Deilinghofen. Weder mit dem Fahrzeug, noch zu Fuß darf die Straße nach Hemer-Brockhausen betreten werden. Die Sanierung wird kompliziert.

Ein großes Loch am Klusensteiner Weg gibt einen Hinweis darauf, warum die Straße – auch zu Fuß – nicht betreten werden darf. Dieses führt zur Grabenponorhöhle, dessen Hohlräume sich in den vergangenen Jahren immer mehr vergrößert haben. In der Nähe liegt ein vergitterter Abfluss. „Der Teer hängt schon frei, da kann man jederzeit einbrechen“, sagt Andreas Kolarik, Entdecker der Höhle und Vorsitzender des Naturhistorischen Vereins Hönnetal. Die Stadt will die Straße sanieren. Aufgrund der besonderen Situation könnte dies aber dauern.

Hemeraner Höhlenwelten

Mitte Dezember soll die Straße aufgerissen werden, so zumindest der Plan. „Dann kommt es natürlich auf das Wetter an“, sagt Tobias Fälker vom Fachdienst Verkehrsplanung und Straßenbau. Ein Geophysiker hat die ersten 300 Meter des Klusensteiner Wegs schon mit einem Geosonar untersucht. Dieser hat einen weiteren Hohlraum unter der Straße entdeckt. Wenn die Stadt schon den Klusensteiner Weg aufreißt, dann sollen alle Hohlräume in Oberflächennähe aufgefüllt werden.

Mit einem Trampelpfad ist nicht vor Weihnachten zu rechnen

Wann die Straße wieder betreten werden darf, kann Tobias Fälker noch nicht sagen. Eine Asphaltschicht könne man bei den vorherrschenden Temperaturen jedenfalls nicht auftragen. Ein Trampelpfad aus Schotter mit einer Sperrung rund um das Loch könnte früher möglich sein. „Vor Weihnachten wird das aber nichts“, erklärt der Leiter des Fachdienstes Verkehrsplanung und Straßenbau. Und auch dabei könnte das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen.

Damit das Oberflächenwasser besser abfließen kann und die Straße nicht unterspült wird, soll auch der daneben liegende Schacht tiefer nach unten gebohrt werden. Eine Ummauerung aus Beton soll weiterhin Stabilität hereinbringen. Langfristig wünscht sich Fälker, die Entwässerung auf die andere Seite der Straße zu bringen. Aber da müssen Gespräche mit Eigentümern folgen.

Darum hat sich das Loch am Klusensteiner Weg gebildet

Die Bildung des Lochs bzw. des Hohlraums unter der Straße hat mit der Beschaffenheit des Bodens zu tun. Die Kalkböden zwischen Deilinghofen und dem Hönnetal sind teilweise brüchig. „Im Prinzip sieht es so aus wie im Felsenmeer, nur dass sich eben Lehmschichten darüber befinden“, sagt Höhlenforscher Andreas Kolarik. Mehrere Einbrüche hat es in der Vergangenheit gegeben. In den 80er-Jahren sackte zum Beispiel plötzlich der Boden in einem Umkreis von rund zehn Metern in einem Acker nahe Brockhausen ab. Der Boden war unterspült. Darunter befand sich das Höhlensystem „Brockloch“.

Keine Gefahr für Brockhausen

Laut Stadt müssen sich Anwohner in Brockhausen keine Sorgen machen, dass der Boden plötzlich aufbricht. Die Grundstücke stehen – bis auf wenige Ausnahmen – auf solidem Fels.

Anders als die Lehm- und Kalkböden zwischen Deilinghofen und Hönnetal festigt die Grauwacke, so der Name des Gesteins, den Untergrund. Es handelt sich dabei um graue bis grüngraue Sandsteine mit einem hohen Anteil an Feldspat und Matrix.

2019 hatte Kolarik eine Höhle am Klusensteiner Weg entdeckt. Vermessungsarbeiten mit der ArGe Höhle und Karst und dem AK Kluterthöhle Ennepetal folgten im Jahr 2022. Damals hatten die Forscher nicht damit gerechnet, dass die Straße dadurch einsturzgefährdet werden könnte. Die Forscher gingen von festem Fels aus.

Trockene Jahre und Nagendes Wasser

Kolarik sieht die trockenen Jahre als einen Grund für die weiteren Aushöhlungen unter der Straße an. „Wenn Lehm austrocknet, dann zieht er sich zusammen“, beschreibt es der Höhlenforscher. Wenn dann Regenwasser dazukomme, bilde sich ein glatter Film auf dem Lehm. Der Lehm saugt sich damit voll und wird schwerer. Das können die darunterliegenden Schichten irgendwann nicht mehr aushalten – und brechen runter.

„Auch das Wasser nagt beständig von unten“, nennt Heinz-Werner Weber, Vorstandssprecher der ArGe Höhle und Karst, einen weiteren Grund. Über eine Bachschwinde fließt das Wasser in den unterirdischen Hohlraum. Damit die Wassermassen woanders abfließen konnten, wurde in der Nähe auch ein Abfluss mit Gitterlauf eingesetzt. Jedoch waren die Regenfälle in der vergangenen Zeit so stark und beständig, dass sich das Wasser einen eigenen Weg gesucht hat.

Sattelschlepper fahren über tonnenbeschränkte Straßen

Aufgefallen sind Heinz-Werner Weber auch die Holztransporter und Sattelschlepper, die in der Vergangenheit den Klusensteiner Weg und den Neuen Weg heraufgefahren sind. Eben aufgrund der Bodensituation sind die Straßen Tonnen-beschränkt. „Daran hält sich aber keiner“, sagt Weber. Erste Sperrungen am Klusensteiner Weg hätten einige Fahrzeuge noch nicht einmal aufgehalten. „Die sind dann über den Acker gefahren“, so der Sprecher der ArGe Höhle und Karst. Erst nach breiteren Absperrungen hätten die Fahrzeuge keine Chance mehr. Die Sperrung der Hönnetalstraße im Ortskern Deilinghofen verschärft die Situation.

Einen Erdfall in der Nähe von Brockhausen gab es 1982 am Neuen Weg.
Einen Erdfall in der Nähe von Brockhausen gab es 1982 am Neuen Weg. © ArGe Höhle und Karst | Dirk Hellmann/Archiv

Heinz-Werner Weber kann sich einen ähnlichen Fall am Neuen Weg im Jahr 1982 erinnern. „Da hing die Teerdecke auch in der Luft“, beschreibt er. Halbkreisförmig wurde eine Drainage gelegt. Ein großer Erdbohrer grub senkrecht einen Schacht für ein Rohr, was senkrecht in den Boden eingeführt wurde. So konnte das Wasser abfließen. Danach wurde die Straße aufgefüllt.

Nach dem Erdfall 1982 gab es eine Bohrung am Neuen Weg nahe Brockhausen. 
Nach dem Erdfall 1982 gab es eine Bohrung am Neuen Weg nahe Brockhausen.  © ArGe Höhle und Karst | Eberhard Thomas/Archiv