Natürliches EN

Eichhörnchen im Ennepe-Ruhr-Kreis auf Entdeckungsreise

Eichhörnchen sind schon wieder sehr aktiv. Im März und April bringen sie zwei bis fünf, manchmal sogar sechs Junge zur Welt und müssen diese dann ernähren. Foto:Monika Skolimowska/dpa

Eichhörnchen sind schon wieder sehr aktiv. Im März und April bringen sie zwei bis fünf, manchmal sogar sechs Junge zur Welt und müssen diese dann ernähren. Foto:Monika Skolimowska/dpa

Hattingen.  Die Leiterin der Bio-Station schreibt in der Kolumne „Natürliches EN“, was Menschen beachten sollten, wenn der tierische Nachwuchs unterwegs ist.

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Der Frühling hat noch nicht richtig angefangen, aber bei vielen Tieren laufen die „Frühlingsgefühle“ schon auf Hochtouren. Etwa bei den Eichhörnchen.

Und so kann man die kleinen, rotbraunen Kobolde schon längst wieder die Baumstämme in wilden Verfolgungsjagden rauf und runter flitzen sehen. Es scheint, als würde es ihnen richtig Spaß machen, sich gegenseitig geräuschvoll um die Bäume zu jagen. Mit ihren fingerartigen Zehen und ihren scharfen Krallen können sie Äste und Stämme auch kopfüber blitzschnell hinunterjagen. Ihr langer, buschiger Schwanz hilft, das Gleichgewicht beim Balancieren und bei ihren tollkühnen Sprüngen von Ast zu Ast zu halten. Eichhörnchen können bis zu fünf Meter weit springen – beachtlich für so kleine Tiere.

Gefahren lauern überall

Das ungestüme Werben der Männchen ist sicherlich auch ganz schön anstrengend, denn es kann durchaus einige Tage dauern, bis das Weibchen sich entscheidet. Wenn genug Nahrung vorhanden ist, gibt es sogar zwei Paarungszeiten im Jahr: eine im Winter und eine im Frühjahr. In guten Jahren kommen die ersten Jungtiere also bereits jetzt, im März und April zur Welt. Die Mutter baut dafür eine Reisig-Kugel, eine sogenannte Wurf-Kobel, in eine Baumkrone. Dort bringt sie zwei bis fünf, manchmal sogar sechs Junge zur Welt.

Im Alter von etwa sechs Wochen gehen die Kleinen auf Entdeckungsreisen außerhalb des Nests. Gefahren lauern dann überall. Nur jedes vierte bis fünfte Junge übersteht das erste Lebensjahr. Sie sind eine leichte Beute für Fressfeinde, wie den Baummarder. Aber auch Regentonnen werden den Tieren immer wieder zum Verhängnis. Beim Versuch, daraus zu trinken, fallen manche Tiere ins Wasser und ertrinken. Bitte decken Sie daher Tonnen in Ihrem Garten ab oder stellen Sie einen Ast hinein, an dem die Tiere heraus klettern können.

Manchmal fallen Jungtiere auch aus dem Kobel. Falls Sie einmal ein geschwächtes Jungtier finden, beobachten Sie es bitte zunächst eine Zeit lang aus der Entfernung. Oft wird es von der Mutter wieder zurückgeholt und bei ihr ist es natürlich am besten aufgehoben. Nur wenn die Mutter nicht zurückkommt, können Sie das Jungtier vorsichtig mit einem Handtuch aufnehmen. Aber Achtung – Eichhörnchen gehören zu den Nagetieren und haben scharfe Zähne. Schützen Sie das Tierchen mit einer körperwarmen Wärmflasche vor dem Auskühlen so, dass es sich zurückziehen kann, wenn es ihm zu warm wird. Geben Sie dem Kleinen auch mehrmals stündlich ein paar Tropfen zu trinken auf die Lippen. Am besten von einer Mischung aus 200 Milliliter Wasser oder Fencheltee, zwei Teelöffeln Honig und einer kleinen Prise Salz. Und melden Sie sich bitte umgehend beim Eichhörnchen-Notruf. Das bundesweite Service-Telefon ist täglich (10-12 und 17-19 Uhr) unter 0700-200 200 12 besetzt. In der Zwischenzeit können Sie sich im Internet unter www.eichhoernchen-schutz.de über weitere Maßnahmen informieren.

Ausgewachsene Eichhörnchen ernähren sich nicht nur von Nüssen, sondern auch von Knospen, Blüten, Flechten, Pilzen, viele verschiedenen Früchte und sogar wirbellosen Tieren und manchmal auch Vogeleiern. Allerdings werden nur Nüsse und andere haltbare Früchte, wie Bucheckern, als Wintervorrat vergraben.

Helfer für die Waldverjüngung

Dass sie trotzdem nicht alles wiederfinden oder mehr vergraben, als sie tatsächlich verbrauchen, ist gut für die Natur. Denn aus den vergrabenen Samen können neue Pflanzen wachsen. So tragen sie zur Naturverjüngung unserer Wälder bei.

Das klappt nicht immer. Ein Blumenkasten auf meinem Balkon im ersten Stock war einmal zum Walnuss-Lager eines Eichhörnchens auserkoren worden, das als tollkühner Kletterer die Hauswand erklomm. Hier musste ich dann doch im Frühjahr eingreifen und die restlichen Walnüsse entfernen. Ein Walnussbaum-Wald wäre ohnehin nicht daraus geworden.

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