Hemeraner Herbsttage

„Der Hemeraner liebt seine Herbsttage“

Martin Hofmann ist der Organisator der Hemeraner Herbsttage.

Martin Hofmann ist der Organisator der Hemeraner Herbsttage.

Foto: Carmen Ahlers

Hemer.  Bei einem Interview spricht Martin Hofmann, Leiter des Kulturbüros,, über das größte Straßenfest der Region – die Hemeraner Herbsttage.

Seit über vier Jahrzehnten sind die Hemeraner Herbsttage fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Stadt Hemer. Einer, der diese Veranstaltung seit der Neuauflage im Jahr 1992 organisiert, ist Martin Hofmann, Leiter des Kulturbüros der Stadt Hemer. Wie sehr er mit den Herbsttagen verbunden ist, wie er die Entwicklung des größten Straßenfestes in der Region sieht, mit welchen Schwierigkeiten die Organisation verbunden ist und warum niemand das Großevent verpassen sollte, das erklärt uns der 61-Jährige im Interview.

Seit 27 Jahren organisieren Sie die Hemeraner Herbsttage. Wie sahen ihre ersten Herbsttage aus?

Damals war es so, dass die Herbsttage mehr oder weniger reine Vereinstage waren, wo sich die heimischen Vereine präsentieren konnten und völlig frei in dem waren, was sie machen. Das war im Grunde noch ein ziemliches Durcheinander, jeder verkaufte Waffeln, stellte eine Kiste Bier auf den Tisch und stellte sich dann als Verein vor. Man kann das ein wenig vergleichen mit dem Markt der Möglichkeiten, der heute allerdings strukturierter ist. Es gab ergänzend eine Kirmes, die eigenständig war, und es gab auch eine kleinere Bühne. Das war aber nicht annähernd mit dem zu vergleichen, was wir heute in der Stadtmitte organisieren.

Wie haben sich die Herbsttage über mehr als vier Jahrzehnte auch bezüglich der Ausmaße verändert?

Die gesamte Größe der Veranstaltung ist in etwa gleich geblieben. Damals haben wir auch angefangen am Alten Markt bei Webers, und das Straßenfest zog sich bis zur Parkstraße, später auch mal bis zur Shell-Tankstelle und Radio Hennecke. Danach gab es aber verschiedene notwendige Umstrukturierungen. Die Kirmes war zum Beispiel auf dem Parkplatz von Edeka, auf dem Hammer war damals noch ein großes Zelt von der Werbegemeinschaft. Es gab im Laufe der Zeit einfach viele kleine Veränderungen. Wir haben immer wieder etwas Neues versucht, aber haben die Grundstruktur letztlich wieder auf den heutigen Stand zurückgeführt. Weil sich das bewährt hat.

Was hat sich im Laufe der Zeit bei der Organisation verändert? Inwieweit greifen die gesetzlichen Bestimmungen und Veränderungen in die Organisation ein?

Als wir die ersten Herbsttage organisiert haben, gab es ähnliche gesetzliche Grundlagen wie heute auch, aber der Gesetzgeber hat nicht so darauf geachtet, dass die Bestimmungen eingehalten werden. Das ist heute natürlich anders. Auch aufgrund vieler bundesweit geschehener Vorkommnisse wird da ein besonderes Augenmerk drauf gelegt. Es ging dann soweit, dass wir nach der Landesgartenschau 2010 erstmals ein Sicherungskonzept erstellen mussten, an dem jedes Jahr dran gefeilt wird. Das schreibt man nicht einmal und dann bleibt das so. Seit letztem Jahr machen wir ja aktiv die Straßensperrung, damit es keine Anschläge mit Lkw geben kann. Da machen wir die ganzen Veranstaltungsbereiche wirklich mit dicht, so dass auch kein Zu- und Abfahren während der Veranstaltungszeit möglich ist. Das ist nicht nur für uns ein Problem, das durchzuführen, sondern es ist auch ein Erschwernis für die Mitwirkenden. Aber es gibt dem Besucher auch Sicherheit.

Mussten Sie aus Gesetzesgründen auf irgendwas verzichten, weil vielleicht der Aufwand nicht zu stemmen ist?

Es ist alles noch gut zu händeln, weil wir die Umsetzung der Vorschriften zwar durchführen, aber die Maßnahmen werden mit den Sicherheitsbehörden ausreichend im Vorfeld abgestimmt. Alle sitzen an einem Tisch und besprechen, welche Maßnahmen nötig sind – und die setzen wir um.

Nach den Herbsttagen ist vor den Herbsttagen. Wie lange dauert die Planung des Stadtfestes? Hört man irgendwann mal auf, an die Herbsttage zu denken oder sind die dauerpräsent?

Die Herbsttage sind definitiv dauerpräsent. Schon jetzt haben wir die ersten ‘Sachen’ für 2020 schon stehen. Die Herbsttage bestehen zum einem ja aus dem Bereich Event und darüber hinaus ist es ja auch ein Riesenmarkt. Und auf diesem Markt sind immerhin 250 Aussteller aus vielen Bereichen. Das muss man ein wenig trennen. Dieser Markt ist ein Dauerthema und sehr attraktiv. Das muss man gar nicht mehr bewerben. Die Markthändler treffen sich und tauschen sich aus.

Wieviel Bewerber bei den Standbeschickern gibt es denn? Müssen Sie vielen absagen?

Die Herbsttage sind für Standbeschicker überaus attraktiv, weil hier noch Umsätze gemacht werden. Das betrifft alle Bereiche. Auch der heimische Handel macht mit. Die Standbewerber können wir selektieren, in dem wir sagen: Wir lassen aus den verschiedenen Bereichen nur eine bestimmte Anzahl zu. Darum müssen wir vielen absagen. Wir wollen da natürlich auch Qualität reinbringen, so dass die Gesamtfläche auch möglichst attraktiv ist. Imbissständen sagen wir momentan beinahe täglich ab.

Wie groß ist das Team, das vor und während der Veranstaltung mit der Orga und der Durchführung beschäftigt ist?

In der Vorbereitung habe ich in der Tat einen Helfer, und in der Durchführung sind wir dieses Jahr zu fünft. Morgens kommen die ganzen Händler, da müssen wir den Aufbau begleiten. Die haben zwar alle Pläne, aber das reicht ja nicht. Da gibt es klare Vorschriften von uns, wer wann wie aufzubauen hat. Da sind wir mit fünf Leuten dabei. Dann geht es in die Durchführung der Bühnenprogramme hinein und da brauchen wir zig Leute, die die Bühne und auch die Künstler mit betreuen.

Müssen Sie Ihre Planung in bestimmten Bereichen anpassen? Brauchen die Herbsttage Veränderung?

Von der Grundstruktur hat es sich so bewährt. Man versucht jedes Jahr, Bereiche zu optimieren. Dieses Jahr war das zum Beispiel die Bühne der Feuerwehr am alten Markt. Wir haben da gesehen, dass wir dort nicht einfach eine alte Bretterbude hinstellen können. Das passt einfach optisch und von der Wertigkeit nicht rein. Da werden wir dieses Jahr eine gescheite Bühne aufbauen.

Wie ist das Verhältnis zu den Anwohnern? Kommt das Team da beschwerdefrei durch die Herbsttage?

Wir kommen weitestgehend beschwerdefrei durch. Der Hemeraner liebt seine Herbsttage, und wenn er zu einer Veranstaltung positiv eingestellt ist, dann sind das einfach die Herbsttage. Es gibt natürlich ein paar Knackpunkte, wo Anwohner sich nicht unbedingt beschweren, sondern auch Anregungen geben. Wenn wir Schwachpunkte sehen, arbeiten wir natürlich auch sofort nach. So ist es zum Beispiel auch entstanden, dass wir den gesamten Bereich hinter dem Jugendzentrum abgesperrt haben, weil sich dort Aktionen abgespielt haben, die von uns nicht kontrollierbar waren. Und so laufen ständig Optimierungsprozesse, um die Herbsttage für alle so attraktiv wie möglich zu machen.

Was bedeuten die Herbsttage für Sie persönlich?

Wir haben das Fest im Jahr 1992 in der jetzigen Form aufgebaut, da steckt einfach sehr viel Herzblut drin. Wir leben das, es ist für uns keine Pflichtaufgabe, die wir seitens der Verwaltung erfüllen. Wir haben uns damit identifiziert. Auch wenn es unendlich viel Arbeit ist und wir am ganzen Wochenende vielleicht auch nur zwei Stunden Schlaf bekommen – das ist egal und wir machen das gerne.

Auf was möchten Sie persönlich auf den Hemeraner Herbsttagen nicht verzichten?

Ich komme aus dem Bereich der Kultur. Deshalb finde ich auch die Abendprogramme mit den Haupt-Acts auf den Bühnen sehr gut. Aber eigentlich sind für mich eigentlich das Miteinander mit den Helfern, mit den verschiedenen Einrichtungen und mit allen Beteiligten in der Organisation und die letztliche Durchführung das Highlight. Wir freuen uns alle immer auf Ende September, jeder steht hinter dem Fest. Wir sind ein Team, und dieses Team ist für mich einfach perfekt. Es gibt kein besseres Team als das der Herbsttage.

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