Konzert

Besinnliches und atemberaubendes Konzert

Anthony Ilenio Lauber (Gitarre) und Emanuel Roch (Klavier) gastierten auf Einladung der Sparkassen-Stiftung im Jugend- und Kulturzentrum.

Anthony Ilenio Lauber (Gitarre) und Emanuel Roch (Klavier) gastierten auf Einladung der Sparkassen-Stiftung im Jugend- und Kulturzentrum.

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Hemer.  Anthony Ilenio Lauber und Emanuel Roch bereiteten den Gästen einen ganz besonderen musikalischen Abend.

Die Förderung musikalischer Nachwuchstalente hat sich die Werner Richard-Dr. Carl Dörken Stiftung unter anderem durch die Vergabe von Stipendien auf die Fahnen geschrieben. Zusammen mit der Stiftung der Sparkasse Märkisches Sauerland, dem Kulturbüro der Stadt und dem Förderverein der Musikschule hatten sie zu einem beeindruckenden Konzert zweier Stipendiaten in das Jugend- und Kulturzentrum eingeladen. Besinnliches aber auch Atemberaubendes stand auf dem Programm und die Freunde der Konzertgitarre und anspruchsvoller Klavierliteratur kamen vollends auf ihre Kosten.

Eine beeindruckende Konzertlaufbahn

Anthony Ilenio Lauber ist erst 26 Jahre alt, hat aber bereits eine beeindruckende Konzertlaufbahn auf der Gitarre vorzuweisen. Mit vier „Pièces“, also kleinen Stücken, von Gaspar Sanz, einem spanischen Barockkomponisten und Gitarristen, eröffnete Lauber das Konzertprogramm und arbeitete sowohl die spanisch-folkloristischen Elemente wie auch die Wesensmerkmale des Barock einfühlsam heraus. Wenig bekannt, obwohl er ein äußerst umfangreiches Gesamtwerk geschaffen hat, ist Alexandre Tansman, ein Freund Igor Strawinskys und von diesem auch stark beeinflusst.

Anthony Lauber spielte Tansmans Cavatina, eine Suiten ähnliche Folge von Tänzen, die einerseits kapriziös und verspielt, anderseits wieder kraftvoll voranschreitend oder sogar melodiös anmutig daherkam und dabei auf relativ traditionellen Harmonien mit neuen Akzenten aufbaute.

Giulliani gilt als Mozart der Gitarre

Der italienische Komponist der Klassik, Mauro Giulliani, gilt als der Mozart der Gitarre und hatte mit den „Rossinianas“ einen Zyklus aufgelegt, der sich auf Melodien seines damaligen Zeitgenossen Rossini bezieht und diese für Gitarre variiert. Auch hier erwies sich Anthony Lauber, wie in den Beiträgen vorher, als Könner auf seinem Instrument, der es mit viel Gefühl für dynamische und agogische Entwicklungsprozesse versteht, die Kompositionen verschiedener Zeitepochen den Zuhörern authentisch nahezubringen.

Wenn ein junges Nachwuchstalent wie Emanuel Roch sich in einem Programm drei der herausforderndsten und „härtesten Brocken“ der Klavierliteratur, bezogen sowohl auf die technischen Anforderungen als auch auf die notwendige interpretatorische Tiefe, vornimmt, dann zeugt dies von viel Selbstbewusstsein und bedeutet eine riesige Herausforderung. Emanuel Roch hatte diese Herausforderung angenommen – und grandios bewältigt. Es geht ja bei der „Waldstein Sonate“ von Ludwig van Beethoven nicht nur um das rein technische Abhaken der perlenden Läufe des ersten oder die Bewältigung des lyrischen Schwungs und der Kraft des dritten Satzes. Auch der zweite Satz „Adagio molto“ stellt Anforderungen, nicht an die Technik, aber umso mehr an die interpretatorische Reife des Pianisten.

Die Stadt Wien undWalzerwelt beschrieben

Das zweite Highlight, die Komposition „La Valse“, bekam Maurice Ravel 1919 als Auftrag, um die Stadt Wien und seine Walzerwelt zu beschreiben. Es entstand ein Werk, zunächst für großes Orchester, das die Zerrissenheit zwischen der Nachkriegszeit und dem Wien beschwingter Walzerlaunen widerspiegelt. Ist es nun eine Parodie oder doch eher die Huldigung eines französischen Komponisten an die Stadt Wien? Es ist zumindest ein Stück, das in der als sehr schwierig geltenden Klavierfassung mit seiner gewaltigen Klangentfaltung, den rasanten Tempi und den manchmal düster verpackten, aber auch hellleuchtenden Walzermelodien einfach nur faszinieren kann. Die Ballade in g-moll von Frederik Chopin weist eben solche radikale Wechsel zwischen epischen, lyrischen aber auch dramatischen Sequenzen auf und fordert die ganze Aufmerksamkeit des Pianisten. Emanuel Roch meisterte all diese Anforderung mit großer Bravour, virtuoser Technik, angemessenen Tempi und ausbalancierten interpretatorischen Ausdrucksnuancen. Eine bewundernswerte Leistung!

Die Zuhörer freuten sich über ein kurzweiliges und anregendes Konzert und bedankten sich bei Künstlern und Veranstaltern mit herzlichem Applaus. „Die kommen nochmal groß raus“, zog eine Zuschauerin ihr persönliches Fazit.

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