Coronakrise

Der perfekte Haarschnitt in Zeiten der Krise

So unbeschwert wie vor wenigen Wochen funktioniert das Haare schneiden und Frisieren aktuell nicht mehr.

So unbeschwert wie vor wenigen Wochen funktioniert das Haare schneiden und Frisieren aktuell nicht mehr.

Foto: Privat

Hemer.  Die Friseure werden auch weiterhin ihre Geschäfte geöffnet haben. Dabei kommen sich Friseure und Kunden sehr nahe.

Es ist noch derselbe Job, aber alles ist anders. Vor dem Eintreten in den Friseursalon ist das Desinfizieren der Hände Pflicht, und es gibt viele, viele andere Regeln, an die sich die Menschen halten müssen, die in der Coronakrise zum Friseur gehen. Wir haben mit der Hemeraner Friseurmeisterin Anna Fach gesprochen, um einfach mal ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich Friseurinnen und Friseure aktuell fühlen. Sie ist Chefin von acht Angestellten im Friseurstudio AF, und sie alle durchleben aktuell ein Wechselbad der Gefühle.

Anzahl der Kundenwird geringer

„Zum einen sind wir geehrt, dass wir mit die Welt retten sollen, aber es gibt natürlich auch viel Unverständnis“, sagt Anna Fach mit einem Hauch Ironie. Die Betroffenheit ist groß, die Sorge, was da noch kommen mag, auch. Sie selbst gibt morgens „Schulunterricht“ zuhause und geht nachmittags in ihren Laden in der Stadtmitte, um ihren Kunden die Haare zu machen. Unsicherheit und Sorgen angesichts der finanziellen Probleme, die das Coronavirus mit sich bringt, aber auch Angst vor einer möglichen Infizierung sind präsent. „Wir haben jetzt schon weniger Kunden, in der nächsten Woche könnten es schon 50 Prozent weniger sein“, sagt Anna Fach. Sie selbst verzichtet bereits auf ihr Gehalt, zahlt aber das ihrer Mitarbeiter aus. „Das ist selbstverständlich“, sagt sie. Im Mitarbeiterteam ist man sich freundschaftlich sehr verbunden, das Knuddeln zur Begrüßung fällt aber aus.

Stolz auf die Mitarbeiter, die die Krise mittragen

Und wie es beim Friseur so ist, eine Friseurin ist oft auch ein Mensch, dem man, während die Haarfarbe einwirkt oder während des Haareschneidens viel erzählt, Schönes und Trauriges. „Und natürlich hat man sich da auch mal in den Arm genommen, das geht natürlich jetzt auch nicht mehr.“

Das tut mir auch menschlich so leid“, sagt die Friseurmeisterin, die sehr stolz auf ihre Mannschaft ist. Alle zeigen große Solidarität und kommen zur Arbeit, nehmen keinen Urlaub. Alle verstehen, dass Corona auch Auswirkungen auf ihren Job haben kann, denn muss Anna Fach ihren Laden schließen, gibt es für sie keine Unterstützung.

„Es kann doch nicht sein, dass uns angeboten wird, wir können bei der Bank dann Kredite aufnehmen“, ist Anna Fach fassungslos. Sie informiert sich regelmäßig auf der Seite www.friseur-unternehmer.de, um den aktuellen Sachstand zu haben.

Da heißt es aktuell, dass es nach dem Infektionsschutzgesetz bei Geschäftsschließung keine Entschädigung geben würde – weder für Lohnkosten noch den Betriebsausfall des betroffenen Unternehmers. „Wir fühlen uns diskriminiert“, so die 36-Jährige.

Wie es konkret für die Friseurbranche weitergehen soll, das weiß sie nicht. Jeden Tag kommen neue Informationen, und sie hofft, dass auch die Friseure, die sch jeden Tag einer großen Gefahr aussetzen müssen, bedacht werden, wenn es um Unterstützung geht. „Man kann doch nicht erwarten, dass wir hier die Helden spielen, und das auch noch gerne!“

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