Abzockmasche

Verbraucher aus Heiligenhaus im Visier von Betrügern

Ute Oberkoxholt wurde Opfer des Betrugsversuchs im Namen von Unitymedia.

Ute Oberkoxholt wurde Opfer des Betrugsversuchs im Namen von Unitymedia.

Foto: Victor Gurov

Heiligenhaus.  Heiligenhauser bekamen Auftragsbestätigung von Unitymedia, obwohl sie keinem Vertrag zugestimmt hatten. Es wurden falsche Tatsachen behauptet.

Als Ute Oberkoxholt kürzlich ihren E-Mail-Eingang überprüfte, konnte sie kaum glauben, was sie dort fand: „Ich hatte eine E-Mail von Unitymedia bekommen, wonach mein angeblicher Auftrag für einen neuen Vertrag mit Receiver und Router bestätigt wurde“, sagt sie. Das Problem: Die Heiligenhauserin hat niemals einem solchen Auftrag zugestimmt und ist – nicht als einzige in der Stadt – Opfer eines Betrugs geworden. Nun hat sich die Verbraucherzentrale eingeschaltet.

So hatte unlängst ein Mann, vermeintlich im Namen von Unitymedia, bei Ute Oberkoxholt angerufen und falsche Tatsachen behauptet: Ihr Fernseher werde schwarz bleiben, wenn sie nicht einen Vertrag mit Unitymedia abschließe, drohte er. Das aber hatte Ute Oberkoxholt vehement zurückgewiesen.

Noch keine Stornobestätigung für Auftrag eingegangen

Im Falle der Heiligenhauserin ist dies sogar eine „Wiederholungstat“. Denn schon vergangenes Jahr hatte man mit einer ähnlichen Masche versucht, sie zu einem Unitymedia-Vertrag zu überreden. Auch damals hatte die 60-Jährige richtig reagiert und alles abgelehnt.

Umso irritierter war Ute Oberkoxholt nun über die vermeintliche Auftragsbestätigung und setzte sich mit dem Kundendienst des Kabelnetzbetreibers in Verbindung. „Dort sagte man mir, der Auftrag werde storniert und ich würde alles schriftlich bekommen.“ Doch passiert ist seitdem nichts. Beziehungsweise doch, aber nicht so, wie es sich die Verbraucherin vorgestellt hatte: Es habe ein Mann von einer Unitymedia-Servicefirma angerufen, um den Auftrag durchzuführen – er habe sich aber dann mit dem Hinweis auf die Stornierung zufriedengegeben.

Unitymedia: „Bedienen uns nicht unlauterer Methoden“

Unitymedia selbst teilte auf WAZ-Anfrage mit, dass man sich grundsätzlich solcher unlauterer Methoden, wie im Falle der Heiligenhauserin, nicht bediene. Sollte es sich um einen Unitymedia-Mitarbeiter handeln, werde man mit arbeitsrechtlichen Schritten reagieren. Es könne aber auch ein Mitarbeiter eines Subunternehmens gewesen sein.

Diese Erklärung aber stellt Andreas Adelberger, Leiter der Verbraucherzentrale Velbert/Heiligenhaus, nicht zufrieden: „Unitymedia kann das nicht auf Subfirmen schieben. Es scheint, als ob das Unternehmen da den Daumen nicht drauf haben will.“ Adelberger sind auch weitere Fälle in Niederberg bekannt: „Es scheint derzeit wieder eine kleine Welle bei dieser Betrugsmasche zu geben.“

Örtliche Verbraucherzentrale schaltet sich auch ein

So hat die Verbraucherzentrale ein Schreiben zu einem anderen Fall, ebenfalls in Heiligenhaus, an Unitymedia geschickt. Dort ist aufgeführt, dass Heinrich Schmoll auch im Namen von Unitymedia von einem gewissen „Herrn Monti“ telefonisch kontaktiert wurde. Tenor: „Glasfaser kommt. Sie haben bald kein Fernsehen mehr“, hieß es – obwohl das mitnichten den Tatsachen entspricht. Nur ein neuer Vertrag mit allem Drum und Dran könne dem Abhilfe schaffen.

Eine Antwort auf das Schreiben steht aus

Schmoll äußerte aber Zweifel, woraufhin das Gespräch kurz darauf abgebrochen sei. Vorsorglich habe er aber die Telefonnummer, die in seinem Display vermerkt war, zurückgerufen. „Dort wurde mir unfreundlich mitgeteilt, dass ich ja widerrufen könnte“, so der 77-Jährige – obwohl er zuvor keinerlei Zustimmung gegeben hatte. Vorsorglich hat nun die Verbraucherzentrale Unitymedia aufgefordert, einen wie auch immer gearteten neuen Vertrag unverzüglich wegen „arglistiger Täuschung“ zu stornieren. Eine Stellungnahme seitens des Unternehmens steht aber auch Wochen nach dem Schreiben aus.

>>> NIE VERTRÄGE AM TELEFON ABSCHLIEßEN

  • Andreas Adelberger von der Verbraucherzentrale Velbert/Heiligenhaus rät, niemals Verträge am Telefon abzuschließen. „Man sollte sich auch nicht von irgendwelchen Behauptungen verunsichern oder im Gespräch einlullen lassen“, sagt er.


  • Alternativ solle man sich das Angebot schriftlich zukommen lassen – oder im Zweifel in eine Geschäftsstelle des Anbieters gehen und das „Produktinformationsblatt“ zu der Offerte anfordern.

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