Politik

CDU-Parteitag in Witten verpasst Brauksiepe einen Denkzettel

Gewonnen und trotzdem verloren: CDU-Kreisvorsitzender Ralf Brauksiepe bekam bei seiner Wiederwahl am Samstag (16.11.) auf dem Parteitag in Witten keine 70 Prozent der Stimmen.

Gewonnen und trotzdem verloren: CDU-Kreisvorsitzender Ralf Brauksiepe bekam bei seiner Wiederwahl am Samstag (16.11.) auf dem Parteitag in Witten keine 70 Prozent der Stimmen.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Witten/Ennepe-Ruhr.  CDU-Kreischef Ralf Brauksiepe aus Hattingen ist beim Parteitag in Witten zwar wiedergewählt worden. Er bekam aber ein schlechtes Ergebnis.

„Ehrliche Ergebnisse“, wie Politiker gerne schlechtere Wahlresultate noch schönreden, ist der CDU-Kreisvorsitzende Ralf Brauksiepe aus Hattingen durchaus gewohnt. Und nachdem er vor einem Jahr plötzlich sein Bundestagsmandat niedergelegt hatte, um zum Wohnungskonzern Vivawest zu wechseln, konnte er wohl nicht wirklich erwarten, dass ihn die Partei dafür feiert. Dass ihr Denkzettel beim 76. Parteitag am Samstag (16.11.) im Wittener FEZ aber so deutlich ausfallen würde, damit dürfte selbst der erfahrene Politiker nicht gerechnet haben.

Eine gewisse Ahnung könnte Brauksiepe allerdings schon während seiner 25-minütigen Rede bekommen haben, die den Vorstandswahlen vorausging. Nur selten applaudierten die 86 Delegierten. Nicht wenige nahmen es ihm offenbar übel, dass er die Brocken als Bundestagsabgeordneter überraschend hinschmiss, nachdem ihm die Kanzlerin nach der Bundestagswahl 2017 den Laufpass als Staatssekretär gegeben hatte. Mit seinem späteren Austritt aus dem Bundestag gab der Hattinger das langjährige Abgeordnetenmandat für die CDU im EN-Kreis verloren.

Mancher Delegierte hätte sich einen Gegenkandidaten gewünscht

Deshalb hätten sich manche Delegierte an diesem sonnigen Samstagmorgen in der Nähe der Wittener Uni wohl einen Gegenkandidaten gewünscht. Er sei damals enttäuscht gewesen, als Brauksiepe wie aus „heiterem Himmel“ sein Mandat aufgab, sagte ein junger Delegierter am Rande des Parteitags. „Ein Jahr vorher habe ich noch für ihn Wahlkampf gemacht.“

Magere 69,5 Prozent waren denn auch die Quittung für Brauksiepe bei der Wiederwahl zum Kreisvorsitzenden, 57 Ja- und 25 Nein-Stimmen. In der Vergangenheit lag der 52-Jährige zumindest noch bei 70 Prozent plus x. Brauksiepe gab sich dennoch gelassen. Vorstandswahlen fielen „mal so, mal so“ aus. Er könne damit „arbeiten“, sagte der Unionspolitiker, der seit 24 Jahren an der Spitze der EN-CDU steht.

Kreisparteitag auf Kommunalwahl im nächsten Jahr eingeschworen

In seiner „Bewerbungsrede“ um den erneuten Vorsitz hatte der vierfache Vater versucht, den Parteitag trotz seines Wechsels auf einen gut dotierten Job in der Wohnungswirtschaft für sich einzunehmen. „Ich habe keine neue berufliche Herausforderung gesucht, sie aber angenommen, als sie mir geboten wurde“, sagte er.

Er sprach die Delegierten ganz direkt an. „Euch habe ich viel zu verdanken und werde nie vergessen, wo ich hergekommen bin.“ Deshalb habe er auch ehrenamtlich politisch weitergemacht.

Politik spielte dann natürlich auch noch eine Rolle in seiner Ansprache. Ebenso wie zuvor Lars König, stellvertretender Bürgermeister für die CDU in Witten, schwor Brauksiepe den Parteitag auf die Kommunal- und Bürgermeisterwahl im nächsten Jahr ein. Er rief zum Kampf um die politische Mitte auf. „Diesen Kampf müssen wir entschlossen führen.“

Als Regierungspartei habe die Union die Chance, dass die Menschen ihr weiterhin vertrauten. „Gut regieren, das tun wir“, sagte Brauksiepe. „Wir müssen aber auch darüber reden.“ Man dürfe nicht schlechtreden, „was wir machen“. Deutschland stehe hervorragend da. „Andere Länder hätten gern unsere Probleme.“

Brauksiepe warnt vor „Insiderdebatten“ und denselben Fehlern wie in der SPD

Er warnte den Parteitag davor, „Insiderdebatten“ um ein klareres Profil zu führen und „der SPD alle Fehler nachzumachen“. Wenn die SPD jemanden im Rentenalter um den Parteivorsitz gegen den Vizekanzler kandidieren lasse, weil er weit links stehe, sei dies kein Zeichen von politischer Stärke. Die Grünen seien in Baden-Württemberg nicht etwa so stark, weil dort ein besonderer Linksausleger regiere. „Nein, weil er es versteht, die Position der Mitte einzunehmen“, lobte Brauksiepe Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Brauksiepe nannte die CDU eine starke, erfolgreiche Partei im EN-Kreis. Als Ziel für die Kommunalwahl gab er nach dem zweiten Platz bei den Europawahlen hinter den Grünen und vor der SPD nicht weniger als Platz eins aus. „Dafür lohnt es sich zu kämpfen“, rief der Unionspolitiker. Diesmal fiel der Applaus deutlich kräftiger aus.

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