Kommunalwahl

Das denken die Erstwähler in Hemer

Am 13. September findet die Kommunalwahl statt, viele Jugendliche gehen wählen.

Am 13. September findet die Kommunalwahl statt, viele Jugendliche gehen wählen.

Foto: ikz

Hemer.  Viele Jugendliche in Hemer fühlen sich zu wenig informiert und nicht genügend eingebunden.

Für viele ist die anstehende Wahl Gewohnheit, einige wählen jedoch zum ersten Mal. In Hemer sind es genau 1159 Erstwähler, die ihre Stimme abgeben dürfen. Mit diesem wichtigen Schritt sind allerdings einige Fragen verbunden: Gehe ich überhaupt wählen? Wen soll ich wählen? und Wer steht überhaupt zur Wahl? Viele Jugendliche sind sich jedoch sicher - Wir gehen wählen!

„Wir haben das Glück in einer Demokratie zu leben, in der die Meinungsfreiheit und das Recht zu wählen ,ein entscheidender Punkt ist. Das ist nicht in allen Ländern selbstverständlich. Daher ist es wichtig seine Stimme zu nutzen“, so Désirée Bertram (18), Abiturientin des Woeste Gymnasiums.

Auch der Schüler des Gymnasiums, Florian Hellmann (18), gibt seine Stimme am Sonntag ab: „Ich werde wählen gehen. Man freut sich, endlich mitbestimmen zu dürfen.“ Leonie Rosenbaum (18), Auszubildende bei Durable, ist der Meinung, es sei gerade als junger Mensch sehr wichtig, wählen zu gehen und somit seine Stimme aktiv zu nutzen: „Wir bestimmen unsere Zukunft mit, wir bestimmen das, was uns noch lange betreffen wird“.

Tobias Sagel (18), Abiturient der Europaschule am Friedenspark, empfindet seine erste anstehende Wahl anders: „Ich gehe wahrscheinlich nicht wählen, weil ich nicht weiß, was ich wählen soll. Ich bin nicht informiert, welcher Politiker was macht“. Er hat das Gefühl, keine Veränderung durch die eigene Stimme erreichen zu können, keine Nähe zur lokalen Politik zu haben und nicht ausreichend informiert zu sein. Aber auch in der Schule hätten sie nur wenig Informationen bekommen.

Johannes Westhoff (18), Schüler am Woeste-Gymnasium, berichtet: „In der Schule wurden wir dazu nicht aufgeklärt. Die einzige Sache, die mir einfällt, ist der Termin mit dem Pressesprecher des Sauerlandparks, Mirko Heintz. Ihm konnten wir Fragen mitteilen, die er an die Politiker weitergegeben hat“.

Florian Hellmann äußert sich dazu enttäuscht: „Ich habe das Gefühl, in der Schule wird keine Motivation und kein Engagement bezüglich Politik mitgegeben. Das finde ich schade“. Informiert haben sich die Jugendlichen daher zum Großteil selbst, durch die lokale Presse oder über das Internet. Aus den Wahlplakaten konnten sie jedoch nur wenige Informationen entnehmen, da diese sehr oberflächlich und standardmäßig seien. Man wisse nicht, was die Partei umsetzen möchte oder wofür sie stehe. „Ich finde die Plakate eher abschreckend, als informierend“, so Tobias Sagel.

Die Jugendlichen haben auch Vorschläge und Anregungen zur Verbesserung. Gerade in Zeiten der Digitalisierung fänden sie Videos der einzelnen Kandidaten, gerade für junge Leute ansprechend und interessant. „Neue Designs wären mal schön, einfach ein bisschen Abwechslung reinbringen und es für die Jugend interessant gestalten“, schlägt Leonie Rosenbaum vor.

Die Jugendlichen gehen nicht ohne Grund wählen, denn sie wollen, dass sich etwas ändert. Ein zentrales Thema ist die Gestaltung und die notwendige Verbesserung der Attraktivität in ihrer Stadt, gerade für junge Leute.

„Hemer ist einfach nicht attraktiv für Jugendliche, es gibt keinerlei Angebote, die man nutzen kann“, so die Schülerin des Gymnasiums, Fritzi Hilbert (17). Jugendliche erhoffen sich auch mehr Flächen wie Parkanlagen, um Freunde zu treffen und mehr Platz für ein ausreichendes Sportangebot.

„Ich finde Hemer braucht Jugendcafés, Diskotheken und mehr Kneipen. Es gibt hier nichts, was für uns interessant ist“, kritisiert Frida Schmöle (17), Schülerin der Europaschule am Friedenspark. Im Hinblick auf Nachhaltigkeit und die Umwelt äußert die Erstwählerin Désirée Bertram folgenden Wunsch: „Ich fände es toll, wenn es mehr Fahrradwege und eine bessere Busverbindung geben würde, damit man nicht immer gezwungen ist, mit dem Auto zu fahren. Wir müssen an die Zukunft denken.“

Im Bereich der lokalen Politik sei ebenfalls dringend eine Verbesserung nötig, um die Jugend, aber auch alle anderen mehr einzubinden: „Ich erhoffe mir von der Politik mehr Bürgernähe. Ich habe das Gefühl, ich habe mit der Politik in Hemer nichts zu tun“, sagt Tobias Sagel.

Aber auch im Umgang mit Erstwählern erwarten die Hemeraner Jugendlichen eine Veränderung: „Ich wurde nur wenig von außen informiert. Sei es seitens der Parteien oder an anderer Stelle. Gerade als Erstwähler habe ich mir da mehr erhofft. Wenn ich mich nicht selber informiert hätte und keinen Zugang zur lokalen Presse gehabt hätte, wäre ich aufgeschmissen“, so Leonie Rosenbaum.

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