Hemer. Rund 500 Teilnehmer haben sich laut Polizei am Samstag bei der Demonstration „Hemer steht auf“ des Friedensbündnisses positioniert.

Plakate, Flaggen und Transparente schwimmen auf einem Meer aus Menschen. „Braune Flaschen gehören ins Altglas“ ist auf einem bierförmigen Plakat zu erkennen. „Unsere Geschichte darf sich nicht wiederholen“, mahnt eine andere Aufschrift. Regenschirme der Gruppe „Omas gegen Rechts“ werden hochgehalten, die evangelische Gemeinde zeigt mit einem großen Transparent Präsenz, Regenbogen- und Europaflaggen wehen im Wind. Rund 500 Teilnehmer haben sich laut Polizei am Samstag auf dem Hademareplatz an der Demonstration „Hemer steht auf“ vom Friedensbündnis Hemer beteiligt. Ihre Ideen zum Kampf gegen Rechts haben einige Redner bei der Kundgebung präsentiert.

„Hemer ist aufgestanden, Hemer ist bunt“, meldete sich gleich zu Anfang Katja Schönenberg vom Friedensbündnis Hemer zu Wort. Sie dankte allen Teilnehmern, dass „sie Haltung zeigen und wir hier zusammenstehen.“ Es sei wichtig, die Vergangenheit nicht zu vergessen. Eine demokratische Gesellschaft könne verschiedene Meinungen aushalten, stelle sich aber gegen rechtsradikales Gedankengut. Mittlerweile sei der Punkt gekommen, dass die schweigende Mehrheit nicht länger zuschauen dürfe.

Einmischen statt Protestwahl

„Unsere Demokratie ist wehrhaft“, erklärte auch Thomas Krüger vom Friedensbündnis. Er plädierte dafür, zur Wahl zu gehen. In diesem Jahr zur Europawahl am 9. Juni, und im kommenden Jahr 2025 zur Bundestags- und Kommunalwahl. „Wählt eine demokratische Partei, welche es auch immer sein wird“, forderte er.

Mitorganisatorin Katja Schönenberg mahnte, die Vergangenheit nicht zu vergessen. Am Karnevalssonntag präsentierte sie sich wie viele Teilnehmer der Demonstration mit bunter Frisur.
Mitorganisatorin Katja Schönenberg mahnte, die Vergangenheit nicht zu vergessen. Am Karnevalssonntag präsentierte sie sich wie viele Teilnehmer der Demonstration mit bunter Frisur. © Jana Haase | Jana Haase

„Für Rechtsextremismus ist in Hemer kein Platz“, positionierte sich auch Bürgermeister Christian Schweitzer. Im Angesicht der deutschen Geschichte und den Gräueltaten des NS-Regimes sei es jeden Tag im Jahr wichtig, für die Demokratie einzustehen. Er plädierte ebenfalls dafür, zur Wahl zu gehen. Anstatt aus Protest rechte Parteien zu wählen, könne man sich einbringen. Veränderungen herbeiführen könne man zum Beispiel mit Bürgeranträgen. Das Gespräch suchen könne man bei den regelmäßigen Bürgermeistersprechstunden.

Mit einer Telefonkette gegen Neonazis

„Mache Demokratie zu deinem Hobby“, zitierte Sven Schau vom Friedensbündnis eine Berliner Demonstrantin. Rassistischen und menschenverachtenden Sprüchen solle man deutlich, aber ohne Hass widersprechen. Mit anderen Blickwinkeln, Informationen und Verweis auf das Grundgesetz könne man auch Stellung in den „teils asozialen Netzwerken“ beziehen. Zu den Plänen der AfD zur „Remigration“ sagte er: „Wir sind ein Einwanderungsland und müssen deshalb attraktiv für Menschen sein, die aus anderen Ländern in der Welt zu uns kommen, um uns mit ihrer Arbeitskraft zu helfen.“

Die Teilnehmer kamen zahlreich mit Plakaten und Bannern zu der Demonstration.
Die Teilnehmer kamen zahlreich mit Plakaten und Bannern zu der Demonstration. © Jana Haase | Jana Haase

Der aus Menden stammende und nun in Hemer ansässige Uwe Sorber blickte auf eine Aktion vor rund 35 Jahren zurück. Dabei wurde eine rechte Gruppe aus Neonazis mit friedlichen Mitteln zurückgedrängt. Man habe eine Telefonkette gebildet und habe dann gegenüber den Neonazis Präsenz gezeigt. „Die müssen Angst vor uns haben und nicht wir vor ihnen“, erklärte er dazu. Auch weitere Redner meldeten sich. Unter anderem stellte Pfarrerin Gaby Bach fest, dass die Grenze, was Demokratie aushalten kann, überschritten sei und man nun Flagge zeigen müsse. Ruth Ueberfeld betonte: „Von mir aus wählen sie die CSU, nur dass sie mir nicht die AfD wählen.“

„Die Würde des Menschen und nicht nur des deutschen Menschen ist unantastbar“, ergänzte Katja Schönenberg. Teil der Demo war auch ein Lied aus dem Warschauer Ghetto des 1942 im Vernichtungslager Treblinka gestorbenen David Eisenstadt, das von der Sängerin Petra Sichinger-Losch vorgetragen wurde. Mit dem Friedenslied „We shall overcome“ schloss die Demonstration.