Jugend

Im Hattinger Haus der Jugend werden Freiräume noch wichtiger

Spontan entscheiden, was sie machen wollen: Das tun Besucher des Hauses der Jugend heute bevorzugt – wie hier eine Gruppe von Freunden auf der Wiese hinter dem Haus der Jugend, die Stockwerfen spielt.

Spontan entscheiden, was sie machen wollen: Das tun Besucher des Hauses der Jugend heute bevorzugt – wie hier eine Gruppe von Freunden auf der Wiese hinter dem Haus der Jugend, die Stockwerfen spielt.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Hattingen.  Die Jugendarbeit ändert sich. Zukünftig will das Haus der Jugend noch intensiver auf die Wünsche und Vorstellungen der Kinder eingehen

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Wo geht es hin mit dem Haus der Jugend, das gerade 50-jähriges Bestehen gefeiert hat? „Genau die Frage haben wir uns jetzt auf einem Seminar gestellt“, sagt Cordula Buchgeister (49), Abteilungsleiterin für Jugendförderung und Kultur bei der Stadt. „Auf jeden Fall weg von zu viel starrer Organisation. Die Arbeit mit den Jugendlichen muss noch viel flexibler und spontaner werden.“

Die Jugendlichen hätten sich nicht geändert, aber die gesellschaftlichen Veränderungen große Auswirkungen auf deren Bedürfnisse. Großen Einfluss auf diese hat etwa die zunehmende Ganztagsbetreuung der Kinder. Früher habe das Haus der Jugend früh die Pforten geöffnet. Heute werden die Kinder und Jugendlichen bis nachmittags betreut. Dies hat auch viel Einfluss auf Arbeitszeiten und -weisen der Mitarbeiter.

Engere Zusammenarbeit mit den Offenen Ganztagsschulen

„Wir arbeiten in Zukunft enger mit den Offenen Ganztagsschulen zusammen“, sagt Buchgeister. Verändert habe sich zum Beispiel das Alter der Kinder, die gern ins Haus der Jugend kommen. Früher waren die Mädchen und Jungen im Durchschnitt 17, 18 Jahre alt und das Haus ein Treffpunkt, für den man sich verabredete, um dann gemeinsam den Nachmittag zu planen. Mit Handy und Internet brauche man solche Treffs nicht mehr.

„Heute sind die Besucher zwischen elf und 16 Jahren alt. Sie kommen hierher, um spontan zu entscheiden, was sie machen wollen“, so Buchgeister. „Die Kunst ist es, darauf und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Die Kids brauchen Freiheit und Freiraum, damit sie sich verwirklichen können.“

Kinder sind froh, wenn sie einfach mal machen können, was sie wollen

In vielen Familien gebe es eh’ schon einen sehr starren Wochenplan: Schwimm-, Reit-, Gitarrenunterricht, dazu Programme in den Ferien, damit die Eltern arbeiten können. „Da sind die Kinder froh, wenn sie einfach mal machen können, was sie wollen. Das ist essenziell wichtig für ihre Entwicklung. Man muss sie nicht auch noch in unserem Haus bespaßen und bespielen.“

Völlig spontan würden sich die Jungen und Mädchen zum Beispiel entschließen, nachmittags gemeinsam zu kochen. „Und Mitarbeiterin Nadine Rosemeyer ist so flexibel, dass so ein Wunsch in die Tat umgesetzt werden kann“, sagt die Abteilungsleiterin. Solche Freiräume müsse man aushalten, auch wenn das nicht immer leicht sei. Auch einfach nur abzuhängen, sei erlaubt und okay.

Es sollen Projekte realisiert werden, die die Jugendlichen selbst wünschen

Das Haus der Jugend wolle in Zukunft noch mehr Kulturelles anbieten. Dabei sollen Projekte realisiert werden, die die Jugendlichen selbst wünschen – zum Beispiel ein Skateboard-Contest, Dance-Events wie das K-Pop-Festival oder Konzerte.

Bei all’ dem Spaß kommt vernünftige Arbeit aber nicht zu kurz. Sie hat nur eine andere Form als früher. „In Sachen Internet sind unsere Mitarbeiter und Honorarkräfte auf Augenhöhe mit den Kindern. Und wenn Lieder von einem angesagten Rapper immer wieder gehört werden, kann man die Jugendlichen dazu bringen, genau hinzuhören, was denn da eigentlich für Texte gesungen werden“, erklärt Buchgeister die heutige und künftige Arbeit.

>>> MITARBEITER UND KONZEPT

Zwei hauptamtliche Mitarbeiter und eine Halbtagskraft, die noch eingestellt werden muss, bilden das Team im Haus der Jugend. Dazu kommen Honorarkräfte. Sie alle sind den Kindern und Jugendlichen freundschaftlich verbunden.

Längst vorbei ist die Arbeitsweise früherer Jahrzehnte, als man sich für vorgegebene Veranstaltungen anmelden musste, die Nachmittage von den Pädagogen durchorganisiert wurden. Freiräume und Rückzugsorte ohne gemaßregelt zu werden, sind heute dringender nötig als je zuvor – und das, was die Besucher schätzen.

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