Kultur

Ehemaliger Obdachloser erzählt seine Geschichte

Dominik Bloh ist seit drei Jahren nicht mehr obdachlos. Er präsentierte sein Buch „Unter Palmen aus Stahl“ in der Stadtbücherei.

Dominik Bloh ist seit drei Jahren nicht mehr obdachlos. Er präsentierte sein Buch „Unter Palmen aus Stahl“ in der Stadtbücherei.

Foto: Hendrik Schulze Zumhülsen

Hemer.   Der Hamburger Autor Dominik Bloh hat in der Stadtbücherei sein Buch „Unter Palmen aus Stahl“ vorgestellt.

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„Hui, es ist ja so ruhig und amtlich hier“, wundert sich Buchautor Dominik Bloh, als er die Stadtbücherei betritt. Der Hamburger ist zehn Jahre lang Obdachloser gewesen und hat seine Geschichte in seinem Buch „Unter Palmen aus Stahl“ verewigt. Vor kurzem hat er sein Buch in der Stadtbücherei vorgestellt.

Seine Lesung in Hemer ist sicherlich eine der kleineren Auftritte des vormaligen Obdachlosen gewesen. Vor rund eineinhalb Jahren hat er das Buch veröffentlicht, drei Jahre lang wohnt er nicht mehr auf der Straße. Mit seinem Buch ist er in ganz Deutschland unterwegs – von Helgoland bis Regensburg. Er reist mit der Bahn. „Jetzt habe ich auch mal erfahren, wie es ist, wenn in Schwerte der Zug ausfällt“, beschrieb der Hamburger seinen Weg.

Im vergangenen Jahr war er auch in der Umgebung bei einer Lesung in Letmathe. Sicherlich hätte er sich in Hemer ein größeres Publikum vorgestellt – 14 Zuschauer haben sich versammelt. Trotzdem sagte Dominik Bloh mit einer klaren und sanften Stimme: „Danke, dass ich hier sein darf.“

Beim Amt fühlte sich niemand zuständig

In der Stadtbücherei erzählte er über sein bewegtes Leben: Mit 16 Jahren wurde er von seiner Mutter vor die Tür gesetzt, da sie mit psychischen Problemen zu kämpfen hatte. Bei einem Freund kam er nicht unter und wohnte seitdem auf der Straße. „Ich habe die Abdrücke von Reifen auf der Schneedecke gesehen und mir gedacht: Das ist jetzt mein Leben“, erzählte Bloh. Da seine Mutter die Vormundschaft abgegeben hatte, habe sein Fall damals in der Verantwortung des Staates gelegen. „Da fühlte sich aber nie wirklich einer zuständig“, erklärte Bloh. So blieb der Hamburger zehn Jahre lang Straßenjunge – machte unter diesen Bedingungen aber auch sein Abitur.

Bloh erzählte in der Stadtbücherei zudem über seine Zeit nach der Obdachlosigkeit. „Dann kommen die bösen Briefe“, erklärte er. Die Strafen für Schwarzfahren sorgten für einen unglaublich großen Schuldenberg für den Hamburger. Drei Vergehen wegen Schwarzfahrens seien jeweils zu einer Strafe von 900 Euro zusammengefasst worden. Noch immer bezahle er seine Schulden bei der Deutschen Bahn ab. „Das hat mir damals den Boden unter den Füßen genommen“, erklärte er. Im Gegensatz zu vielen anderen früheren Obdachlosen ist Dominik Bloh nun durch sein Buch in einer besseren Situation.

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