Feuerwehr

Aus der Feuerwehrkluft in den weißen Kittel

Anne Goldstein war viele Jahre bei der hauptamtlichen Feuerwehr. Die Leidenschaft zur Feuerwehr teilt sie mit ihrem Mann Christoph und ihrem Sohn Lukas.. 

Anne Goldstein war viele Jahre bei der hauptamtlichen Feuerwehr. Die Leidenschaft zur Feuerwehr teilt sie mit ihrem Mann Christoph und ihrem Sohn Lukas.. 

Foto: Carmen Ahlers

Hemer.  Viele Jahre war Anne Goldstein im Hauptberuf Feuerwehrfrau, bis sie gemerkt hat, dass sie den Menschen noch mehr helfen möchte und Ärztin wird.

Schnell springt Anne Goldstein in ihre Feuerwehr-Kluft, gelernt ist gelernt. Sie gehörte 1999 zu den ersten Frauen bei der Feuerwehr. „Ein Traumberuf“, sagt die heute 41-Jährige, die sich dann aber entschieden hat, Medizin zu studieren, um Ärztin zu werden. Heute ist die Mutter dreier Kinder aber noch in der Freiwilligen Feuerwehr bei der Löschgruppe Landhausen aktiv. Und es dreht sich immer noch sehr viel um das Thema Feuerwehr. Denn ihr Lebensgefährte Christoph Geltch ist hauptamtlicher Feuerwehrmann in Hemer, und der älteste Sohn Lukas ist schon in der heimischen Jugendfeuerwehr aktiv.

Eine der ersten Frauenbei der Feuerwehr

Mit 14 Jahren schließt sich Anne Goldstein der Jugendfeuerwehr in Ahlen an und wechselt mit 17 Jahren in der selben Stadt zur Freiwilligen Feuerwehr. 1999 fängt sie bei der Berufsfeuerwehr Bremen an. 2001 folgt der Wechsel nach Hemer, wo sie nicht nur beruflich, sondern auch privat ankommt. Auf der Wache lernt sie Christoph Geltch kennen, die beiden werden ein Paar und sind heute Eltern dreier Kinder. Anne gehört zur Wachabteilung 1, Christoph zur Wachabteilung 2, beide arbeiten im 24-Stunden-Schichtdienst. „Das war sehr lustig, denn wenn wir morgens auf der Wache Übergabe gemacht haben, kam erst die dienstliche und dann die private. Da wurde geklärt, was zu Hause zu tun ist“, erzählt Anne Goldstein. Das Paar hat seinen Alltag gut geregelt, denn schließlich sind beide damals nur jeden dritten Tag zusammen zu Hause.

Irgendwann geht Anne Goldstein in Elternzeit und beschließt, an der Ruhr-Uni Bochum Medizin zu studieren. „Das habe ich trotz kleiner Kinder in der Regelzeit durchgezogen“, ist die Hemeranerin stolz. Heute ist sie Assistenzärztin in der Viszeralchirurgie in der Paracelsus-Klinik.

Wann kam der Zeitpunkt, dass sich die Oberbrandmeisterin dazu entschied, die Feuerwehr zu verlassen? „Ich habe im Rettungsdienst immer wieder gemerkt, dass ich mehr für die Patienten tun möchte“, sagt sie. Das sei eigentlich der ausschlaggebende Gedanke gewesen, auch wenn ihr der Dienst bei der Feuerwehr immer sehr gut gefallen hat. Eine technisch anspruchsvolle Arbeit, viel Spaß im gesamten Feuerwehrteam und jeden Tag etwas Neues an Herausforderungen nennt Anne Goldstein die Dinge, die ihr besonders gut gefallen haben. Diese Vorteile sieht auch Oberbrandmeister Christoph Geltch. Schlimme Erlebnisse sind für beide vor allem Einsätze, bei denen Kinder verletzt werden oder sogar sterben. „Da bleiben die Bilder schonmal im Kopf, das ist extrem belastend“, sagt Christoph Geltch, der aber auch viele schöne Einsätze benennen kann. „Schön ist es auch, wenn wir in schlimmen Situationen einfach helfen können.“ „Die Mühlen der Verwaltung, die haben mich allerdings genervt“, so seine Lebensgefährtin, „denn die mahlen oft wirklich sehr langsam!“

Christoph Geltch ist gelernter Zimmermann. Durch den Wechsel zur Feuerwehr hat er sein früheres Hobby zum Beruf gemacht. „Und bei mir ist es jetzt genau andersrum. Ich bin Ärztin, und die Freiwillige Feuerwehr ist mein Hobby“, sagt Anne Goldstein.

Beide freut es, dass der 14-jährige Lukas schon vor vier Jahren zur Freiwilligen Feuerwehr gegangen ist und den Sinn dieser Freizeitbeschäftigung erkannt hat. Und vielleicht wird Lukas ja auch als hauptamtlicher Feuerwehrmann auf der Hemeraner Wache beginnen.

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