Weihnachtsoratorium

Chorklang mit Frische und feiner Dynamik

Die Martin-Luther-Kantorei und das Barockorchester führten das Weihnachtsoratorium in der Ebbergkirche auf.

Die Martin-Luther-Kantorei und das Barockorchester führten das Weihnachtsoratorium in der Ebbergkirche auf.

Foto: Ralf Engel

Hemer.   Die Martin-Luther Kantorei, das Cöllner Barockorchester und verschiedene Solisten freuten sich am Wochenende über lang anhaltenden Applaus.

Wenngleich die evangelischen Kantoreien sich inzwischen auch anderen Weihnachtskompositionen wie jenen von Saent-Saens, Herzogenberg etc. geöffnet haben , so bleibt das „Weihnachtsoratorium“ von J.S. Bach nach wie vor das Maß aller Dinge. Leider schaffen es immer weniger Chöre, den enormen technischen, aber auch stilistisch-musikalischen Anforderungen gewachsen zu sein . Zudem bedarf es hier einer langen, wöchentlich kontinuierlich intensiven Probenarbeit, in welcher das Werk wirklich erst zur nötigen Qualität finden kann – und jene Zeit können und wollen sich immer weniger Chöre nehmen.

Verstärkung durch gut ausgewählte Chorsänger

Die Martin-Luther Kantorei zählt da zum Glück zu den wenigen Ausnahmen und es war schon beeindruckend, wie die Sängerinnen und Sänger dieses einzigartige Werk interpretierten. Gezielt verstärkt durch gut ausgewählte Chorsänger aus der Umgebung präsentierte sich dem Zuhörer ein Chorklang, der an Frische, Beweglichkeit in den Koloraturen, aber auch an feiner Dynamik und präziser, deutlicher Aussprache wirklich nichts zu wünschen übrig ließ. Aber dies kann mit einem Laienchor nur funktionieren, wenn er von einem Profi geführt wird und Maike Pape bewies einmal mehr ihre herausragende Qualität als Chorleiterin. Jedes Chorstück erhielt seinen eigenen Charakter und insbesondere die Gestaltung der Choräle ließ die Gründlichkeit und Intensität der Proben erahnen. Die innige, zurückhaltende, aber doch in einem äußerst präsenten Piano gehaltene Wiedergabe des Chorals „Ich steh an Deiner Krippen hier“ geriet zu einem der heimliche Höhepunkte des Abends. Das Cöllner Barockorchester, verstärkt durch heimische Musiker, musizierte auf historischen Instrumenten, was für die heutzutage romantisch geprägten Hörgewohnheiten zuerst einmal durchaus irritierend ist. Werden diese Instrumente aber auf einem derart hohen technischen Niveau und mit einer solchen Musizierfreude gespielt, so fängt man jedoch schnell an, diesen Klang faszinierend und bereichernd zu finden. Das Solistenquartett hätte nicht besser ausgewählt werden können: Marcus Ullmann, einer der führenden deutschen Bach-Interpreten, erzählte als Evangelist die biblische Geschichte so selbstverständlich, als seien die enormen technischen Anforderungen reine Nebensache. Ohne auch nur einen einzigen Blick in die Noten zu werfen, kommunizierte er mit dem Publikum und nahm es wunderbar mit auf die Reise durch die gesamte Weihnachtsgeschichte. Nebenher hatte Ullmann auch noch teilweise halsbrecherische Arien wie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ zu singen und tat dies mit großer stilistischer Finesse. Altistin Michaela Günther überzeugte einmal mehr mit ihrer klaren, schlank und instrumental geführten Stimme, die sich auch in die Ensembles perfekt einfügte.

Fundierte, sehr präsenteBassstimme

Gerrit Mielke warf all seine Erfahrung in die Waagschale und glänzte mit fundierter, sehr präsenter Bassstimme, die aber auch im Forte immer noch kultiviert blieb. Nadine Sträter als „Hemeraner Pflanze“ genoss sichtlich ihr Heimspiel und verzauberte das Publikum mit ihrer herrlich klaren, wandlungsfähigen Stimme, die nie ins Opernhafte abglitt, aber dennoch besonders beseelt wirkte. Die Arie „Flößt, mein Heiland“ (mit Chorsängerin Nicole Haefs als stimmlich beindruckendes Echo) zählt von jeher zu den beliebtesten und „volkstümlichsten“ Arien Bachs und wurde von Nadine Sträter obendrein noch zu einem besonderen Highlight gemacht.

Den Zuhörern blieb gar nichts anderes übrig, als sich nach dem letzten Ton zu erheben und den Ausführenden zu danken. Man kann sich jetzt schon auf das nächste Konzert der Kantorei freuen und hoffen, dass Johann Sebastian Bach weiterhin ein Teil des Repertoires bleibt.

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