Oberwinzerfeld

Naturspürnasen mitten im Beet

Foto: WAZ FotoPool

Hattingen.  Kinder sind einfach für die Umwelt zu begeistern. In der Grundschule Oberwinzerfeld haben sie jetzt gelernt: Ohne Bienen gibt es keine Pommes und keinen Ketchup.

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Wer wollte nicht schon immer mal ein Gießmeister sein und sehen, dass die Blumen wie von Zauberhand aus dem Boden sprießen? Kinder im Grundschulalter sind ganz einfach für die Natur zu begeistern – und das ist wichtig.

In der Grundschule Oberwinzerfeld tummeln sich die Mädchen um das neu angelegte Beet. Gartenarbeit: Mädchensache? Der neunjährige Tobias schüttelt den Kopf. Er ist schließlich der Gießmeister und hält stolz die grüne Kanne in der Hand. Im Rahmen des Projekts „EN blüht auf“ hat die Grundschule Oberwinzerfeld Pflanzen, Samen und Materialien für den Unterricht von der Biologischen Station bekommen. Seit dem Herbst lernen rund zwanzig Kinder der dritten und vierten Klassen in der Naturspürnasen-AG freiwillig heimische Pflanzen und Insekten kennen.

Zunächst haben sie die Bepflanzung des Beets geplant. „Im Internet haben wie über Johannisbeersträucher oder Primeln nachgeforscht“, erklärt Lisa (11). Nach dem Winter ging es los. „Aber das Beet sah schrecklich aus, alles war mit Unkraut zugewachsen.“ Jetzt sieht es schön aus. Wie Julide (10) es ausdrückt: „Wir haben unsere Schule dekoriert.“ Lavendel kannten einige Schüler vorher nicht. Die Hände buddeln in der Erde, die Mädchen knien im Dreck. Schaufeln, harken, säen, gießen: Das macht Spaß.

Willibald Limberg, stellvertretender Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises, freut sich: „Kinder kann man nicht früh genug an die Natur heranführen. Wir müssen sie dafür sensibilisieren, sonst kennen manche Kinder die Früchte nur in Kisten aus dem Supermarkt, aber wissen gar nicht, woher sie stammen, wie sie gewachsen sind. Das muss sich ändern.“

Lisa jedenfalls hat nun Respekt vor der Gartenarbeit. „Das ist anstrengend und es dauert ganz schön lange, bis aus einer eingepflanzten Zwiebel eine Blume heranwächst, da braucht man wirklich Geduld.“ Die selbst eingepflanzten Stachelbeeren schmecken dafür umso besser. „Und riech’ mal an der Schokoladenminze!“ Rätselnd stehen sie um ein kleines Pflänzchen. „Wie groß wird das wohl?“

Nach dem praktischen Teil lernen die Kinder bald im Unterricht etwas über Hummeln und Wildbienen, behandeln das Thema Bestäubung. „In einigen Gebieten Chinas sind die Bienen leider durch Gifte und die Zerstörung ihres Lebensraums ausgerottet worden, so dass die Menschen dort die Bäume selbst mit der Hand bestäuben müssen. Das ist wirklich dramatisch“, warnt Elke Zach-Heuer von der Biologischen Station. Sie versucht den Kindern verständlich zu machen: „Ohne Bienen gibt es auch keine Pommes und kein Ketchup.“ Denn ob Kartoffeln oder Tomaten – alles bestäuben die fleißigen Bienen.

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