Jubiläum

Diese zehn Frauen haben den Turnverein Hattingen gegründet

Die Gründerinnen:  Margret Hennecke, Elsbeth Kraft, Margot Dröge, Erika Brunke und Gisela Waldera (hinten v. li.) sowie Renate Johannes, Marianne Reuys, Margarethe Amberge, Renate Mertner und Vera Frein (vorn v. li.).

Die Gründerinnen: Margret Hennecke, Elsbeth Kraft, Margot Dröge, Erika Brunke und Gisela Waldera (hinten v. li.) sowie Renate Johannes, Marianne Reuys, Margarethe Amberge, Renate Mertner und Vera Frein (vorn v. li.).

Foto: Barbara Zabka

Hattingen.  Der Turnverein Hattingen feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Zehn Gründerinnen erzählen aus dem Nähkästchen.

Erika Brunke streicht sich achtsam über das Haar, zieht vorsichtig ein paar Ponysträhnchen in die Stirn, während Vera Frein am Kragen ihrer dezent gemusterten Bluse zupft. „Man will ja schließlich gut aussehen, wenn man in die Zeitung kommt“, bekräftigen beide lächelnd. Gut aussehen – oh ja, das tun die zehn Damen im Alter zwischen 69 und 86 Jahren, die vor 50 Jahren den TV Hattingen aus der Taufe hoben und damit eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte schrieben. Nur Elsbeth Menke, das älteste Gründungsmitglied, fehlt. Sie war zehn Jahre lang Wanderwartin – und bis zu ihrem 80. Geburtstag hat die mittlerweile ­93-Jährige aktiv geturnt.

In einer von Männern dominierten Sportwelt fanden sich 1968 im Stadtteil Winz-Baak 30 engagierte junge Frauen zusammen, um ihre Freizeitgestaltung selbst in die Hand zu nehmen. „Bei den Männern dominierten Fußball oder Handball. Wir wollten uns auch sportlich betätigen“, erzählt Margot Dröge, die als Frau der ersten Stunde bis heute an der Spitze des Vereins steht. „Als Hausfrau hatte man nicht so viel Abwechslung“, ergänzt Vera Frein.

Mit einer Gymnastikstunde pro Woche fing's an

Als der Versuch, im VfL eine Gymnastik-Abteilung für Frauen zu integrieren, fehl schlug, gründeten die Powerfrauen kurzerhand ihre eigene Interessengemeinschaft: den Turnverein Hattingen.

Zunächst traf „Frau“ sich unter der Leitung von Renate Kraney einmal wöchentlich zur Gymnastik. „Immer dienstags um acht“, berichtet Gisela Waldera. Während die Vereinsgründerinnen im Sport den Ausgleich zur täglichen Alltags- und Arbeitswelt fanden, passten die Ehemänner auf die Kinder auf. „Das war alles nicht so einfach. Aber unsere Männer hätten nie gesagt, du darfst das nicht“, betont Margret Hennecke. „Gymnastik und Turnverein waren mein zweites Leben“, verdeutlicht Margarethe Amberge. Renate Johannes, die bis heute einmal wöchentlich zur Gymnastikstunde kommt, ergänzt: „Durch den Sport fühlten wir uns fröhlicher und ausgeglichener.“ Elsbeth Kraft fand während der Krankheit ihres Mannes Balance und Energie in der sportlichen Betätigung. „Der Sport hat mir als Ausgleich ganz viel gegeben“, erzählt sie dankbar.

Nach vier Jahren 200 Mitglieder

Von Beginn an verstand sich der TV Hattingen nicht nur als Treffpunkt für sportbegeisterte Damen, sondern auch als Ort der Begegnung. „Wir haben zunächst in unserer Nachbarschaft für den Verein geworben. Wir wollten Kontakte zu anderen Menschen knüpfen, mit ihnen etwas unternehmen und so mit ihnen ins Gespräch kommen“, schildert Margot Dröge. Bald trafen sie sich auch außerhalb der Turnhalle zu gemeinsamen Aktivitäten. Marianne Reuys erinnert sich gerne an die Bastelstunden und Wanderungen „und natürlich an unsere Treffen im ‚Alten Jäger’“. Dort besprach man bisweilen auch Probleme und motivierte sich gegenseitig. Zahlreiche innige Freundschaften entwickelten sich.

Nur vier Jahre nach der Vereinsgründung zählte der TV Hattingen bereits 200 begeisterte Mitglieder. In Folge dessen wurden mehr Übungsleiterinnen benötigt. Eine der ersten, die für diese Aufgabe gewonnen werden konnte, war Renate Mertner. „Sie war die einzige von uns, die einen Spagat beherrschte“, schwärmen die anderen. Renate Mertner schmunzelt: „Als Kind habe ich meine Beine hinter den Kopf bekommen. Meine Mutter meinte immer, ich könnte im Zirkus auftreten“, hält sie Rückschau. Mit dem Spagat klappe es nach zwei Knieoperationen heute zwar nicht mehr, aber: „Ich bin nach wie vor sehr gelenkig.“

Von Aqua-Fitness bis Zumba

Seit dem Jahr 1990 haben auch die Herren der Schöpfung die Möglichkeit, sich sportlich im TV Hattingen zu betätigen. Inzwischen begeistert der viel beachtete Breitensportverein mit seinem umfangreichen Kursangebot – von Aqua-Fitness und Bodystyling über Drums Alive, Rückengymnastik und Tai Chi Chuan bis Yoga und Zumba – alle Altersgruppen. „Als wir im November erstmals Selbstverteidigung für Frauen anboten, war die Turnhalle voll. Der Kursus wird ausgezeichnet angenommen“, berichtet Margot Dröge. Neueste Offerte ist ein Selbstverteidigungs­kursus für Kinder.

Für die Zukunft wünschen sich die Gründerinnen Margot Dröge, Margarethe Amberge, Erika Brunke, Vera Frein, Margret Hennecke, Renate Johannes, Elsbeth Kraft, Renate Mertner, Marianne Reuys und Gisela Waldera nur eines: „Dass sich viele junge Leute dem Verein anschließen, damit wir Nachfolger haben und die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt wird.“

Die zehn dynamischen Damen sind der beste Beweis, dass Sport körperlich gesund und geistig fit hält – oder wie es Erika Brunke auf den Punkt bringt: „Ich bin überzeugt, dass die sportlichen Aktivitäten über viele Jahre dafür gesorgt haben, dass ich bis heute so beweglich geblieben bin.“

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