Gericht

Sexuelle Belästigung: Freispruch für 60-jährigen Hattinger

In Gerichtssaal 1 – dem Großen Sitzungssaal des Hattinger Amtsgerichtes – fand der Prozess wegen sexueller Belästigung statt. 

Foto: Volker Speckenwirth

In Gerichtssaal 1 – dem Großen Sitzungssaal des Hattinger Amtsgerichtes – fand der Prozess wegen sexueller Belästigung statt. 

Hattingen.   Der Chef eines Hattinger Dienstleisters soll einer früheren Mitarbeiterin (21) unter das Shirt gegriffen haben – in einem Gerichtssaal.

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Weil er eine frühere Mitarbeiterin sexuell belästigt haben soll, musste sich am Montag der Chef eines Hattinger Dienstleisters (60) vor dem Amtsgericht verantworten. Einmal soll er der heute 21-jährigen B. gegenüber am 12. November 2016 in einem Café anzügliche Äußerungen gemacht haben, ihr auch körperlich nahe gekommen sein. Im zweiten Fall soll er der Frau am 15. Dezember 2016 in einem Gerichtssaal unter das Shirt gegriffen haben.

Angeklagter bestritt die Vorwürfe

Beide Vorwürfe bestritt der Hattinger. Im ersten Fall habe er B., die nach einem Praktikum seit November 2016 auf 450-Euro-Basis für ihn gearbeitet hatte, gebeten, als Zeugin bei einer Wohnungsübergabe dabei zu sein. Kurz bevor sie vor Ort eingetroffen sei, hätten ihn die Noch-Mieter um Verschiebung der Übergabe gebeten.

„Mir war es unangenehm, dass sie umsonst gekommen ist“, sagte der Angeklagte. Daher habe er B. auf einen Kaffee eingeladen, mehr sei nicht gewesen. Und im Gericht, wo er , B. und eine weitere Mitarbeiterin Zeugen bei einem Prozess waren, habe er B. nur kurz die Hand auf die Schulter gelegt. „Eine Geste des Mitgefühls“; B. habe damals über Kopfschmerzen und Verspannungen geklagt.

Per Brief dem Ex-Chef über die Anzeige informiert

Die als Zeugin geladene junge Frau dagegen schilderte vor Gericht, der Angeklagte habe ihr gegenüber schon vor der Einladung ins Café anzügliche Bemerkungen gemacht. Drinnen sei er ihr dann immer näher gerückt, sie habe sich bedrängt gefühlt. Auf dem Weg zu ihrem Auto habe er ihr später an die Taille gefasst. „Sehr unwohl gefühlt auf der Arbeit“ habe sie sich danach. Als ihr Chef ihr einen Monat später im Gericht dann auch noch unters Shirt gegriffen habe, habe sie alsbald gekündigt.

Per Brief habe sie Mitte Januar 2017 dann vom Ex-Chef noch ausstehende Zahlungen eingefordert – und ihm mitgeteilt, dass sie dessen Belästigungen anzeige. Wochenlang habe sie sich zuvor nicht getraut, über die Vorfälle zu reden.

Während ihrer Zeit bei dem Dienstleister, sagten gleich mehrere Zeugen, habe man B. die nun von ihr geschilderten Belastungen indes nicht angemerkt. Und die beim Vorfall im Gericht mit anwesende Kollegin bestätigte für Teil zwei der Anklage zudem die Version ihres Chefs.

Staatsanwalt sah eine sexuelle Belästigung als nicht erwiesen an

Staatsanwalt Martin Pittig sah eine sexuelle Belästigung nicht nur im Gericht am Ende denn auch als nicht erwiesen an. Was Bs. Schilderungen rund ums Café-Treffen betrifft, fragte er zudem in den Raum: „Ist etwa das Fassen an die Taille schon eine sexuelle Belästigung?“ Wie auch Verteidigerin Ellen Heinrich-Peters forderte Pittig für den Angeklagten Freispruch. Dem schloss sich Richter Kimmeskamp an – „mit voller Überzeugung“.

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