Prozess

Bewährungsstrafe für Sex mit Jugendlicher

Außenansicht des Amtsgerichts Iserlohn

Außenansicht des Amtsgerichts Iserlohn

Foto: HOFBAUER, Katja

Hemer.   Aus einem väterlichem Freund wurde eine Liebesbeziehung mit mittlerweile zwei Schwangerschaften.

Es war nicht der klassische Missbrauchsfall eines Triebtäters, der eine Jugendliche überfallen und vergewaltigt hat, sondern es ging um eine Liebschaft zwischen einer 15-Jährigen und einem 40-jährigen väterlichen Freund, über die das Schöffengericht am Donnerstag zu urteilen hatte. Am Straftatbestand des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen und Jugendlichen änderte dies jedoch nichts.

Schwierige Familienverhältnisse prägten den Prozess vor dem Iserlohner Schöffengericht. Auf der einen Seite war die damals 15-jährige Hemeranerin, die nach etlichen Problemen zu Hause mit Einverständnis der Mutter und des Jugendamtes zur besten, fast gleichaltrigen Freundin zog. Auf der anderen Seite war der geschiedene Vater der Freundin, der bereits für drei bei ihm lebende Kinder die Verantwortung trug.

15-Jährige verliebt sichin 40-Jährigen

Die 15-Jährige verliebte sich nach eigenen Angaben in den 40-Jährigen. Auf anfängliche Küsse folgte ungeschützter Geschlechtsverkehr, durch den die junge Frau schwanger wurde. Die jetzt 18-Jährige erwartet mittlerweile das zweite Kind aus dieser Beziehung. Beide haben sich verlobt, wollen eine Großfamilie mit dann fünf Kindern bilden.

Für Staatsanwaltschaft und Gericht ging es vor allem um die Frage, inwieweit der 40-Jährige die altersbedingte Unreife der Jugendlichen ausgenutzt hat, schließlich hatte sie auf der Flucht aus dem Elternhaus Zuflucht bei der besten Freundin gefunden. Dort habe sie Geborgenheit wahrgenommen. Der Angeklagte sei verantwortlich wie ein Vater und auch in dessen Alter gewesen. In diesem Abhängigkeitsverhältnis habe er durch ungeschützten Geschlechtsverkehr einem „jungen Menschen den Weg verbaut“, warf die Staatsanwaltschaft vor. Die Schülerin habe dadurch die Schule abgebrochen. Sie könne durch ihre geistige Unreife nicht erkennen, dass sie die Geschädigte sei.

Der 40-Jährige zeigte sich vor Gericht umfassend geständig und räumte einen großen Fehler ein. Zu seiner Beziehung steht er jedoch seit drei Jahren, kümmert sich um die Kinder und äußerte sich auch zuversichtlich, dass seine Verlobte nach der zweiten Schwangerschaft Schule und Ausbildung fortsetzen werde.

Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten

Über das Strafmaß für den sexuellen Missbrauch waren sich Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Schöffengericht einig: Der Hemeraner erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Richter Dr. Michael Ozimek redete dem bald fünffachen Vater nochmals ins Gewissen, für seine Großfamilie zu sorgen und sich durch den Bewährungshelfer auch der Lebenshilfe anzunehmen.

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