Sieben Wochen ohne

Evangelische Kirche fordert: Gesicht zeigen in Fastenzeit

Für Pfarrer Frank Bottenberg

Foto: Svenja Hanusch, Archiv

Für Pfarrer Frank Bottenberg Foto: Svenja Hanusch, Archiv

Hattingen.   Pfarrer Bottenberg erzählt, wie die evangelische Kirche in Hattingen die Fastenzeit gestaltet. Und warum das Motto gesellschaftlich relevant ist.

Aschermittwoch hat sie begonnen, die siebenwöchige Phase des Verzichts: die Fastenzeit. Im Gespräch mit WAZ-Mitarbeiterin Lydia Heuser erklärt Pfarrer Frank Bottenberg, was hinter dem Motto „Sieben Wochen ohne Kneifen“ steckt.

Das diesjährige Fastenmotto lautet „Zeig dich! Sieben Wochen ohne Kneifen“. Wie ist das gemeint?

Frank Bottenberg: Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche wird jedes Jahr bundesweit einheitlich vorgegeben. Ein Kuratorium aus Theologen und anderen kreativen Köpfen plant gemeinsam ein Motto. Wie jedes Jahr war es auch dieses Mal so, dass wir uns in der Gemeinde zuerst dachten: Was soll das? Erst wenn man über das Motto spricht und überlegt, was bedeutet das für unsere Gesellschaft, dann macht es plötzlich klick und es wird richtig spannend.

Und wie interpretieren Sie das Motto nun?

Auf den ersten Blick zeigen wir uns heutzutage ständig und überall. Ob Selfies oder Fotos vom Mittagessen, wir schicken sie um die Welt. Aber diese Form von Zeigen hat einen Beigeschmack: Wir zeigen zwar viel, aber nicht uns. Deshalb fordert das Motto auf: „Hey, klapp mal dein Visier runter. Zeig’ mal wirklich etwas von dir.“ Gerade in unserer heutigen Zeit, in der jeder anonym seine Meinung in Internetforen verbreiten kann, brauchen wir Menschen mit Mumm, die sich engagieren und für etwas einstehen, Gesicht zeigen.

Aber was hat das mit Fasten zu tun?

In den sieben Wochen machen wir uns Gedanken zu dem Thema. Dafür laden wir alle zu unseren wöchentliche Treffen ein. Immer mittwochs um 17.45 Uhr im Gemeindezentrum Holthausen tauschen wir uns aus. Dafür gibt es jedes Mal einen anderen Impuls-Gedanken.

Zum Beispiel?

Beim vergangenen Treffen haben zwei Gruppenmitglieder eine Bibelstelle vorbereitet, in der Jesus im Schatten des Todes von einer Frau gesalbt wird. Heute würde man sagen, dass es ein Parfüm-Öl im Wert von tausend Euro gewesen ist, und dass die Frau – so sehen es zumindest die Anwesenden bei der Salbung – ihr Geld verschwendet. Sie sollte es lieber armen Menschen spenden, denken einige. Doch die Frau hat erkannt, dass Jesus die Wertschätzung gerade dringender braucht.

Wie kann man das übertragen?

Wir haben uns auch gefragt, was diese Geschichte für uns heute bedeutet. Dass man vielleicht an seine Familie, an die Kinder und Kranken im nahen Umfeld denken, zu ihnen gehen und mit ihnen Zeit verbringen sollte, anstatt anonym Geld zu spenden.

Die Fastenzeit ist also eine Zeit des Nachdenkens?

Ganz genau. In diesen sieben Wochen lege ich meinen Fokus auf etwas anderes. Ich ändere mein Leben. Die einen verzichten auf Fernsehen oder reduzieren ihre Zeit am Smartphone. Manche essen nichts Süßes mehr. Einige ändern ihr Vorhaben dabei von Jahr zu Jahr, wieder andere nehmen sich jedes Jahr vor, keinen Zucker zu sich zu nehmen.

Auf was verzichten Sie?

Ich trinke in der Zeit keinen Alkohol. Außer am Sonntag, da schon. Das ist auch üblich in der Fastentradition, dass es Zeiten gibt, in denen das Fasten gebrochen wird. Die sieben Wochen ohne zeigen auch, wie oft man eigentlich etwas konsumiert, ohne es wirklich zu genießen und wie es langsam zur Gewohnheit wird. Deshalb gibt es einem ein gutes Gefühl, wenn man spürt, dass der Verzicht leicht ist.

Und was ist, wenn es doch schwierig wird?

Bei den Treffen sprechen wir natürlich auch darüber. Aber bisher kommen alle mit ihrem Vorhaben klar. Diejenigen, die auf Süßigkeiten verzichten, haben sogar schon abgenommen und sind ganz stolz darauf. Die Treffen sind aber vor allem dafür da, um sich auszutauschen und auch über persönliche Dinge zu sprechen.

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