Hospizkreis

Beistand auf dem letzten Stück des Lebenswegs

Sigrid und Horst Schönenberg gehörten zu denen, die sich  nicht nur eine  Waffel gönnten, sondern mit Jörg Beckmann, Doris Kristeller, und Markus Falk (v.r.) in durchaus entspannter Weise über ein erstes Thema sprachen.

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Sigrid und Horst Schönenberg gehörten zu denen, die sich nicht nur eine Waffel gönnten, sondern mit Jörg Beckmann, Doris Kristeller, und Markus Falk (v.r.) in durchaus entspannter Weise über ein erstes Thema sprachen. Foto: IKZ

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Hemer.  Welthospiztag? Viele Menschen werden überhaupt nicht registriert haben, dass dieser am Samstag begangen worden ist. Ebenso wie viele Zeitgenossen die letzte Phase des Lebens unmittelbar vor dem Tod verdrängen, bis Angehörige oder sie selbst plötzlich mit dem Unabwendbaren konfrontiert werden. Zu denen, die dann Beistand gewähren, gehört der Ambulante Hospizkreises Hemer, der sich und seine selbstgestellten Aufgaben am Samstag an einem Stand auf dem Wochenmarkt vorstellte.

Der Duft von frischen Waffeln lockt immer wieder Marktbesucher an. Sie lassen pro Stück nicht nur einen Euro in die Kasse des gemeinnützigen Vereins wandern, sondern senken auch die Schwelle zum Gespräch über ein Thema, das vielfach immer noch ein Tabu. Doch die über 70 Mitglieder des Hospizkreises wissen, dass der Bedarf an solchen Einrichtungen in einer sich zunehmend individualisierenden Gesellschaft zunimmt. Großfamilien, die in einem Haus oder in unmittelbare Nachbarschaft zusammenleben, gibt es immer weniger. Viele alte Menschen sind am Ende ihres Weges ganz allein oder gehen ihn in Pflegeheimen. Und wo es noch Angehörige gibt, die den Sterbenden in den letzten Wochen und Tagen zur Seite stehen, geraten diese selbst an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit.

Die speziell ausgebildeten derzeit 15 Sterbebegleiterinnen des Hemeraner Hospizkreises sind dann zur Stelle. Sie leisten zwar keine körperliche Pflege und Betreuung, versuchen aber die Lücken zu schließen, die professionelle oder angehörige Pflegekräfte irgendwann nicht mehr ausfüllen können. Vor allem nehmen sie sich Zeit im Kontakt mit den Sterbenskranken und ihren Angehörigen. Jörg Beckmann, Vorstandsmitglied des Hospizkreises: „Sterbebegleitung kann vieles sein. Zuhören, Reden, die Hand halten, Trost spenden oder auch den Menschen dabei helfen, sich mit sich selbst oder anderen auszusöhnen.“ Jörg Beckmann, weiß wovon er redet. Lange hat er selbst als Sterbebegleiter gearbeitet. Als einer von ganz wenigen Männern unter Frauen, die offenbar weit häufiger bereit sind, diese mitunter schwere Last und Verantwortung auf sich zu nehmen.

„Manchmal gerät man selbst ans Ende seiner Kräfte“

„Manchmal gerät man selbst an das Ende seiner Kräfte“, gibt Jörg Beckmann zu. Dann muss sich auch eine noch so engagierte Sterbebegleitung eine Auszeit nehmen, um die manchmal aufwühlenden Erfahrungen zu verarbeiten. Auf der anderen Seite steht die befriedigende Erkenntnis, wirkliche Hilfe geleistet zu haben. Und auch das Miteinander mit den Todgeweihten kann sogar Freude auslösen. „Es wird auch viel gemeinsam gelacht, gerade bei der Erinnerung an die vielen schönen Momente im Leben“, so Jörg Beckmann.

Sterbebegleitung ist nicht alles, was der Hospizkreis anbietet. Da ist zum Beispiel noch das Trauercafé, das am letzten Sonntag im Monat zumeist im Pfarrheim an der Christkönig-Kirche allen offen steht, die nach dem Tod eines Angehörigen in ein Loch fallen und selbst wieder zu sich selbst finden müssen. Und da lehrt die Erfahrung, dass das Gespräch mit Menschen, die diese Gefühle kennen und sogar teilen, eine große Stütze sein kann.

Weiter kümmert sich der Hospizkreis auch um würdige Bestattungen, wenn keine Freunde oder Verwandten gibt, die das erledigen. Das reicht von der Gestaltung einer Trauerfeier bis hin zur Beisetzung auf der Wildblumenwiese des Waldfriedhofes. Über diesen Zweig der Hospizarbeit ist auch Markus Falk, hauptamtlicher Verwalter der städtischen Friedhöfe, zum Kreis der Ehrenamtlichen gestoßen, deren Engagement ihn tief beeindruckt hat. Falk ist mittlerweile nicht nur Vorstandsmitglied, sondern gehörte auch zu denen, die am Samstag am Stand ihre Freizeit opferten.

Öffentlichkeitsarbeit ist für den Hospizkreis in doppeltem Sinne von Bedeutung. Einmal sollen wie gesagt der Verein bekannt gemacht und neue Mitglieder und Förderer geworben werden, darüber hinaus aber soll der Mantel des Schweigens, der so gern über die Themen Sterben gehängt wird, gelüftet werden. Da setzt der Hospizkreis schon in den Schulen an. So hat er im Rahmen der jüngsten Projektwoche des Gymnasiums die Fahrt einer Klasse zum Museum für Sepukralkultur in Kassel organisiert und bezuschusst. Diese in Deutschland einmalige Einrichtung versucht durch seine Ausstellung, sowohl das Stetige als auch die Veränderungen im Umgang mit Tod und Sterben zu dokumentieren.

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