Pendler

Jeder dritte Hattinger pendelt zu seinem Arbeitsplatz

Foto: Julian Stratenschulte

Hattingen.   17 566 Menschen wohnen, aber arbeiten nicht Hattingen. Vor allem, weil es viele Berufsfelder hier nicht gibt. Auch Auszubildende pendeln bereits.

Hattingen ist eine Pendlerstadt. Mehr als doppelt so viele Hattinger fahren zum Arbeiten in andere Städte, als umgekehrt aus anderen Städten hierher kommen. Insgesamt ist fast jeder dritte Hattinger (gemessen an der Einwohnerzahl) ein Pendler. Die Handwerkskammer ermittelte jüngst, dass sogar fast die Hälfte der handwerklichen Auszubildenden pendelt. Insgesamt setzen die Kreisbewohner dabei vor allem auf das eigene Auto.

Michael Valentin ist einer der 17 566 Menschen, die Hattingen täglich verlassen, um anderswo zu arbeiten. Er gehört zu den 22 Hattingern, die nach Leverkusen pendeln. Und über das Pendlerportal im Internet, dem sich der Ennepe-Ruhr-Kreis vor vier Jahren angeschlossen hatte, um mehr Fahrgemeinschaften zusammenzubringen, sucht er Mitfahrer – und das schon lange und erfolglos. „Bisher hat sich gar keiner über das Pendlerportal gemeldet“, bedauert Valentin.

Für den Arbeitsweg wird vor allem das Auto genutzt

Die Mobilitätsstudie des Kreises hatte ergeben, dass das Auto vor allem genutzt wird, wenn der Arbeitsweg länger als zwei Kilometer ist – um die 80 Prozent fahren dann selbst. Die Zahl der Mitfahrer in Fahrgemeinschaften ist dabei verschwindend gering.

Dabei kann das durchaus im Pendler-Stress helfen, wie Michael Valentin weiß. Mit einem Kollegen teilt er sich hin und wieder den Arbeitsweg. „Es ist viel entspannter, wenn ich nicht immer die ganze Strecke am Steuer sitzen muss“, sagt er. Immerhin eine gute Stunde braucht er zur Arbeit und ebenso lange zurück. „Das ist eine Belastung“, gibt er zu, denn der Verkehr habe stark zugenommen. „Vor 15 Jahren war lange noch nicht so viel Verkehr“, beobachtet der 42-Jährige. An einen Umzug habe er aber nie gedacht – auch, weil seine Frau, wenn auch ebenfalls Pendlerin, in der Nachbarstadt arbeitet.

Viele Berufsfelder gibt es in Hattingen nicht

Die hohe Pendlerzahl resultiert vor allem daraus, dass es viele Berufsfelder in Hattingen nicht gibt. Dass die Stadt mit den größeren Nachbarn mit Universitäten, Autobahnanschlüssen und großen Gewerbeflächen nicht mithalten kann, stellte Baudezernent Jens Hendrix fest. In Bochum pendelt entsprechend nur etwa jeder fünfte Einwohner zur Arbeit.

Dabei betrifft das Hattinger Defizit den Dienstleistungsbereich ebenso, wie das produzierende Gewerbe. In ihrer Umfrage ermittelte die Handwerkskammer, dass bei den Auszubildenden Mobilität vor allem bei Gerüstbauern, KFZ-Mechatronikern, aber auch bei Kaufleuten für Büromanagement und Zahntechnikern gefragt ist. Zum größten Teil pendeln übrigens Vollzeitbeschäftigte, aber auch fast 5000 Teilzeitbeschäftigte verlassen Hattingen für die Arbeit.

>>> INFO: Wer innerhalb der Stadt pendelt

  • Arbeiter und Angestellte machen gut 75 Prozent der 9606 Hattinger aus, die in der eigenen Stadt auch arbeiten. Innerstädtisch legen die Berufstätigen durchschnittlich 4,8 Kilometer zum Arbeitplatz zurück.
  • Gut 55 Prozent der innerstädtischen Pendler sind Frauen.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben