Schüleraustausch

Zufall: Wie ein Schüleraustausch zur Familiensache wurde

Lena Bartsch (l.) und Eszter Gede konnten es nicht glauben: Die beiden Austauschschülerinnen aus Hattingen und Budapest sind miteinander verwandt.

Lena Bartsch (l.) und Eszter Gede konnten es nicht glauben: Die beiden Austauschschülerinnen aus Hattingen und Budapest sind miteinander verwandt.

Foto: Fischer

hattingen.   Lena Bartsch aus Hattingen und Eszter Gede aus Ungarn machen beim Schüleraustausch mit – so haben sie herausgefunden, dass sie mehr verbindet.

Der Zufall spielt im Leben oft eine entscheidende Rolle. Diese Erfahrung haben gerade erst auch zwei junge Mädchen gemacht, die sich erst seit rund einem Monat kennen. Lena Bartsch, die das Gymnasium Holthausen besucht, hat rein zufällig erfahren, dass sie mit ihrer Austauschpartnerin aus Ungarn, Eszter Gede, verwandt ist.

Gede ist kein alltäglicher Name

Angefangen hat alles mit einer E-Mail, die Eszter Anfang April ihrer deutschen Mitstreiterin geschickt hat. „Ich habe nur geschrieben, dass ich ihre Austauschschülerin bin“, erzählt die 15-Jährige, die in Budapest zur Schule geht.

Was auf den ersten Blick unspektakulär klingt, sorgt bei der zwölfjährigen Lena für Erstaunen. Denn: „Meine Mutter und mein Opa hießen auch Gede. Ich habe das direkt meiner Mutter, die ihren Namen behalten hat, erzählt und sie meinte zu mir, dass das kein häufiger Name ist.“

Lena tanzt vor Freude durch die Wohnung

Die Neugier von Lena war damit geweckt. „Sie hat mich sofort darauf angesprochen“, berichtet Eszter. Bei der Recherche sei dann tatsächlich herausgekommen, dass sie über Imre Gede, der 1956 aus Ungarn nach Duisburg geflohen war, miteinander verwandt sind. Es stellte sich also heraus, dass die Großväter der beiden Mädels Cousins waren. Wie klein doch manchmal die Welt ist.

Als feststand, dass eine gemeinsame familiäre Beziehung besteht, dachte sich Lena nur: „Oh mein Gott, wir sind verwandt.“ Dabei sei sie vor Glück durch die Wohnung getanzt. Die Reaktion von Eszter fiel gleichermaßen überschwänglich aus: „Ich habe mich schon davor sehr auf den Austausch gefreut. Aber danach war die Freude nochmal umso größer.“

Eszter wird am Flughafen herzlich empfangen

Anfang Mai landete die Austauschgruppe vom Jedlik-Ányos-Gimnázium auf dem Flughafen in Dortmund. Mit an Bord: Eszter. „Ich hatte ein Lachen auf dem Gesicht, aber ich habe keinen Ton rausbekommen“, berichtet Lena vom ersten Aufeinandertreffen: „Meine Mutter hat Eszter mit Tränen in den Augen empfangen.“

Lenas Mutter macht nochmals klar, wie viel Zufall hinter der Geschichte steckt: „Wenn die Lehrer die beiden nicht als gegenseitige Austauschpartnerinnen eingeteilt hätten, hätte es sein können, dass Eszter zwar hier an der Schule ist, aber die beiden nie etwas voneinander erfahren hätten.“

Lena kann nun ein wenig Ungarisch

Eszter, die für die Dauer des Aufenthalts auch bei Familie Bartsch in Winz-Baak wohnte, gab ihrer Gastgeberin selbstredend Sprachunterricht auf Ungarisch. „Ich kann zum Beispiel ‘Gute Nacht’ sagen“, verrät Lena.

Im September steht dann der deutsche Gegenbesuch in der ungarischen Hauptstadt an. „Ich freue mich darauf, eine echte Großstadt zu sehen. Das ist schon etwas anderes als hier in Hattingen“, erklärt Lena.

>>>Austausch mit Ungarn seit 34 Jahren

Vom 2. bis 12. Mai besuchte das Budapester Jedlik-Ányos-Gimnázium seine Partnerschule, das Gymnasium Holthausen. Der Schüleraustausch der beiden Schulen läuft bereits seit 34 Jahren.

Die ungarischen Schüler haben zusammen mit dem Heimatverein Hattingen auch die Altstadt erkundet. Vom Bügeleisenhaus aus ging es auf einen 90-minütigen Rundgang zu verschiedenen Sehenswürdigkeiten.

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