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Amerika-Feeling mit PS-starken Prachtkarren

Am Sonntag wurde es voller im Sauerlandpark. Besonders imposant sind die Maße der amerikanischen Oldtimer. Viele von ihnen haben auch durch die weite Haube eine Länge von über sechs Metern.    

Am Sonntag wurde es voller im Sauerlandpark. Besonders imposant sind die Maße der amerikanischen Oldtimer. Viele von ihnen haben auch durch die weite Haube eine Länge von über sechs Metern.    

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.   Mehr als 150 Fahrzeuge stehen beim US-Car- und Harley-Festival „Route 46“ auf dem Himmelsspiegel im Sauerlandpark.

Der Sauerlandpark schien am Samstag und Sonntag ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein oder zumindest an einen anderen Ort versetzt. Denn mit zahlreichen Cadillacs, Mustangs und Lincolns bestimmten vor allem alte amerikanische Autos die Optik des Parks und versetzten die Gäste somit in die USA der 70er und 80er Jahre. Mehr als 150 Modelle haben beim US-Car- und Harley-Festival „Route 46“ am Himmelsspiegel einen Platz gefunden. Für die Sammler steht vor allem das Fahrgefühl und die „Kraft“ der Fahrzeuge im Mittelpunkt.

Das trifft auch für Herbert Wegfraß, Clubpräsident des US-Carclubs NRW und Mitorganisator der „Route 46“, zu. Stolz erzählt er über die Maße seines weißen Lincolns Continental Mark V – 2,5 Tonnen schwer, 6,6 Liter Hubraum und mit einem V8-Motor mit 225 PS ausgestattet. Dabei glänzen seine Augen fast so hell wie die verchromte Stoßstange des Autos. „Fahren sie mal mit einem Elektrofahrzeug und mit diesem Auto – Sie werden den meilenweiten Unterschied spüren“, sagt er mit Begeisterung. Das Motorengeräusch gehe einem durch Mark und Bein.

Allerdings seien die alten amerikanischen Modelle allesamt „Spritfresser“. „Auf 100 Kilometer schlucken die schon mal 20 bis 30 Liter“, erklärt er. Seinen Lincoln, Jahrgang 1979, besitzt der Fröndenberger seit 2014: „Der will schon immer gerne seine 20, 22 Liter haben“, erzählt er lächelnd.

Die Haube eines Mustangs ist fast so lang wie ein Smart

Er ist längst nicht der einzige, der ein begeistertes Lächeln trägt, wenn er über sein imposantes Fahrzeug redet. Dennis Janke hat sich mit seinem Ford Mustang Mach 1 einen Kindheitstraum erfüllt. „Das war Liebe auf den ersten Blick“, sagt er. Als er klein war, hat er mit dem Modellauto gespielt, nun hat er seit 2013 den echten Wagen in der Garage stehen.

„Mit dem Wagen geht man es ruhiger an. Das ist ein ganz anderes Fahrgefühl. Ich würde sogar sagen: Richtiges Autofahren“, erklärt der Mendener. Auch über die Vorgeschichte seines 1968 gebauten Wagens erzählt er gerne: „Der Mustang ist 40 Jahre lang über die Straßen von Nevada gefahren“, ist er begeistert. Er kennt den Namen des Vorbesitzers und präsentiert auch das Nummernschild aus den Staaten auf der Auslage im Kofferraum.

Bald darauf nennt er die technischen Werte des Fahrzeugs: 1,2 Tonnen – 4,7 Liter Hubraum – 200 PS. „Die Haube ist fast so lang wie ein Smart“, sagt er stolz. Und ein weiterer Vorteil des Modells: „Jedes Ersatzteil bekomme ich in drei Tagen.“ Lange in Foren oder Werkstätten nach Einzelteilen suchen, muss er nicht.

Eine der PS-stärkeren Wagen hat der Hemeraner Frank Schneider aufgestellt. Zumindest zählt sein Chevrolet Camaro SS mit seinen 500 PS zu einen der „kraftvolleren“ Fahrzeuge beim „Route 46“. Allerdings ist dies kein Oldtimer, sondern ein modernes US-Car – Baujahr 2013. Als er mit seinen Stiefeln in Schlangenlederoptik das Gaspedal bedient, heult der Motor auf, als würden mehrere Holzfäller gleichzeitig ihre Motorsägen anwerfen. „Der Motor explodiert fast an Kraft“, beschreibt er den Ausstoß.

Rockabillys schwingen den Pettycoat zu Rock ‘n’ Roll

Im Gegensatz zu vielen anderen Motorfreunden, die ihr Modell nur zu besonderen Anlässen aus der Garage holen, fährt er sein Cabrio im Sommer fast jeden Tag. Das Fahrgefühl des PS-starken Vehikels sei mit deutschen Vier-Zylinder-Motoren nicht zu vergleichen. „Wenn man einmal so einen Wagen gefahren hat, dann will man nicht mehr zurück“, beschreibt er sein Gefühl.

Knatternde Motoren beherrschen beim „Route 46“ aber nicht alleine die Geräuschkulisse. Die LenneRockets bringen die 50er und 60er Jahre mit ihrer Rock-’n’-Roll-Performance auf die Kaja-Bühne. Für zusätzliche Stimmung sorgen auch ein paar Frauen und Männer im Rockabilly-Look, die vor der Bühne mit fast akrobatischen Tanzmanövern aufwarten. Steffi Kühnel kennt die LenneRockets schon seit Jahren und ist extra aus Gießen gekommen. Beim Tanz dreht sich der Rock ihres Pettycoat-Kleides schwungvoll mit. „Bei der Musik kann ich nicht ruhig dasitzen, da muss ich tanzen“, sagt sie.

Während die Autos sich auf den Himmelsspiegel breit machen, gehört der Vorplatz am Grohe-Forum ganz den Harley-Davidson-Fans. Unterschiedliche Modelle könnten teilweise aus einem Road-Movie stammen oder sind Nachbauten von Militär-Modellen der US-Army aus dem Zweiten Weltkrieg. Ein wenig heraus sticht die Harley von Ralf Kienze – allerdings nicht wegen der Größe seiner Sportster 72. Die Maschine ist im Vergleich zu den anderen Fahrzeugen eher klein und glänzt mit seinen türkisfarbenen Elementen in der Sonne. „Ich habe gar keine Lust, mit einer 400-Kilo-Maschine durch die Gegend zu fahren“, sagt er. Er bevorzugt das sportlichere Modell.

Am Sonntag kürte der US-Carclub zudem das schönste Fahrzeug. Gewonnen hat Bernd Wolf aus Soest mit seinem Cadillac Coupe DeVille aus dem Jahr 1959 – dem Wagen vom King of Rock ‘n’ Roll Elvis Presley. Aber auch einen weiteren Star hat der 71-Jährige auf seiner Kühlerhaube: Sänger Ron Williams hat sich 2018 mit einem Autogramm verewigt.

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