Nach Attentat

Der Ton wird rauher – doch Bedrohungen gab es bisher nicht

Bürgermeister Heilmann zeigt die Sprech- und Sicherungsanlage des Sozialamtes

Foto: Ralf Engel

Bürgermeister Heilmann zeigt die Sprech- und Sicherungsanlage des Sozialamtes Foto: Ralf Engel

Hemer.   Nach dem Attentat auf den Altenaer Bürgermeister schildern Verwaltungsleute und Politiker die Situation in Hemer.

Der Umgangston habe sich verändert, vor allem in und auch durch die sozialen Medien, aber persönliche Angriffe oder Beleidigungen können Bürgermeister und die befragten Hemeraner Fraktionsvorsitzenden nicht bestätigen. Nach der Messerattacke auf Bürgermeister Andreas Hollstein wird über eine Verrohung der Sitten im Umgang mit Verwaltungsmitarbeitern und Politikern und zunehmende Bedrohungen diskutiert.

„Solche Erfahrungen habe ich persönlich zum Glück noch nicht gemacht“, sagt Bürgermeister Michael Heilmann, den der Anschlag ebenfalls zutiefst geschockt hat. Genesungswünsche hat er an seinen Altenaer Amtskollegen gerichtet. Heilmann selbst kann sich nicht an Hassmails oder Bedrohungen erinnern. In Hemer habe es aber auch noch keine solche Flüchtlingsdiskussion gegeben. „Man hört aber schon mal blöde Sprüche“, so der Bürgermeister der weiter auf den sachlichen Dialog mit den Bürgern setzt.

Die Rathaus-Mitarbeiter erleben immer wieder Wutausbrüche oder alkoholisierte Bürger, die sich beschweren. Nach einer Bedrohung im Fachbereich Soziales sind eine Sprechanlage und ein Alarmsystem installiert worden. „Wir machen uns Gedanken über die Sicherheit unserer Beschäftigten“, betont Sozialdezernent Klaus Erdmann. Mitarbeiter würden in Gewaltprävention und Deeskalation geschult. In einigen Fällen habe sich der Umgangston geändert. „Es gibt aber weniger negative, als positive Stimmen“, so Erdmann.

„Der freundliche Umgang miteinander hat durch die sozialen Medien gelitten“, berichtet Marc Giebels vom Beschwerdemanegement im Rathaus. Falsche Nachrichten würden im Internet schnell verbreitet und dann kommentiert.

„Ich habe eine Aversion gegen Facebook“, bekennt SPD-Fraktionschef Hans-Peter Klein. Er sei noch nicht beschimpft worden oder habe Hassmails erhalten. Im Wahlkampf sei manche Ablehnung spürbar gewesen, privat oder in der politischen Arbeit jedoch nicht. Deutlich schlechtere Erfahrungen hat Kleins CDU-Kollege Martin Gropengießer gesammelt. „Ich bin persönlich in anonymen Anrufen und Briefen heftig beleidigt und angegriffen worden. Wobei das Telefon dann mitunter auch mitten in der Nacht geklingelt hat.“ Konkrete Drohungen habe es bisher aber noch nicht gegeben, so Gropengießer.

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