Finanzinvestoren

Böse Überraschung für Messingwerk-Beschäftigte in Hemer

Foto: Ralf Engel / Iserlohner Kreisanzeiger und Zeitung

Die neuen Eigentümer des Sundwiger Messingwerks sind aus der Tarifbindung ausgetreten. Über 300 Beschäftigte wollen dagegen kämpfen.

Hemer. Mit Finanzinvestoren war lange Zeit die durch den Grohe-Verkauf und die Streichung von 1000 Jobs ausgelöste „Heuschreckendebatte“ verbunden, jetzt wird die Kritik an Finanzinvestoren neue Nahrung erhalten: Die Deutsche Invest Mittelstand hat für das Sundwiger Messingwerk den Austritt aus der Tarifbindung bekannt gegeben. Mit dieser bösen Überraschung gingen die über Beschäftigten in den Jahreswechsel. Vertrauensbruch, Wortbruch und ein Lügenkonstrukt werden den neuen Eigentümern vorgeworfen. Fortan soll das Unternehmen nur noch sogenanntes „OT-Mitglied“ im Märkischen Arbeitgeberverband sein – das „OT“ steht für „ohne Tarifbindung“.

Im vergangenen Jahr hat die DI Mittelstand den Hemeraner Traditionsbetrieb von der Nürnberger Diehl-Gruppe übernommen. Den Verkaufsprozess habe die IG Metall „wohlwollend begleitet“ berichtet Torsten Kasubke, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Märkischer Kreis. Jetzt reagiert er schockiert: „Nach der Übernahme hat mir der Arbeitgeber versichert, dass sich nichts verändern werde. Dies haben die Verantwortlichen auch gegenüber der Belegschaft so geäußert. Mit einem solchen Wortbruch in den Jahreswechsel einzustimmen, ist schon ein besonderes Stück. Die Beschäftigten haben nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie erlebt, wie wichtig soziale Sicherheit ist. Ein großer Teil der Belegschaft musste zum Beispiel im letzten Jahr in Kurzarbeit gehen. Hier hat der neue Eigentümer die Kolleginnen und Kollegen mit dem Versprechen, dass alles beim Alten bleibe, in Sicherheit gewogen und in diesen für alle schwierigen Zeiten dann hinterrücks den Austritt aus der Tarifbindung vorbereitet. So sieht soziale Verantwortung nicht aus!“

Für die IG Metall war der Tarifbruch von langer Hand vorbereitet. Durch die Verschmelzung mit einer anderen Firma könne das Messingwerk der Nachbindung des Tarifvertrages entgehen. Auch für die Azubis hat das erhebliche Folgen: Ihnen seien wesentlich schlechtere Übernahmeverträge angeboten worden.

Am vergangenen Samstag hat die IG Metall Märkischer Kreis mit den Mitgliedern, die beim Sundwiger Messingwerk beschäftigt sind, eine digitale Mitgliederversammlung durchgeführt. Die Resonanz sei sehr gut gewesen. „Wir lassen uns diese Art des Umgangs nicht gefallen. Wir werden für die Tarifbindung im Sundwiger Messingwerk kämpfen. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben in diesen Zeiten Schutz und Sicherheit verdient!“, fasst Kasubke in einer Pressemitteilung zusammen.

Peter Hagenkord, Betriebsratsvorsitzender beim Sundwiger Messingwerk, zeigt sich enttäuscht: „Gerade wo die Übernahme erst vor kurzem über den Tisch gegangen ist, sind doch vertrauensbildende Maßnahmen zwischen Belegschaft und Unternehmensführung notwendig. Der Austritt aus der Tarifbindung ist ganz sicher keine vertrauensbildende Maßnahme, sondern ein absoluter Fehlstart, der Misstrauen gesät hat. Wir wollen, dass die Tarifverträge der IG Metall auch in Zukunft volle Geltung an unserem Standort behalten.“

Die Beschäftigten des Messingwerkes kämpften in den vergangenen Jahren bei Tarifauseinandersetzungen stets an vorderster Front, gingen auf die Straße. „Wir sind dort sehr gut organisiert“, betont Torsten Kasubke und kündigt einen „sehr entschlossenen Widerstand“ an.

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