Straftaten

Der massive Anstieg der Kriminalität in Hattingen täuscht

Hattingen.   2017 gab es in Hattingen weniger Einbrüche, auch die Straßenkriminalität geht zurück. Allerdings treiben drei Betrüger die Statistik in die Höhe.

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Entgegen des Landestrends zeigt die Kriminalitätsstatistik für den Ennepe-Ruhr-Kreis steigende Zahlen. Doch der erste Blick täuscht – denn tatsächlich sind für die scheinbar negative Entwicklung drei Hattinger verantwortlich. Ohne sie hätte sich auch die Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis über weniger Straftaten freuen können.

„Wir waren bis November auf einem exzellenten Weg“, berichtet Landrat Olaf Schade. Dann gingen der Bochumer Polizei drei Hattinger Betrüger ins Netz. „Mit einem Mal hatten wir etwa 3200 Verbrechen mehr in unserer Statistik stehen.“ Das erklärt auch den immensen Anstieg der Straftaten in Hattingen. Bereinigt um die Betrugsfälle, wäre die Fallzahl im Kreis ohne Witten um 7,7 Prozent gesunken.

Neue Einordnung bei Tötungsdelikten

Erklärt werden muss auch die Zahl bei den Tötungsdelikten, die laut Statistik von zwei auf neun hochgeschossen ist. Tatsächlich getötet wurde aber nur Gruselautorin Nadia S. in Gevelsberg. Dirk Happe, Leiter der Direktion Kriminalität, erläutert die Neuerung: Nun ist jede Tat ein Tötungsdelikt, „die objektiv geeignet wäre, einen Menschen zu töten.“ Beispiel: Jemand sticht mit einem Messer in die Brust, lässt vom Opfer ab, das überlebt, der Täter wird wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Bislang wäre der Fall unter Körperverletzungen geführt worden, wenn das Gericht keine Tötungsabsicht feststellen konnte. Nun taucht die Tat als Tötungsdelikt auf.

In Hattingen hat die Kriminalität auf öffentlichen Straßen um knapp 38 Prozent abgenommen. Für den Kreis erklärt die Polizei allerdings, dass bei Körperverletzungen die Hemmschwelle sinke, zum Beispiel Pfefferspray oder Messer zu benutzen. Das erkläre den kreisweiten Anstieg gefährlicher und schwerer Körperverletzungen auf öffentliche Plätzen um 27 Prozent.

Zahl der Wohnungseinbrüche sinkt

Der Anstieg der Sexualstraftaten ist hingegen auf den Paragrafen 184 i im Strafgesetzbuch zurückzuführen. Was früher als Beleidigung auf sexueller Basis geführt wurde, zählt nun als sexuelle Belästigung. Heißt: Hier gibt es nicht mehr Taten, sie werden nur unter einer neuen Überschrift angesiedelt.

Erfreulich ist der Rückgang der Einbruchszahlen in allen Kommunen außer Schwelm. Die Polizei zählte 544 Wohnungseinbrüche, davon 125 in Hattingen. Mehr als die Hälfte der Fälle blieben Versuche. „Unsere Schwerpunktkontrollen greifen, die überregional agierenden Täterbanden haben unser Gebiet weitestgehend verlassen“, sagt Dirk Happe. Weniger erfreulich ist die Aufklärungsquote, die bei Wohnungseinbrüchen auf 16,7 Prozent zurückging. Für die Straftaten insgesamt sieht diese Zahl deutlich besser aus. Mit 68,5 Prozent konnten gut zehn Prozent mehr Fälle aufgeklärt werden.

>>> INFO: Der Fall der Hattinger Betrüger

  • Die drei Hattinger Brüder, die allein für 3200 Straftaten in der Statistik verantwortlich sind, stehen derzeit vor Gericht. Sie sollen zwischen Plagiate über die Internetplattform Ebay verkauft haben.

  • Der Schaden für die Käufer: mehr als 315 000 Euro. Bereits seit Mitte Januar läuft der Prozess. Die Brüder sitzen in Untersuchungshaft.

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