Prozess

Durch den Drogenhandel die eigene Sucht finanziert

Symbolbild

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Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

Hemer/Hagen.  Ein 44-jähriger Hemeraner hat vor dem Landgericht ein Geständnis abgelegt.

Ein Angeklagter, der nicht in Untersuchungshaft ist, muss sich möglicherweise auf eine lange Wartezeit auf seinen Prozess einstellen: Das unterstreicht ein Strafverfahren im Landgericht Hagen, dem eine Straftat aus dem Jahr 2016 zugrunde liegt. Dem Angeklagten wird bewaffnetes Handeltreiben mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel vorgeworfen.

Fluchtversuchscheiterte

Polizeibeamte stellten den Hemeraner am 14. August 2016 nach einem kurzen Fluchtversuch. Im Rucksack des „laufenden Händlers“ fanden sie rund 145 Gramm Amphetamin in diversen Döschen, eine Feinwaage, Druckverschlusstütchen und ein Klappmesser. Einen Baseballschläger und einen Schlagring übergab der Verdächtige von sich aus.

Überhaupt sei er „ganz kooperativ“ gewesen, erinnerte sich ein Polizist an den damaligen Einsatz: „Da gibt es sehr häufig Leute, die nicht so kooperativ sind.“ Für die Beamten endete damit ein „nicht alltäglicher“ Einsatz, der nach einer entsprechenden Mitteilung eigentlich einer Person mit einer Schusswaffe gegolten hatte. Der Personenbeschreibung entsprach allerdings nur der Angeklagte, der allerdings keine Schusswaffe bei sich hatte.

Für ihn und seinen Anwalt Marc Wandt muss es nun darum gehen, den Waffenbesitz möglichst weit weg vom Drogenhandel zu bekommen: Denn die Mindeststrafe für bewaffnetes Handeltreiben mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel liegt bei fünf Jahren.

Delikte vom Diebstahl biszur Körperverletzung

Der 44-Jährige zeigte sich umfassend geständig und ließ seinen Verteidiger eine Erklärung vortragen: Sein Mandant räume ein „sowohl diese Gerätschaften als auch die Betäubungsmittel bei sich gehabt zu haben“. Auch das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln gab der Angeklagte zu. Damit habe er seinen starken Eigenkonsum finanziert. Sein Verteidiger unterstrich mit einer entsprechenden Erklärung, dass sein Mandant aus Suchtdruck mit Betäubungsmitteln gehandelt habe. Für die Mitnahme der Waffen lieferte der Angeklagte eine Begründung jenseits der Verteidigung der Drogen: Ein Bekannter habe ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass es Stress beim Dorfabend in Westig gebe. Daraufhin habe sein Mandant die Brocken eingepackt, „um bei der Party mitmischen zu können“. Wider Erwarten habe es aber keine Keilerei gegeben.

Schonungslos offen zeigte sich der Angeklagte auch bei der Frage nach fortgesetztem Konsum von Amphetamin. Ja, er konsumiere nach wie vor viel - nur manchmal habe er keine Lust dazu. Seine Freundin bestätigte seinen Drogenkonsum und begründete, warum sie dagegen nicht einschreiten könne: Auch sie selbst konsumiere das Zeug zuweilen.

Ein Blick in das Strafregister des 44-Jährigen zeigte eine Vielzahl kleinerer Delikte vom Diebstahl über Betäubungsmittelbesitz bis zu einer gefährlichen Körperverletzung, die ihm 2017 im Amtsgericht Iserlohn eine siebenmonatige Freiheitsstrafe einbrachte. Sie muss in das jetzt zu verhängende Strafmaß miteinbezogen werden. Wenig Auswirkungen auf die Haftdauer dürfte ein neues Strafverfahren wegen einer versuchten gefährlichen Körperverletzung haben, das die Staatsanwältin auf den Tisch legte: Am 30. Juni 2019 soll der Angeklagte in Hemer eine Feuerwerksrakete auf eine Nachbarin abgeschossen haben, die sich wegducken musste, um nicht getroffen zu werden. Der Prozess wird am 29. Oktober fortgesetzt.

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