Tag der Logopädie

Mehr Erwachsene gehen mit Sprachproblemen zum Logopäden

Felicitas Martens-Wiese, hier mit Tochter Lotte, hat eine Praxis für Logopädie in Niederwenigern eröffnet. Sie ist Logopädin aus Leidenschaft.

Felicitas Martens-Wiese, hier mit Tochter Lotte, hat eine Praxis für Logopädie in Niederwenigern eröffnet. Sie ist Logopädin aus Leidenschaft.

Foto: Walter Fischer

Hattingen.   Am 6. März ist der Tag der Logopädie. Felicitas Martens-Wiese, Logopädin in Hattingen, erklärt, wie es zu Sprachproblemen kommt.

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Wann geht man zum Logopäden? Zum Beispiel, wenn man lispelt. „So sehen es immer noch die meisten Menschen“, sagt Felicitas Martens-Wiese. Sie ist bereits seit 2004 als Logopädin selbstständig mit einer Praxis in Essen. Jetzt hat sie sich auch in Niederwenigern niedergelassen. „Unser Arbeitsfeld ist sehr breit gefächert, abwechslungsreich und spannend“, sagt die begeisterte Logopädin.

Logopäden werden bei sehr vielen Krankheiten gebraucht: Patienten mit Schlaganfällen, Multipler Sklerose, Demenz und Parkinson – sie alle brauchen sehr oft ein Training, was das Sprechen anbetrifft.

Mehr sprachgestörte Kinder

„Außerdem gibt es immer mehr sprachgestörte Kinder“, sagt Felicitas Martens-Wiese. „Es sind Schlüsselkinder, die den ganzen Tag alleine sind, Kinder, die sich durch den ewigen Konsum von Medien nicht mehr unterhalten, und auch Kinder, die zweisprachig aufwachsen und dann häufig eine Sprachverwirrung haben.“ Denn man müsse bei zweisprachigem Aufwachsen die Sprachen sauber trennen und nicht mixen. „Ich kenne eine Familie, da spricht der Vater grundsätzlich nur italienisch mit dem Kind, die Mutter nur deutsch. Das geht ganz hervorragend“, erklärt die Logopädin.

Schlechtes Hören als Ursache

Aber auch andere Gründe für falsches Sprechen gibt es. Zum Beispiel, wenn das Kind schlecht hört. „Dann kann es natürlich auch nicht richtig sprechen lernen. Man muss die Ursache für die Problematik herausfinden.“ Oftmals werden die Kinder von Kinderärzten überwiesen, die feststellen, dass man die Kleinen nicht gut verstehen kann. Auch Hals-, Nasen-, Ohrenärzte achten darauf, wenn Kinder nicht altersgemäß gut sprechen. „Vor allem darf man nicht warten, bis es sich auswächst, wie viele Eltern meinen“, warnt die Logopädin. Denn es habe Gründe, wenn Kinder nicht richtig sprechen. Und das müsse man so früh wie möglich herausfinden, damit Fehler korrigiert werden können.

In einem sozial schwachen Milieu hätten es Kinder nicht leicht, die Sprache richtig zu erlernen. „Wer nicht richtig spricht, kann auch später nicht richtig schreiben“, erklärt Felicitas Martens-Wiese. Das hänge miteinander zusammen. „Manche Kinder haben Lautfehlbildungen. Sie sagen dann zum Beispiel tomm, anstatt komm. Das muss korrigiert werden.“

Stimmstörungen bei Vielsprechern

Der Anteil der Kinder, die zum Logopäden gingen, und der der Erwachsenen lag früher bei 70:30, schätzt die Expertin; heute ungefähr bei der Hälfte. Das liege auch daran, dass die Menschen älter würden und Krankheiten bekämen wie Schlaganfälle, bei denen die Sprache oft wieder neu eingeübt werden muss.

Ein großer Teil der Menschen, die zu Logopäden gehen, sind Personen mit Stimmstörungen. „Das sind Lehrer, Sprecher, Pastöre und Schauspieler“, sagt Logopädin Felicitas Martens-Wiese. Ungefähr 30 Jahre lang machten Stimmbänder falsche Beanspruchung mit. Dann sei Schluss. „Denn Sprechen ist ein sehr komplexes System, das machen sich die meisten nicht klar. „Viele kommen zwischen ihrem 40. und 50. Lebensjahr mit Heiserkeit oder Stimmermüdungen.“ Das bekomme man aber ganz gut wieder in den Griff. „Mit der richtigen Haltung, Atmung und Stimme hat man gute Chancen.“

„Manche setzen den Sprachtherapeuten mit dem Logopäden gleich“, sagt Felicitas Martens-Wiese. Das sei aber falsch. „Denn der Sprachtherapeut ist ein Pädagoge und die Logopäden sind medizinische Heilmittelerbringer.“ Mit Spaß und Leidenschaft übe sie ihren Beruf aus, „weil die Heilungschancen sehr gut sind“, sagt sie.

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