Domplatz

Händler vertreiben auf den Gräbern rund um den Dom Waren

„Zur Erinnerung an das Kirchweihfest in Niederwenigern am 4. Juli 1861“ steht unter dieser Abbildung des Doms in Hattingen-Niederwenigern, um den sich der Domplatz schmiegt.

„Zur Erinnerung an das Kirchweihfest in Niederwenigern am 4. Juli 1861“ steht unter dieser Abbildung des Doms in Hattingen-Niederwenigern, um den sich der Domplatz schmiegt.

Foto: Stadtarchiv Hattingen

Hattingen.  Der Domplatz in Hattingen-Niederwenigern war einst ein Friedhof. Er bot aber immer schon Raum für Feste. Bis heute gibt’s dort die Kirmes.

Sitzen, Parken, Kirmes, Flanieren: Der Domplatz in Niederwenigern erfüllt viele Funktionen.

Bei der Kirmes handelt es sich um eine „kirchliche Tradition“. Das Wort Kirmes ist die Kurzform von Kirchmess. An vielen historischen Orten wurde zum Patronatsfest jährlich ein Jahrmarkt (heute Kirmes) veranstaltet. Nur an wenigen Orten ist diese Tradition erhalten geblieben – so in Niederwenigern.

Der Domplatz in Hattingen-Niederwenigern war einstmals ein Friedhof

Zur Kirmes werden seit Beginn die Reliquien des Heiligen Mauritius aus dem Mauritiusdom durchs Dorf getragen. Früher bekam die Kirche anders als heute Gebühren von den Schaustellern. Und die Händler, die Waren anboten, gaben dem Pastor dafür Waren. 1707 aber gab es Zoff auf der Wennischen Kirmes.

Der Königliche Hattinger Rentmeister erhob „im staatlichen Interesse Standgeld“, forderte, dem Pastor nichts zu geben.

Pastor ärgert sich über zertretene Gräber rund um die Kirche

Der ärgerte sich bei der Rückkehr von einer Reise 1707 darüber. Der Jahrmarkt sollte weg. Auch, weil viele Krämer ihre Waren über die Gräber hinweg ausgestellt und Gräber zertreten hätten, so der Pastor.

Verstorbene wurden nämlich damals um die Kirche herum begraben – so auch in Niederwenigern. Priester und Adelige lagen hier. Protestanten war die Nutzung zugestanden. Sie machten davon Gebrauch bis 1844: Da wurde der neue Friedhof angelegt. 1824 wird die Größe des alten Kirchhofes angegeben mit „177 Ruthen, 25 Fuß, Preußisch Maaß“. Der alte Kirchhof war klein, steht in der „Chronik der katholischen Pfarrgemeinde Niederwenigern“ von Joseph Schulte.

Die Nordseite des Domes war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht bebaut

Die Schatten-, also die Nordseite des Domes war übrigens bis zum Ende des 18. Jahrhunderts nicht bebaut. Erst die schlechten Schulverhältnisse in Niederwenigern führten dazu, dass hier 1809 das erste Schulgebäude errichtet wurde – und zwar dort, wo heute der Blumenladen ist. 1823 kam das zweite Schulhaus. Zeichnungen gibt es zudem vom Kirchweihfest in Niederwenigern am 4. Juli 1861.

In die heutige Zeit fällt die Gestaltung des Domplatzes. 1986 gab es eine Bürgeranhörung zu Baumaßnahmen in Niederwenigern. Eine Freitreppe für den Domplatz war geplant. Der Domplatz sollte aufgewertet werden. Meinungsverschiedenheiten gab es über die Gestaltung des Platzes an der Längsseite der Essener Straße: Ein Zuhörer wollte einen Grünstreifen, andere wollten einen Weg ohne Grün.

Die ursprüngliche Pflasterung mit Kopfsteinpflaster sollte wiederhergestellt werden

Einig waren sich alle darin: den jetzt noch asphaltierten Prozessionsweg um den Dom herum in seine ursprüngliche Pflasterung mit „Kopfstein“ zurückzuführen. Doch darüber musste die Pfarrgemeinde als Grundstückseigentümerin entscheiden, es war ihr Grundstück. Die geplante Freitreppe aus Naturstein spaltete die Gemüter. Mancher fürchtete, aus Geldnot könnte daraus ein Betonhaufen werden. Die geplante Rampe für Behinderte und Kinderwagen war problematisch – denn die Planung schloss ein Stück Privatgrundstück ein.

Die Verkehrsberuhigung und Neugestaltung unterer Domplatz wurden 1987 abgeschlossen. Dann ging es an den oberen Domplatz. Grundlage war ein Gestaltungsentwurf von Prof. Einsele. Sitzmöglichkeiten wurden angeregt.

1989 gab es zur Einweihung des Domplatzes in Niederwenigern ein Dorffest

1988 wurde der 1000 Quadratmeter große Domplatz dann mit Pflaster und Platten gestaltet. Der Bereich um den Dom herum für Fußgänger wurde mit geflammten Ruhrsandsteinplatten ausgelegt. 30 Poller sollten verhindern, dass vor dem Dom geparkt wird. Berücksichtigung fanden Wünsche der Gemeinde, die 15 Prozent der Kosten trug. Die Gesamtkosten lagen bei 650.000 Deutsche Mark. 100.000 zahlte die Gemeinde, 125.000 die Stadt, 425.000 das Land. Die Gemeinde wollte den Dom optisch stärker eingefasst haben – und lehnte darum die an den Nebeneingängen vorgesehenen zusätzlichen Bäume ab. Es sollte Bänke geben. Ein neuer Kanal musste gelegt werden im Bereich des Domplatzes bis zum Justinenweg. Unklar war zu dem Zeitpunkt, welches Leuchtenmodell 19 Mal aufgebaut werden sollte. 1989 gab’s dann zur Einweihung des Platzes ein Dorffest. Insgesamt 10.000 Quadratmeter Sandstein und 600 Quadratmeter Kopfsteinpflaster waren verbaut worden.

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