HATTINGEN AM MITTAG

Kleingärtner am Salzweg arbeiten erst, dann entspannen sie

Hans Terstegen (75) strebt mit einer Schiebkarre voller Grünabfall Richtung Komposter. Seit 1995 besitzt er eine Parzelle in der Kleingartenanlage am Salzweg.

Hans Terstegen (75) strebt mit einer Schiebkarre voller Grünabfall Richtung Komposter. Seit 1995 besitzt er eine Parzelle in der Kleingartenanlage am Salzweg.

Foto: Fischer

Hattingen.   In der Kleingartenanlage am Salzweg genießen wochentags vor allem Rentner die Wohlfühlatmosphäre. Für Stress sorgen der Zünsler und eine Party.

Ruth Mette zeigt auf die Himbeeren ihrer selbst gemachten Torte. „Die sind alle hier aus meinem Garten“, erklärt sie und deutet mit ausladender Geste auf das farbenfrohe Paradies vor sich. Der Garten ist ihr ganzer Stolz. Die Seniorin ist im Sommer jeden Tag „von morgens bis abends“ in der Kleingartenkolonie am Salzweg, genießt die Ruhe in der Mittagszeit. „Dann kann ich hier so richtig ausspannen und die Beine hochlegen.“ Normalerweise.

Geburtstagsgäste feiern im Garten

Heute nämlich ist alles ein bisschen anders als sonst. Mittagszeit in der Kleingartenanlage ist an diesem Tag für Ruth Mette gleichbedeutend mit Stress. Denn sie feiert ihren 70. Geburtstag, muss alles für die große Party im Garten vorbereiten. 20 Gäste werden später vorbeischauen – darum gibt es einiges vorzubereiten. „Der Geburtstag wird immer hier gefeiert“, betont sie.

Seit 25 Jahren besitzen die Mettes den Garten am Salzweg. Ein Holzhäuschen, ein riesiger roter Sonnenschirm, Wiesenfläche mit reichlich Platz, angebautes Obst und Gemüse „und mein tolles Blätterdach“: Das Geburtstagskind hat sich eine Wohlfühloase hergerichtet. „Was soll ich mich in der Wohnung aufhalten, wenn ich so einen schönen Garten habe?“

Etwas weiter Richtung Eingang beweist Hans Terstegen, dass ein Kleingarten auch abseits von Geburtstagsvorbereitungen nicht nur Wohlfühlatmosphäre, sondern auch jede Menge Arbeit parat haben kann. Mit einer Schubkarre voller abgeschnittener Sträucher geht er Richtung Komposter.

Die Buchsbäume werden entfernt - wegen des Zünslers

„Ich bin seit meinem 59. Lebensjahr Rentner und wollte mich fit halten“, erklärt der heute 75-Jährige, warum er sich 1995 für den Kauf der Parzelle 20 entschieden habe. „Klar, durch die Hitze gibt es für mich hier wesentlich mehr Arbeit als in den Jahren zuvor. Und später mache ich vielleicht noch die Buchsbäume weg wegen des Zünslers“, erzählt er. Aber das sei kein Problem, immerhin sei es in der Kleingartenanlage schön ruhig.

In der Tat sieht man jetzt, zur Mittagszeit, kaum eine Menschenseele über die Kieswege laufen. An den Wochenenden sehe das ganz anders aus. „Da suchen Sie vergeblich nach einem Parkplatz.“ Während es sich nämlich wochentags die Rentner in ihren Gärten gemütlich machten, kämen an den Wochenenden die Berufstätigen samt Familie und Freunden. „Wir haben vor vier oder fünf Jahren einige junge Neueinsteiger bekommen, seitdem ist es hier lebendiger geworden“, erläutert Hans Terstegen.

Etwas zum Werkeln gibt es immer

„Kommen Sie, hier geht’s lang“ – Peter Büsselberg hält das kleine Tor auf und winkt die Journalistin hinein in seinen Garten. „Heute bin ich seit etwa 10.30 Uhr hier“, erzählt der 69-Jährige. „Ich bin Rentner und habe Zeit und irgendetwas zum Werkeln gibt es immer.“ Auch er will sich später noch wie Hans Terstegen dem Buchsbaum widmen „und alles rausschneiden. Ja, der Zünsler, was soll ich sagen? Ich habe schon 20 weggeschmissen.“ Aber erst einmal ist Pause angesagt. „In der Mittagszeit, so zwischen 13 und 15 Uhr, ist es hier immer ruhig, da kann man sich gut eine Stunde hinlegen und im Garten richtig entspannen.“

Weit nach Hause hat es Peter Büsselberg nicht. „Wir wohnen drüben hinter den großen Bäumen“, sagt er. Auch die Büsselbergs besitzen den Garten seit 1995. „Wir hatten nach Eigentum gesucht, aber es bot sich nichts so recht an. Deshalb haben wir uns eine Eigentumswohnung gekauft und zeitgleich den Garten hier zugelegt.“

>>> KURZER BLICK IN DIE HISTORIE

Im Jahre 1994 entschloss sich die Stadt Hattingen dazu, eine Dauerkleingartenanlage am Salzweg einzurichten.

Die Interessenten für Parzellen gründeten seinerzeit den „Kleingärtnerverein Salzweg“. Aktueller Vorsitzender des Vereins ist Frank König. Kontakt: 02324- 80222.

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