Parteitag

Auf dem Weg zur Geisterstadt oder Smart-City?

Der neuformierte Vorstand der FDP Hemer geht mit viel Optimismus in das neue Jahr:  (vorn v.li.) Monika von Reppert, Andrea Lipproß, Arne Hermann Stopsack, Eva Thielen, (hinten v.li.) Klaus Hoffmann, Herbert Schulte, Peter Brand, Björn Zappe und Bernd Bohm. Es fehlen Ina Drews und Dr. Gerd Rosenkranz, die am Montag verhindert waren.

Foto: Reinhard Köster

Der neuformierte Vorstand der FDP Hemer geht mit viel Optimismus in das neue Jahr: (vorn v.li.) Monika von Reppert, Andrea Lipproß, Arne Hermann Stopsack, Eva Thielen, (hinten v.li.) Klaus Hoffmann, Herbert Schulte, Peter Brand, Björn Zappe und Bernd Bohm. Es fehlen Ina Drews und Dr. Gerd Rosenkranz, die am Montag verhindert waren.

Hemer.   Auf ihrem Ortsparteitag hat die FDP Hemer Bilanz gezogen und weitere kommunalpolitische Aufgabenstellungen benannt.

Eine Nabelschau auf die Interna, ein Blick auf die Politik in Hemer aber auch über die Stadtgrenze hinaus auf die Landes- und Bundespolitik hat den Parteitag der FDP Hemer am Montag in der Gaststätte „Im Bräucken“ gekennzeichnet. Und auf allen Ebenen sehen die heimischen Liberalen die Partei im Aufwind, auch angesichts des Scheiterns der Jamaika-Sondierungen in Berlin. Allerdings räumte die Ortsverbandsvorsitzende Andrea Lipproß in ihrem Jahresbericht ein, dass die Gründe für den Abbruch der Verhandlungen durch die FDP vielen Menschen nicht wirklich bekannt seien. „Es gibt da immer noch viel Erklärungsbedarf für die Basis, wo offenbar viele noch sauer sind“, stellte Andrea Lipproß fest.

Nach einem arbeitsintensiven Jahr 2017 mit zwei Wahlen freue sie sich eigentlich auf ein ruhigeres 2018, sagte die FDP-Chefin. Aber es sei ja nicht auszuschließen, dass es in diesem Jahr doch noch eine weitere Bundestagswahl gebe. Andrea Lipproß: „Wenn ich Angela Merkel wäre, würde ich für zwei Jahre eine Minderheitsregierung führen, in Ruhe einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin aufbauen und dann vorzeitige Neuwahlen anstreben.“

Der Fraktionsvorsitzende Arne Hermann Stopsack machte für die Kommunalpolitik „Rückenwind aus Düsseldorf“ aus. Die neue schwarz-gelbe Landesregierung habe mit der deutlich erhöhten Unterstützung der Kindertageseinrichtungen, der Krankenhäuser, des Denkmalschutzes, der Kulturförderung, der Förderschulen und nicht zuletzt dem Entfesselungspaket beim Tariftreue- und Vergabegesetz bereits deutliche Zeichen gesetzt.

Zusammenarbeit mit Verwaltung verbessert

Die Politik in Hemer sei im vergangenen Jahr durch fünf Themen – Haushalt, Personalentwicklung der Verwaltung, Verwaltungsstruktur, Brandschutz und Umbau des alten Amtshauses – geprägt gewesen. Die Zusammenarbeit zwischen Bürgermeister, Verwaltung sowie dem Rat und den Ausschüssen sei dabei weitaus besser gewesen, als zuvor. In allen Themen sei viel Positives erreicht worden, wenn es auch noch viel zu tun gebe, so Arne Hermann Stopsack.

Der Fraktionsvorsitzende sieht aber weitere große Herausforderungen, vor denen die Stadt Hemer steht. Eine davon seien die zunehmenden Leerstände von Geschäftslokalen in der Innenstadt. Hemer entwickele sich zu einer Geisterstadt, so Stopsack. Er äußerte aber erhebliche Zweifel, dass die traditionelle Einkaufsmeile mit Geschäften entlang der Hauptstraße von der B7-Kreuzung bis zur Feuerwache zukunftsträchtig sei. „Wir müssen über neue Strukturen nachdenken und auf das veränderte Verhalten der Menschen reagieren.“ Wichtig sei es dabei auch, Hemer als digitale „Smart-City“ weiter zu entwickeln. „Es gibt zwar seit ein paar Jahren eine Hemer-App, aber wenn man da reinguckt, findet man – nichts!“, beklagte Stopsack die mangelnde Pflege dieses Online-Angebotes. Defizite erkennt er in diesem Bereich auch beim Sauerlandpark, auf dessen Homepage nicht einmal die Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen von Dauerkarten verständlich erklärt seien. Den Aufbau eine Hemer-Wiki zur Information der Bürger und auswärtigen Gäste sei eventuell eine Chance zur digitalen Aufwertung.

Dringenden Nachholbedarf sieht Arne Hermann Stopsack auch bei der Förderung des Tagestourismus: „Wo bleibt da eigentlich das Konzept, dessen Aufstellung der Rat längst beschlossen hat?“

Unabhängig von der FDP hofft deren Fraktionschef, dass sich mehr Menschen gerade auch in der Politik ehrenamtlich engagieren. Angesichts der Diskussionen in den sozialen Netzwerken sei es zu befürchten, dass die „Meckerer“ die Oberhand gewinnen, die jeden und jedes öffentlich für blöd erklären, ohne selber etwas zu tun.

Der Vorstand der FDP Hemer jedenfalls ist im vergangenen Jahr sehr aktiv gewesen, wie der Bericht von Andrea Lipproß aufgezeigte. So war die einstimmige Wiederwahl der Vorsitzenden ebenso Formsache, wie ihrer beiden gleichberechtigten Stellvertreter Eva Thielen und Herbert Schulte. Schatzmeister bleibt Björn Zappe, der in seinem Bericht trotz des zweifachen Wahljahres ein Kassen-Plus – wenn auch nur in einstelliger Höhe – melden konnte. Als Schriftführerin wurde Monika von Reppert ohne Gegenstimme bestätigt. Neue Gesichter gibt es in der Reihe der fünf Beisitzerinnen und Beisitzer, da sich Silke Schulenburg, Jörg Einsiedel und Marc Degenhardt nicht wieder zur Wahl stellten. Sie wurden einstimmig durch Bernd Bohm, Peter Brand und Ina Drews ersetzt, Klaus Hoffmann und Dr. Gerd Rosenkranz wurden als Beisitzer wiedergewählt.

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