Festnahme

Couragierter Rentner ermöglicht Festnahmen

Das Plakat der Polizei warnt vor Betrügern, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben.

Foto: Martin Gerten

Das Plakat der Polizei warnt vor Betrügern, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben.

Hemer/Iserlohn.   Nach einem über zweistündigen Schauspiel am Telefon klickten bei zwei falschen Polizisten die Handschellen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ein couragierter Rentner hat falschen Polizisten in Hemer das Handwerk gelegt. Bei der Übergabe von Bargeld und Schmuck klickten am Mittwochabend in der Wohnung des 79-Jährigen die Handschellen. „Ich wollte unbedingt, dass sie gefasst werden“, sagt der Hemeraner im exklusiven Gespräch mit der Heimatzeitung zu seiner über zweistündigen Schauspielerei am Telefon. „Das haben wir noch nie erlebt, wie eiskalt sie die abserviert haben“, zeigt sich auch die Polizei erstaunt über die gekonnte Unterstützung.

Seit Wochen werden ältere Hemeraner und Iserlohner meist spät Abends von „falschen Polizisten“ angerufen. In mindestens zwei Fällen händigten Senioren Bargeld und Schmuck zur angeblichen Sicherstellung aus und sahen die Wertsachen nie wieder.

Polizeibeamte wollenWertsachen sicherstellen

Am Mittwoch gegen 21.30 Uhr sollte der 79-Jährige das nächste Opfer sein. Eine Anruferin gab sich als Polizistin aus, ein weiterer Mann am Telefon als Staatsanwalt. Sie berichteten, dass die Polizei bei Einbrechern eine Liste gefunden habe, auf der auch der Name des Hemeraners stehen würde. Die Polizei habe nun die Befürchtung, dass in der Nacht zum Donnerstag Einbrecher in sein Haus einsteigen und sowohl Bargeld als auch Schmuck stehlen würden. So boten die Anrufer an, die Wertsachen noch am gleichen Abend sicherzustellen. Ein Polizeibeamter käme gleich vorbei.

„Ich wusste sofort, das sind sie, jetzt musst du spielen“, berichtet der rüstige Senior. Durch die vielen Berichte in der Zeitung und einen Fall im Bekanntenkreis hatte er sich für den Fall der Fälle vorbereitet. Der Hemeraner spielte einen alleinstehenden, altersverwirrten Senior nach dem Motto: „Ist ja schlimm, was mache ich denn jetzt?“. Die Betrüger müssen von einem dicken Fisch an der Angel ausgegangen sein, denn der 79-Jährige zählte nicht nur gutgläubig seine Bargeldbestände auf, sondern auch den vorgeblich großen Schmuck- und Goldbesitz. Er telefonierte weiterhin ausgiebig abwechselnd mit der „Polizistin“ und einem angeblichen Staatsanwalt, benachrichtigte aber zeitgleich seine im Haus anwesende Ehefrau und bat sie, die Polizei über die Notrufnummer 110 zu informieren. Die von der Ehefrau alarmierte echte Polizei eilte zum Wohnhaus und bezog Stellung.

Der Hauseigentümer telefonierte über zwei Stunden lang mit der „Polizistin“, wurde offenbar hingehalten, bis die Betrüger das Haus erreicht hatten. Einen Großteil des Gesprächs konnten bereits Polizeibeamte verfolgen und aufzeichnen. Das schauspielerische Talent des Seniors am Telefon muss eindrucksvoll gewesen sein. „Mir hat es richtig Spaß gemacht“, berichtet der Mann. Schließlich klingelte es gegen Mitternacht an der Haustür und der angekündigte „Polizist“ wollte die Wertsachen abholen. Der Senior beendete das Gespräch mit der netten Frau, um den angekündigten Kollegen ins Haus zu lassen.

Dann ging alles ganz schnell, kaum hatte der vorgebliche Polizist das Haus betreten, wurde er von zwei Zivilbeamten überwältig und festgenommen. Zeitgleich hatten Streifenwagen das Wohngebiet abgeriegelt und konnten Beamte den Fahrer vor dem Haus festnehmen. Die Betrüger waren sogar so dreist, nochmals anzurufen, weil sich die Geldboten offenbar nicht zurückgemeldet hatten. Der 79-Jährige log weiter: Die Kollegen seien mit den Wertsachen doch schon weggefahren.

Haftbefehle gegen diebeiden Geldboten

Der 19-jährige Bote und sein 23-jähriger Fahrer staunten nicht schlecht, als sie nach der Nacht im Polizeigewahrsam am nächsten Morgen dem Haftrichter vorgeführt wurden. Dieser erließ gegen beide falsche Polizisten Haftbefehle. Die beiden Kölner sitzen dank des couragierten und wortgewandten Seniors nun in Untersuchungshaft.

Die Polizei hat den Verdacht, dass die Anruferin und die beiden Festgenommenen auch für weitere Betrugsversuche im Märkischen Kreis verantwortlich sind. Es wurden umfangreiche Ermittlungen eingeleitet, die noch andauern. Die Betrugsmasche gilt als schwerer bandenmäßiger Betrug und hat sich 2017 in NRW verdoppelt. Die Täter machen eine Millionenbeute.

Geschädigte werden gebeten, sich auch weiterhin bei solchen Anrufen mit der hiesigen – echten! – Polizei unter der Notrufnummer 110 in Verbindung zu setzen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik