Justiz

Bewährungsstrafe für Westiger Bombenbastler

In dieser Hütte wurde der Sprengstoff gefunden.

In dieser Hütte wurde der Sprengstoff gefunden.

Foto: Ralf Engel

Hemer.  Vorsitzende Richterin schließt Terrorverdacht oder Aggression gegen die Mutter des Angeklagten aus.

Der Sprengstoffbastler aus Hemer muss nicht ins Gefängnis: Die 6. große Strafkammer des Landgerichts verurteilte den 45-Jährigen gestern wegen des vorsätzlichen Umgangs mit explosionsgefährlichen Stoffen und wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung.

Weil die Mutter des Angeklagten, in deren Gartenhäuschen ein Teil der dort gelagerten Explosivstoffe in die Luft gegangen war, kürzlich verstorben war, nahm der Hemeraner an der letzten Sitzung nicht mehr teil. Die Strafprozessordnung erlaubt eine solche Abwesenheit, wenn der Angeklagte zuvor Gelegenheit hatte, sich zu den Vorwürfen zu äußern. In diesem Fall hatte er seit der Explosion im Gartenhäuschen umfassend mit den Ermittlern und Sprengstoffexperten kooperiert und sich auch vor Gericht ausführlich geäußert.

Nur zu seinem Drogenkonsum hatte er sich nicht äußern wollen und ein Gespräch mit dem psychologischen Gutachter abgelehnt. Das Gericht sah aber keinen Zusammenhang zwischen einem gewissen Drogenproblem des Hemeraners und dem Enthusiasmus, mit dem er in seiner eigenen Wohnung eine Werkstatt zum Herstellen unterschiedlicher Sprengstoffe eingerichtet hatte.

Drogenprobleme hatten nichts mit Sprengstoff-Bastelei zu tun

Auch der psychologische Gutachter hatte eine eher gegenläufige Tendenz ausgemacht. Denn in der Zeit seiner Sprengstoffbasteleien war der Angeklagte in einem Methadon-Programm, das ihm eine gewisse soziale Sicherheit gab. Er bastelte keine Sprengkörper, weil er drogenabhängig gewesen wäre. „Die Drogensucht war keine handlungsleitende Triebkraft bei seinen Aktivitäten“, stellte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt fest. „Es ist nicht anzunehmen, dass er das noch mal macht.“ Die Einweisung in eine geschlossene Drogenentzugsklinik kam deshalb nicht in Frage.

Die Vorsitzende sprach in ihrer Urteilsbegründung von einem „mittleren Chemielabor“ – nicht im Hinblick auf dessen Größe, sondern die dort anzutreffende „Vielfältigkeit der Substanzen“. Der geordnete Zustand dieser Chemikalien habe sich in einem krassen Gegensatz zum Rest der Wohnung befunden.

Gleichwohl sei es ein glücklicher Zufall gewesen, dass bei der Herstellung nichts explodiert war. So hatte es auch der als Zeuge geladene Sprengmeister formuliert. Dem Angeklagten war sein Hobby aber schließlich über den Kopf gewachsen. Die Vorsitzende erinnerte an seine Schilderung vom Umzug der Sprengkörper aus seiner Wohnung in das Gartenhäuschen, wo sie für längere Zeit ruhten.

Für diese Fahrradtransporte hatte der 45-Jährige die erschütterungsempfindlichen Sprengkörper stoßgeschützt verpackt. Die Kammer habe keinerlei Hinweise darauf gefunden, dass sich die Aktivitäten des Angeklagten gegen seine Mutter richteten: „Das Verhältnis war hervorragend. Es ist nicht auch nur ansatzweise vorzustellen, dass er sie gefährden wollte.“ Die Art der Sprengkörper sei auch nicht geeignet gewesen für einen Weiterverkauf – etwa für terroristische Zwecke. Dafür hätten die gefährlichen Dinger mehr Sprengstoff beinhalten müssen.

Wunsch nach Wissen rechtfertigt Experiment nicht

Der Angeklagte habe die Sprengkörper ausschließlich „aus Liebhaberei“ hergestellt. Der Wunsch nach Wissen rechtfertigt aber keine Straftaten im experimentellen Umgang mit solchen Stoffen: „Das darf auch kein Chemieprofessor, der keine Erlaubnis hat“, erklärte die Vorsitzende.

Verteidigerin Julia Kusztelak hob in ihrem Plädoyer das sorgfältige Vorgehen ihres Mandanten hervor und beantragte eine Haftstrafe von einem Jahr und sechs Monaten: „Das ist natürlich nicht vernünftig. Er hat aber versucht, die Gefahr zu minimieren“, sagte die Verteidigerin.

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