Flüchtlingsunterbringung

Ein erstes Zuhause in einem fremden Land

Sozialdezernent Klaus Erdmann, Hausmeister Holger Schulz, Integrationsmanager Daniel Braun und Bürgermeister Michael Heilmann besichtigen die Kommunale Erstaufnahmeeinrichtung und das Gelände in Deilinghofen

Foto: Reinhard Köster

Sozialdezernent Klaus Erdmann, Hausmeister Holger Schulz, Integrationsmanager Daniel Braun und Bürgermeister Michael Heilmann besichtigen die Kommunale Erstaufnahmeeinrichtung und das Gelände in Deilinghofen Foto: Reinhard Köster

Deilinghofen.   Die Stadt Hemer bereitet alles für die ersten Flüchtlinge vor, die in der ehemaligen Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Deilinghofen ein Dach über dem Kopf bekommen sollen.

Draußen riecht es nach frisch gemähtem Gras und nach Sommer, drinnen nach frischer Farbe. Und sowohl im Freien als auch unterm Dach wird schon seit Monaten gearbeitet. Alles wird vorbereitet für die ersten Flüchtlinge, die in der ehemaligen Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in Deilinghofen ein Dach über dem Kopf bekommen sollen, wenn sie demnächst der Stadt Hemer zugewiesen werden, um hier eine neue Heimat zu finden. Wann das sein wird, kann niemand sagen. Fest steht aber, die Stadt Hemer hat ihre Hausaufgaben erledigt: wenn die Flüchtlinge ankommen, können sie ohne Verzögerung menschenwürdig untergebracht werden, bis sie sich eingelebt haben und mit Hilfe der Stadt in eine reguläre Wohnung ziehen können.

Zwei der Wohnblocks der früheren ZUE sind bereits hergerichtet und können mit maximal jeweils 50 Personen belegt werden. Zwei weitere sollen je nach Bedarf folgen. Insgesamt würde die Kommunale Erstaufnahmeeinrichtung (KEA) am Apricker Weg dann über eine Kapazität von bis zu 200 Personen verfügen. Um diese Höchstgrenze zu erreichen, müsste aber schon ein ganz erheblicher Strom von Flüchtlingen nach Hemer fließen, denn die Neubürger sollen zunächst einmal in 22 Wohnungen einziehen, die seitens der Stadt bereits angemietet worden sind. Zudem steht an der Pestalozzistraße und am Lusebrink noch Wohnraum zur Verfügung – auch für Flüchtlinge.

Gemeinsame Küche, Duschen, Toiletten und Waschräume

Von „Wohnungen“ im eigentlichen Sinne kann in der KEA nicht die Rede sein. In den Gebäuden gibt es Zimmer in verschiedenen Größen, bis hin zu vier Betten für Familien mit Kindern. Duschen, Toiletten, Küchen und Waschräume müssen sich die bis zu 50 Bewohner jedes Gebäudes teilen. Lediglich ein Kühlschrank wird in jedem der Wohnräume stehen, in dem Lebensmittel sicher vor dem Zugriff anderer verwahrt werden können. „Auf diese Weise wollen wir Konflikte in diesem Punkt von vornherein ausschließen“, erläutert Daniel Braun, seit Anfang des Jahres städtischer Integrationsmanager. Bei ihm laufen alle Fäden zusammen, die von der Stadtverwaltung in Sachen Flüchtlingsaufnahme und -integrations gezogen worden sind. Bürgermeister Michael Heilmann und Sozialdezernent Klaus Erdmann konnten sich am Mittwoch ein Bild davon machen, dass etliche dieser Fäden bereits gespannt und funktionsfähig sind.

Die Wohnräume in den ersten beiden Blocks sind nicht mehr wiederzuerkennen. Die Wände strahlen in frischen, hellen Farben, ebenso die früher eher düsteren Flure. Wo nötig wurden die Fußböden erneuert und die sanitären Einrichtungen renoviert. Unter anderem gibt es pro Gebäude zwei Duschen für Damen und vier für Männer, was der vermuteten Geschlechterverteilung unter den Flüchtlingen entspricht. In den Küchen sind Anschlüsse und Abflüsse für jeweils drei Kochherde und in Arbeitsplatten eingelassene Spülstellen vorbereitet. Ansonsten steht in den Küchen nur noch ein Tisch für alle, die lieber nicht in ihren eigenen vier Wänden essen möchten, nicht aber Schränke. Alle Lebensmittel sowie Ess- und Kochgeschirr müssen nach dem Spülen mit in die Wohnräumen genommen werden.

Die KEA wird keine luxuriöse Unterkunft sein. Schließlich soll sie nach einem Beschluss des Rates bis spätestens Ende des Jahres 2019 wieder aufgelöst werden. Und da ist bei Renovierung und Ausstattung kein überflüssiger Euro ausgegeben worden. Dennoch können sich sowohl Einzelpersonen als auch Familien für eine gewisse Zeit dort wohlfühlen. Vor allem bei gutem Wetter, denn was die KEA auf ihrem fünf Hektar großen Gelände bietet, sucht seinesgleichen: Grünanlagen, stattliche Bäume, ausgedehnte Rasenflächen, Sitzgruppen, je ein Fußball- und Basketballfeld. Aber auch ansonsten müssen die Bewohner nicht in ihren Zimmern versauern. Der Clubraum aus ZUE-Zeiten, der große Fernsehraum, der Jugendclub, der Kindergarten – all das kann bei Bedarf schnell reaktiviert werden. Dass das alles noch nicht geschehen ist, hat auch einen sozialpädagogischen Hintergrund. Daniel Braun: „Wir wollen den jugendlichen und erwachsenen Flüchtlingen anbieten, bei Her- und Einrichten dieser Gemeinschaftsräume selbst Hand anzulegen. Denn Langeweile kann für sie zu einem Riesenproblem werden.“

Auch ansonsten können sich die künftigen Bewohner der KEA – wenn sie es möchten – nützlich machen. Beispielsweise bei der Pflege der Außenanlagen. Derzeit werden die großen Flächen von den Stadtbetrieben gemäht. Den „Feinschliff“ der Grünanlagen erledigen die beiden Hausmeister Holger Schulz und Manuel Täger. Mit deren Einstellung hat die Stadt einen goldenen Griff getan. Schulz war 24 Jahre in der ZUE beschäftigt, Täger 18 Jahre. Beide kennen sämtliche Gebäude und den gesamten Komplex wie ihre Westentasche und sind froh, nach dem Wechsel des Arbeitgebers – zuvor standen sie in Diensten der Malteser – ihren alten Wirkungsbereich behalten zu können. Zu tun gibt es für das Hausmeister-Duo eine Menge, so dass Schulz und Täger dankbar sein werden, wenn Flüchtlinge ihnen bei der Arbeit draußen zur Hand gehen. Letztere können sich dadurch sogar noch ein zusätzliches Taschengeld verdienen.

Kosten deutlich geringer als ursprünglich vermutet

Neben den bis zu vier Wohnblocks umfasst die KEA den ehemaligen Verwaltungstrakt der ZUE, in dem fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes Asyl und Integration der Stadt Hemer ihre Büros beziehen werden. Hinzu kommen das Gebäude mit den Gemeinschaftsräumen, die Werkstatt, der Kindergarten sowie die Pforte, die ein Sicherheitsdienst besetzen wird. Alle anderen Bauten sind quasi eingemottet und bereits von den Versorgungsnetzen getrennt.

Nicht die zunächst kalkulierten 180 000 Euro pro Wohnblock mussten bisher für die Umwandlung der ZUE zur KEA ausgegeben werden, sondern nur 223 000 Euro für zwei Blocks, inklusive der Personalkosten. Die Einsparung ist auch Resultat sorgfältiger Planung, die nicht unter dem Druck Hunderter vor der Tür stehender Menschen erledigt werden musste, die sofort und ohne Verzögerung ein Dach über dem Kopf brauchen. Und egal wann die ersten Flüchtlingen eintreffen werden: Hemer ist gerüstet.

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