Corona

Hattingen: Au-Pair-Mädchen sucht sich Ausbildungsstelle

Kvetuse Simons-Fritz, Janosch (5, links), Josef (10) und Au-Pair-Mädchen Sabrina (rechts) vor dem Wohnhaus in Hattingen-Blankenstein.

Kvetuse Simons-Fritz, Janosch (5, links), Josef (10) und Au-Pair-Mädchen Sabrina (rechts) vor dem Wohnhaus in Hattingen-Blankenstein.

Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services

Hattingen.  Corona beeinflusst auch den Aufenthalt eines Au-Pair-Mädchens in Hattingen. Sie hat sich in der Familie schnell eingelebt. Was ihre Pläne sind.

Für Sabrina, Au-Pair-Mädchen aus Tadschikistan, das für ein Jahr bei Familie Simons in Blankenstein wohnt, ist durch Corona alles anders. Aber die 18-Jährige macht das Beste daraus – genauso wie ihre Gastfamilie.

Eigentlich wollte die Ex-Pflegedienstleiterin Kvetuse Simons-Fritz, nachdem sie in Rente gegangen war, reisen, reisen, reisen – als Reiseleitung bei der Awo. Doch dann kam Corona. Mit einem Leben aus dem Koffer war es erst einmal vorbei. Jetzt sitzt die agile Oma neben den Enkeln Josef (10), Janosch (5) und dem Au-Pair-Mädchen Sabrina und macht mit allen Schularbeiten - vor allem Deutsch. Denn auch für die Tadschikin gibt es zurzeit keinen Unterricht.

Au-Pair-Mädchen Sabrina hat in Hattingen-Blankenstein ein Händchen für Kinder

Eine Au-Pair-Person im Haushalt zu haben, ist für die ganze Familie nichts Ungewöhnliches. Kvetuse Simons-Fritz war genauso allein erziehend wie es ihr Sohn Christian (42) jetzt ist. „Wir hatten schon immer junge Menschen aus dem Ausland bei uns, das hat immer sehr gut geklappt.“

Seit acht Monaten ist Sabrina Familienmitglied in Blankenstein, kümmert sich um die Kinder, kocht, spielt mit ihnen, beaufsichtigt die Schularbeiten. „Das geht im Normalfall besser, als wenn ich das mache. Sabrina, die schon richtig gut Deutsch spricht, hat ein absolutes Händchen für die Jungs. Irgendwie hat sie einen Zauberstab, es klappt super.“

Gastgroßmutter hat Handbuch für Au-Pair-Mädchen erstellt

Weil Simons-Fritz so Au-Pair-erfahren ist, hat sie ein Handbuch zusammengestellt mit den Regeln für die jungen Menschen aus dem Ausland, die die Gepflogenheiten in Deutschland nicht kennen. Zum Beispiel: Wie geht Mülltrennung, was wird gekocht, wo finde ich Hilfe, wenn plötzlich ein Notfall eintritt? „Ich habe einen Plan erstellt und unterschieden zwischen engsten Freunden, die Sabrina auch mal einen Ratschlag erteilen dürfen, Menschen, die sie ins Haus lassen darf, die sich aber nicht einmischen dürfen und Personen, die ins Haus gelassen werden, um mal einen Kaffee zu trinken.“

Dann gibt es Vorschriften, dass keine Gewalt angewendet und die Privatsphäre von allen respektiert wird. „Das alles hilft, den Einstieg in Ruhe und Sicherheit zu schaffen.“ Zu Ostern hatte sie mit Sohn Christian und Sabrina vor, die Eltern der 18-Jährigen in Tadschikistan zu besuchen. „Wir hatten alle Flüge gebucht, jetzt warten wir, ob wir das Geld für die ausgefallene Reise zurück bekommen.“

Au-Pair-Mädchen möchte in Deutschland bleiben – und macht eine Ausbildung

Als Muslima hat Sabrina in Blankenstein auch den Fastenmonat Ramadan eingehalten. Ein Bote der sei vorbeigekommen, damit die junge Frau abends ab 21 Uhr Leckereien zum täglichen Fastenbrechen hat. Die 18-Jährige sei eine Bereicherung für die ganze Familie. Und sie möchte in Deutschland bleiben, hat sich eigenständig in Schwelm eine Aufenthaltserlaubnis besorgt und eine Ausbildungsstelle gesucht. Im August beginnt sie bei einer Zahnärztin in Würselen eine Ausbildung zur zahnmedizinischen Assistentin.

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