Stadtmuseum

Hattinger sollen sich mit ihrem Stadtmuseum identifizieren

Gudrun Schwarzer-Jourgens, Leiterin des Stadtmuseums Hattingen, und WAZ-Redakteur Michael Brandhoff haben inmitten der Dauerausstellung über die Einrichtung in Blankenstein gesprochen. Foto:Walter Fischer

Gudrun Schwarzer-Jourgens, Leiterin des Stadtmuseums Hattingen, und WAZ-Redakteur Michael Brandhoff haben inmitten der Dauerausstellung über die Einrichtung in Blankenstein gesprochen. Foto:Walter Fischer

Hattingen.  Nach Gegenwind und Rückendeckung für das Hattinger Stadtmuseum in Blankenstein: Leiterin Gudrun Schwarzer-Jourgens im Interview.

Aufschrei in der Hattinger Kulturszene: Weil in der WAZ-Betrachtung „Kleine Affäre lässt die Kultur aufleben“ geschrieben steht, dass das Stadtmuseum vor sich hindümpelt, formiert sich Protest von Kulturschaffenden, die die Arbeit der Einrichtung in Blankenstein unterstützen. Museumsleiterin Gudrun Schwarzer-Jourgens und WAZ-Redakteur Michael Brandhoff haben sich jetzt zu einem Gespräch über das Museum und die Arbeit vor Ort getroffen.

Frau Schwarzer-Jourgens, die Zahl von 2133 Besuchern in den Wechselausstellungen 2017 sorgte für Irritationen. Das Museum habe doch viel mehr Besucher...

Schwarzer-Jourgens: Für die Wechselausstellungen stimmt die Zahl, aber wir haben im Jahr durch die Dauerausstellung und eigene Veranstaltungen insgesamt so um die 7000 bis 8000 Besucher.

Was funktioniert denn gut?

Kindergeburtstage und die Familiennachmittage beispielsweise, beim letzten hatten wir mehr als 60 Besucher. Und die Dauerausstellung funktioniert besser als es in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Unser Grundkonzept ist zwar uralt, aber wir haben es im Laufe des Jahre modifiziert, zum Beispiel durch Objektkammern, in denen eigene Geschichten erzählt werden, oder durch unsere Themenkisten.

Weshalb dieser Wandel?

Weil wir Museen keine Elfenbeintürme mehr sein dürfen. Wir müssen uns öffnen, müssen auf die Besucher zugehen – vor allem Familien fühlen sich von uns angesprochen. Ein Museum hat ja den Auftrag zu sammeln, zu bewahren, zu forschen und zu präsentieren. Ich würde zu vermitteln noch hinzunehmen – und da ist das Konzept eines begeh­baren Geschichtsbuchs toll.

Was sind die Auswahlkriterien für die verschiedenen Ausstellungen?

Vorweg: Die Wechselausstellungen haben immer zu Diskussionen geführt, auch in der Politik. Aber Kunst ist streitbar, dafür sind wir da. Sie soll aufwecken und anregen, gefällt aber nicht jedem. Und so ist das auch bei den Wechselausstellungen, bei denen wir gerne über den Tellerrand gucken – man kann den Hattinger auch mit anderem locken. Aber die Eventkultur wird zum Teil auch übertrieben, das möchte ich in Hattingen auch nicht. Mal was Besonderes? Klar, keine Frage.

Ich habe ja explizit die Ausstellung des Bergischen Künstlerbunds kritisiert – wie kam diese zustande?

Es gab die Aphoristikertage zum Thema Begegnungen und einer der Künstler ist auch bei den Aphoristikern aktiv. Daraus ist dann dieses Thema entstanden.

Was ist Ihnen bei der Auswahl der Ausstellungen wichtig?

Das Junge Museum, das wir gemeinsam mit der Sparkasse machen, ist einmal im Jahr gesetzt. Und es ist wichtig, Hattinger Bürger immer wieder miteinzubinden. Sie sollen sich mit dem Haus identifizieren. Kulturhistorische Ausstellungen sind immer toll, aber für Recherche, Ideen und Objektebeschaffung braucht man zwei Jahre Vorlaufzeit – da sind wir mit unseren personellen Ressourcen beschränkt.

Welche Unterstützung bekommen Sie denn als Einzelkämpferin?

Halbtags habe ich Unterstützung aus der Verwaltung, ansonsten vor allem durch den Förderverein. Wir treffen uns, tauschen uns aus, die Zusammenarbeit funktioniert gut und ist wichtig, personell und finanziell. Gemeinsam planen wir für dieses Jahr ein großes Museumsfest.

Wie sieht’s für die Bauhaus-Ausstellung im Sommer aus?

Das Fest wird ihr großer Abschluss. Wir kooperieren da mit mehreren Museen, wollen etwas von den Bauhaus-Schülern zeigen. Im Vorfeld arbeiten wir bereits mit den Schulen zusammen, wollen das ganze Haus am Ende umgestalten.

Frau Schwarzer-Jourgens, herzlichen Dank für das Gespräch.

>>> Öffnungszeiten und freier Eintritt

Das Stadtmuseum wurde im Jahr 2001 am Marktplatz eröffnet – in den alten Blankensteiner Amtshäusern. Zuvor wurden die Bruchsteinbauten – die Fassade aus Ruhrsandstein steht unter Denkmalschutz – saniert.

Die Öffnungszeiten sind verknappt worden: Aktuell hat das Stadtmuseum mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Spontan­besucher werden aber auch nicht abgewiesen. Der Eintritt in die Dauer- wie auch in die Wechselausstellungen ist frei. Die Veranstaltungen kosten indes zum Teil Eintritt.

Internet: stadtmuseum.hattingen.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben