Persönliche Erklärung des Bürgermeisters

Betonturm aus Naturschutzgründen nicht realisierbar

Foto: IKZ

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Hemer. Die Bürgerkritik am Siegerplan für den Jübergturm ist vernichtend. Bürgermeister Esken sah sich am Mittwoch zu einer persönlichen Erklärung gezwungen und schlägt eine Alternativlösung vor.

Er geht davon aus, dass der Betonturm aus Gründen des Naturschutzes so nicht realisiert werden darf. Den Sparkassenvorstand hat er aufgefordert, nach Alternativen zu suchen. In der Stellungnahme des Bürgermeisters heißt es: „Ich möchte eingangs dieser persönlichen Erklärung vorausschicken, dass ich stolz darauf bin, dass wir Hemeranerinnen und Hemeraner den Zuschlag für die Landesgar-tenschau 2010 erhalten haben. Genauso stolz bin ich darauf, dass wir eine eigenstän-dige Stadtsparkasse haben, die erfolgreich das gesellschaftliche Leben in der Stadt begleitet. Dank dieses hohen gesellschaftlichen Engagements ist es in Hemer möglich, ein Projekt wie den Jübergturm zu realisieren.

Unsere Landesgartenschau bietet für die Stadt Entwicklungspotenziale, die es so bisher nie gegeben hat. Mit erheblichen städtischen Finanzmitteln und viel Geld aus Düsseldorf und Europa bauen wir für uns alle nicht nur die Landesgartenschau, sondern auch unsere Stadt neu bzw. um. Es ärgert mich daher riesig, dass nunmehr eine Turmdetailplanung - ein Mosaikstein in der Landesgartenschau - ein Licht bzw. wohl eher einen Schatten auf die Landesgartenschau und die Stadtentwicklung wirft. Es ist besser, wir behalten das große Ganze im Auge und verfallen nicht in Klein-Klein. Aus der bisherigen Berichterstattung in den Medien wurde deutlich, dass ich mit dem Siegerentwurf meine Bauchschmerzen hatte und auch leider immer noch habe. Es geht dabei nicht um die sicherlich anerkennenswerten Architektenleistungen, über die man immer vortrefflich diskutieren kann, sondern es geht um die Frage, ob der Turm aus Beton in den Ausmaßen des Siegerentwurfes überhaupt auf den Jüberg passt. Wir im Rathaus diskutieren tagtäglich über Naturbelange: Jeder Zentimeter Natur wird abgewogen, da wir eine ökologische Landesgartenschau wünschen, die im Einklang mit Natur und Umweltschutz und Stadtentwicklung steht. Es hat deshalb für mich von Anfang an wenig Sinn gemacht, einen Turm aus Beton in so großen Ausmaßen zu bauen. Hierzu kommen die Vorbehalte, die wir in Hemer ohnehin wegen der zahlreichen Betonbauten haben. Zum zielorientierten Handeln eines Bürgermeisters gehört es auch, das Machbare durchzusetzen. Nur in der jetzt vorliegenden Rangfolge der Preisträger war es möglich, einen innerhalb der Jury anerkannten und demokratischen Beschluss zu fassen. Mit diesem Ergebnis wurde die Chance eröffnet, möglicherweise einen anderen Entwurf umzusetzen, sofern es mit dem Siegerentwurf aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte. Ich habe somit durch mein Abstimmungsverhalten die Tür für Alternativen geöffnet, die ich nach wie vor sehe.

Die unzähligen Anrufe und persönlichen Gespräche nach der Veröffentlichung der Ent-würfe haben mich in meiner Meinung gestärkt, dass es richtig war, eine Hintertür für andere Entwürfe offen zu halten. Ich selbst habe mir dann die Zeit genommen, einige Nächte darüber zu schlafen und die offenkundigen Meinungen der Hemeranerinnnen und Hemeraner für mich persönlich zu bewerten. Letztendlich habe ich mich dazu entschieden, meinem Bauchgefühl aus der Jurysitzung zu folgen und nunmehr zum Ge-genstand meines weiteren rationalen Handelns zu machen. Das bedeutet, dass ich sehr genau die Umweltauswirkungen des Siegerentwurfes prüfen lasse. Ich gehe derzeit gemeinsam mit Georg Humpert, dem Landschaftswächter des Märkischen Kreises, davon aus, dass der Turm aus Beton so nicht errichtet werden darf, weil die Abwägung zwischen Beton und Natur zu Gunsten der Natur ausfallen muss. Ich habe daher den Vorstand der Sparkasse gebeten, nach Alternativmöglichkeiten der Verwirklichung eines anderen Turmes auf dem Jüberg zu suchen. Denn der Turm auf dem Jüberg ist das i-Tüpfelchen der Landesgartenschau. Sollte ein anderer Turm verwirklicht werden können, so bitte ich dann aber alle nach vorne zu schauen und die Vorteile der Landesgartenschau für die Stadtentwicklung zu sehen. Wir Hemeranerinnen und Hemeraner muten uns in den nächsten Monaten viele Baustellen zu. Aber: Wenn man ein Haus umbaut, in dem man lebt, ist das immer mit Einschränkungen verbunden. Ich bitte insoweit alle meine Mitbürgerinnen und Mitbürger um Geduld bei den Baustellen und Vorfreude auf den Stadtumbau und die Landesgartenschau. Wir sind auf der Zielgeraden! Wir liegen exakt im Zeitplan! Wir sollten nicht lange diskutieren! Wir packen gemeinsam zu!”

Wie nun die Sparkasse-Stiftung als Spender reagiert, ist noch offen. Am Mittwoch kommt das Kuratorium zu einer Sondersitzung zusammen. Nun könnte der zweite Platz mit sechs Pyramidensegmenten zum Tragen kommen. Der Aufstieg auf sechs Aussichtsplattformen ist dort innen und außen möglich.

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