Krebs gibt es auch eine vererbbare Variante der Krankheit. Die konnte bei Carlotta übrigens ausgeschlossen werden.

  • Die Kinderaugenkrebs-Stiftung mit Sitz in Bonn gibt es seit 2009. Die 20 Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich. Einmal im Jahr veranstaltet die Stiftung ein Treffen für Betroffene.

  • Ziel der Stiftung ist die Aufklärung mit der Kampagne „Weiß sehen“, um Tumore frühzeitig zu erkennen. Der Blitz-Test, bei dem ein erkranktes Auge unter dem Licht einer Kamera oft weiß statt rot leuchtet, soll Teil der regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt werden.

  • Mehr Informationen über die Stiftung gibt es unter 0228/ 68846-0, per E-Mail an info@kinderaugenkrebsstiftung.de oder auf www.kinderaugenkrebsstiftung.de.

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